Diese Bedeutung haben die bunten Baummarkierungen im Wald

Bestimmt sind Dir beim Wandern durch einen Wald schon einmal bunte Baummarkierungen aufgefallen und Du hast Dich vielleicht gefragt, was diese farbigen Kreuze, Punkte, Ringe, Striche oder Buchstaben an den Baumstämmen eigentlich bedeuten.

Welche Rolle diese Markierungen an Bäumen im Wald spielen, erfährst Du in diesem Gastartikel.


Hinweis: Dies ist ein unbezahlter Gastbeitrag von Torben Halbe, der Mitarbeiter des Projekts Klimaschutzbeiträge von Wäldern mit multifunktionaler und nachhaltiger Bewirtschaftung (KliWaBe) ist.

Das Verbundprojekt des Deutschen Forstwirtschaftsrat e. V. und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. hat das Ziel, zu einer verbesserten Kommunikation der Klimaschutzbeiträge nachhaltig und multifunktional bewirtschafteter Wälder und der positiven Effekte der Holzverwendung beizutragen.

Das Projekt wird vom Waldklimafonds des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des Bundesministeriums für Umwelt gefördert, Projektträger ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).


Welche Bäume zu schützen sind

Die deutsche Forstwirtschaft kennt zwei Gründe, um einen Baum zu schützen: Entweder er ist wertvoll für den Naturschutz, z. B. da er Nisthöhlen enthält oder ein Horst hat. Dafür ist unter anderem folgende Baummarkierung in Gebrauch:

Baummarkierung für einen Habitatbaum

Eine umlaufende Wellenlinie, oft mit „H“ für „Habitatbaum“, markiert einen Baum, der aus Gründen des Naturschutzes nicht gefällt werden soll.

In manchen Bundesländern werden stattdessen Plaketten an den Bäumen angebracht, auf denen „Habitatbaum“ o. Ä. ausgeschrieben steht.

Oder der Baum ist hoch und gerade gewachsen und bietet damit große Chancen, in Zukunft sehr hochwertiges Holz zu liefern. Er wird dann als sogenannter „Zukunftsbaum“ markiert. Die Baummarkierung sieht dann unter anderem so aus:

Baummarkierung Zukunftsbaum mit Ring

Zukunftsbaum mit Ring markiert. Manchmal wird stattdessen ein Papierband um den Baum gebunden.

Manchmal werden statt des umlaufenden Farbrings auch einzelne Symbole aufgesprüht, aber immer umlaufend, damit sie von allen Seiten zu sehen sind. Das können Punkte sein, aber auch ein aufgemaltes x, z oder +.

Baummarkierung Zukunftsbaum mit Punkt

Zukunftsbaum mit Punkt markiert. Auch auf der anderen Seite des Baumes ist einer angebracht.

Ein solcher Zukunftsbaum kann durch sein gutes Wachstum in den nächsten Jahrzehnten der Atmosphäre besonders viel Kohlenstoff entziehen und somit einen Klimaschutzbeitrag leisten.

Welche Bäume zu fällen sind

Es gibt verschiedene Gründe, einen Baum zu fällen. Für Dich als Wanderer am relevantesten ist die sogenannte Verkehrssicherung: Wenn ein Baum abgestorben ist, könnten er oder seine Äste auf den Weg fallen und jemanden verletzen, deshalb wird er gefällt.

Ein anderer möglicher Grund ist der Befall durch Schädlinge wie Borkenkäfer: Werden befallene Bäume rechtzeitig gefällt und aus dem Wald entfernt, kann die Ausbreitung eingedämmt werden. Außerdem werden Bäume natürlich gefällt, um den wertvollen Rohstoff Holz zu liefern.

Ein großer, gerade gewachsener Baum liefert dabei das wertvollste Holz, z. B. für Holzgebäude und Massivholzmöbel, in denen der Kohlenstoff langfristig gespeichert bleibt.

Nicht jeder Baum kann es aber bis zu diesem Alter und dieser Qualität bringen, dünnere Exemplare können z. B. für Spanplatten, Papier oder als Brennholz verwendet werden. Darin ist der Kohlenstoff zwar nicht so lange gespeichert, aber zumindest kann man damit klimaschädliche Stoffe wie Kunststoffe und Heizöl ersetzen und so Emissionen sparen.

Die häufigste Markierung hierfür ist der schräge Strich:

Baummarkierungen Schraegstrichfällung

Schräger Strich in Aktion: Dieser Baum wurde gefällt, allerdings wurde ungewöhnlich viel stehengelassen, um weiterhin die Hinweisschilder für die Wanderwege zu tragen.

