Gastbeitrag: Was ich aus dem Wandern mit Pony gelernt habe

Dies ist ein Gastbeitrag von Sarah, die gemeinsam mit ihrem Mann, ihrem Hund Sturmi und Shetland-Pony Egon durch Thüringen und Umgebung wandert und darüber auf verwandert.de berichtet.

Hast du dir schon einmal überlegt, wie es wäre, wenn dich auf deiner Wanderung jemand begleiten würde, der nie quengelt, genügsam und ausdauernd ist und dazu noch dein Gepäck trägt? Klingt zu schön, um wahr zu sein?

Genau so jemanden habe ich vor einem Jahr gefunden. Egon heißt mein treuer Begleiter, der auf jeder Tour mit dabei ist. Begeistert erkundet er mit mir jedes Gelände, isst, was er unterwegs findet und wickelt dabei einfach jeden um den Finger. Oder vielmehr um den Huf. Denn Egon ist kein Mensch, sondern ein 90 cm kleines Shetlandpony.

Aufs Pferd gekommen bin ich eigentlich durch Zufall. Auf einer gemeinsamen Wanderung mit Freunden hatte ich Egon kennengelernt und war sofort begeistert. Daraufhin habe ich ihn kurzentschlossen übernommen. (Stell dir hier das Gesicht meines Mannes vor, als ich ihm nach der Wanderung freudestrahlend berichte: „Schatz, wir haben jetzt ein Mini-Shetty!“)

Nun wohnt Egon im Nachbarort in einer Pferdegemeinschaft und ich entdecke gemeinsam mit meinem Mann, unserem Hund und ihm Wanderstrecken in und um Thüringen.

So schön das Wandern mit Miniatur-Pferd auch ist, bringt es auch einige Überlegungen mit sich. Hier einige Dinge, die ich gelernt habe:

Du wanderst anders

Wenn du mit einem Pferd unterwegs bist, entdeckst du viele Orte automatisch anders, als wärst du nur mit deinem Rucksack dort. Manch schöne Aussichtspunkte werden plötzlich stressig, weil das Pony aus Langeweile in deinem Rucksack stöbert. Museenbesuche funktionieren nicht mehr. Dafür sind saftige Wiesen plötzlich der Hit auf jeder deiner Wanderungen.

Dein Tier ist der Star

Egal, wie nett und aufgeschlossen du bist – gegen ein knuffiges Mini-Pony kommst du einfach nicht an. Egon ist auf jeder Wanderung der Star. Alle Leute wollen ihn streicheln, stellen Fragen zum Wandern mit Pony oder laden uns nach Hause ein, um dem Pony Mohrrüben zu geben

Du wirst entschleunigt

Mit einem Packpony kommst du einfach nicht so schnell voran, wie ohne. Dafür lockt das Gras zu sehr, dich sprechen zu viele Leute an oder du machst mehr Pausen. Doch darauf kommt es auch gar nicht an. Egon entschleunigt mich auf meinen Wanderungen ganz automatisch. Wenn du mit einem Tier wandern gehst, musst du dich dessen Tempo anpassen. Wenn Egon den Berg hinauf rennt, sprinte auch ich nebenher. Wenn er trödelt, trödel auch ich. Am Strick ziehen bringt in der Situation übrigens gar nichts. Eher im Gegenteil: So ein Mini-Shetty kann nämlich auch stur wie ein Esel werden ;-)

Auf diese Weise lernst du, wieder weniger zu planen. Einfach den Tag und die Wanderung auf dich zukommen zu lassen. Ohne Zeitdruck und ohne das Ziel, möglichst viele Kilometer zu schaffen.

Du kannst überall schlafen

Du findest immer irgendwo einen Schlafplatz. Manchmal werden wir von fremden Leuten eingeladen, im Garten zu zelten. Dann gibt es neben netter Gesellschaft oft sogar Essen und Trinken spendiert. Es ist wirklich unglaublich, wie aufgeschlossen und gastfreundlich die Leute sind.

Einmal haben wir erst spät am Abend einen kleinen Thüringer Ort erreicht und wurden wahnsinnig nett aufgenommen. Kurzerhand bauten die Bewohner einen Zaun für Egon auf und versorgten uns ungefragt mit Kaffee und Gas für unseren Campingkocher. So eine entspannte Nacht hatte ich selten.

Aber auch wenn das mal nicht klappt, keine Panik! Auf einer Mehrtagestour haben wir mit Egon sogar schon einmal auf einer Verkehrsinsel übernachtet. Klar, gemütlich ist anders, aber auch das funktioniert.

Dein Equipment ändert sich

Wenn du auf einer Tagestour vorher nur etwas Wasser und ein belegtes Brötchen dabei hattest, packst du nun einen Anbindepflock, Wasserkanister und eine Faltschaufel ein. Außerdem werden Handschuhe dein neuer Trend – auch bei 30 Grad im Schatten.

Du musst nicht auf alles verzichten

Auch wenn Besuche von Museen oder ähnlichem nicht mehr funktionieren, musst du trotzdem nicht auf alles verzichten. Mit einem netten Pony darfst du sogar in viele Biergärten und auch durch Innenstädte kannst du bummeln. Du musst es nur einfach auch machen. Ein bisschen Verrücktheit gehört dazu.

Du brauchst Motivation

Du siehst also: So ein Packpony ist super toll und praktisch. Doch trotzdem solltest du dir nicht einfach nur ein Pony anschaffen, damit dieses auf deiner Wanderung etwas Gepäck trägt. Denn dann wirst du sicher schnell enttäuscht.

Das Wandern mit Packpony ist nicht entspannter als ohne. Im Gegenteil: Es kann auch stressig sein. Du hast dauerhaft die Verantwortung für das Tier, bist abhängig, musst auf manches verzichten und kannst nichts fest planen. Wenn du einfach nur einen Lastenträger suchst, solltest du einen Shuttle für dein Gepäck buchen.

Doch wenn du dein Tier gerne um dich hast, wenn du ihm etwas Besonderes bieten möchtest und es dir um das gemeinsame Erlebnis geht, dann ist eine Wanderung mit Pferd unbeschreiblich toll. Eure Bindung wird unglaublich gestärkt und ihr lernt euch beide auf eine ganz neue und intensive Art kennen. Probiere es doch einfach mal aus.

Wenn du kein eigenes Lastentier hast, gibt es auch Möglichkeiten, dir unter Anleitung für einen Tag eines zu borgen. In Deutschland werden unter anderem Touren mit Lamas, Ponys und Ziegen angeboten.

Unsere Tourenberichte sowie alle Info zu Wanderrouten und Equipment findest du unter http://verwandert.de.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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