Müssen viele benachbarte Bäume auf einmal gefällt werden, z. B. wegen des Borkenkäfers, werden diese manchmal auch nur mit einem einzelnen Punkt markiert (statt der mehreren umlaufenden Punkte bei Zukunftsbäumen). Im Vergleich zum schrägen Strich vereinfacht das die Markierung und reduziert den Farbverbrauch.

Baummarkierungen Punktfällung

Punkt nur an einer Baumseite als Zeichen für die Fällung. Das „W“ auf einem der Bäume ist das Namenskürzel des Waldbesitzers, dem damit auch das Holz gehört.

Wo Forstmaschinen fahren dürfen

Die Waldarbeit ist einer der gefährlichsten Berufe in Deutschland. Scharfe Werkzeuge, tonnenschwere Stämme und herunterfallende Äste können zu tödlichen Verletzungen führen.

Forstmaschinen wie die Holzvollernter reduzieren diese Risiken deutlich: Die Forstarbeiter sitzen geschützt in der Kabine. Durch ihr großes Gewicht verdichten diese Maschinen allerdings den Waldboden.

Um die Natur zu schützen, dürfen sie deswegen nicht überall fahren, sondern nur auf den sogenannten Rückegassen. Diese werden unter anderem mit den folgenden Baummarkierungen ausgewiesen:

Baummarkierungen Rückegassenmarkierung

Rückegassenmarkierung auf beiden Seiten mit zwei parallelen horizontalen Strichen. Manchmal wird ein „R“ zur zusätzlichen Verdeutlichung darübergeschrieben. Je nach Region werden auch gänzlich andere Zeichen gebraucht, sie werden aber ebenfalls jeweils auf beiden Seiten der Rückegasse angebracht.

Wo Grenzen verlaufen

Der deutsche Wald hat viele Besitzer: Länder, Kommunen, Kirchen, Stiftungen und der Bund besitzen Wald, aber etwa die Hälfte ist in Privatbesitz. Viele Familien im ländlichen Raum sind Inhaber von kleinen Parzellen, daneben gibt es einige große private Waldbesitzer.

Vor allem, wenn Holz geerntet wird, muss klar sein, was wem gehört. Da Grenzsteine auf dem Waldboden schnell überwuchert werden, ist es üblich, die Grundstücksgrenzen weithin sichtbar an Bäumen zu markieren.

Die Baummarkierungen sehen dann zum Beispiel so aus:

Baummarkierungen für eine Grenze

Grenzhinweis in Aktion: Die Holzernte hörte an der Grenze auf.

Baummarkierungen für Grenzhinweis mit Kürzel und Raute

Allgemeiner Grenzhinweis mit Kürzel und Raute.

Markierung von liegendem Holz

An den Holzstapeln (forstlicher Fachausdruck: Holzpoltern) am Wegrand sind Markierungen angebracht. Diese sind meist kodierte Informationen zur Holzqualität, zur Holzmenge sowie zum Besitzer oder Ursprungsort des Holzes.

Baummarkierungen an einem Polter

Markierungen an den Holzstapeln (forstlicher Fachausdruck: Holzpoltern) am Wegrand.

Was uns der Holzpolter auf dem Foto verrät: In diesem Beispiel steht 08 für die Reviernummer des zuständigen Forstrevieres, 007 für die Aufnahmenummer. Die erste Ziffer der Aufnahmenummer ist die letzte Ziffer der Jahreszahl, in diesem Fall also 202(0).

Die anderen beiden Ziffern sind eine laufende Nummer. P6 ist die Polternummer, es handelt sich also um den sechsten Polter von dieser Aufnahme. Die 40 ist ein Kürzel für die Sorte des Holzes, die sich aus der Holzbeschaffenheit und seinen Eigenschaften für die weitere Verwendung ergibt.

Das Holz auf diesem Bild wird als Palettenholz für die Logistikindustrie verkauft. Da sich bereits in den stehenden Baum der Borkenkäfer in die Rinde gebohrt hat, ist die Holzqualität geringer, was sich auch auf die Verwendung auswirkt. Die Punkte auf den einzelnen Stämmen bedeuten übrigens, dass sie vom Förster im Rahmen einer Stichprobe kontrolliert und gezählt wurden.

Fazit zu Baummarkierungen

Die in diesem Artikel erläuterten Baummarkierungen sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass Du in Deutschland durch einen bewirtschafteten Wald wanderst. Denn die Markierungen sind wichtige Voraussetzungen, um nachhaltige und naturnahe Waldpflegemaßnahmen durchzuführen.

Vielleicht erscheinen Dir bei Deiner nächsten Wanderung die Baummarkierungen im Wald jetzt weniger kryptisch und Du kannst sie  sogar einordnen und Dir erschließen sich dadurch interessante Details.

Siehst Du beim Wandern eine besondere lokale Variante, kann Dir ein Förster vor Ort sicher die Bedeutung nennen.

Fotos: © Torben Halbe

Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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