Müssen Wanderungen immer ausgefallener werden?

Ich weiß nicht, wie es Euch geht: Aber ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren der Trend zu immer ausgefallenen und bisweilen auch sehr exotischen Wanderungen zu genommen hat. Nicht nur, dass sich neben dem vergleichsweise beschaulichen Wandern eine Reihe von neuen Outdoor-Trendsportarten, wie Klettersteiggehen, Speedhiking oder Trailrunning, mehr oder weniger etabliert haben. Nein. Mittlerweile werden sogar ausgefallene Wanderungen, wie etwa Flussbett-Wanderungen, Husky-Wanderungen oder Trekking mit Alpakas von diversen Anbietern, wie etwa Jochen Schweizer oder Erlebnisgeschenke, als geführte Touren angeboten.

Wandern nicht mehr spektakulär genug?

Wandern hat in den letzten Jahren ein ungeahntes Comeback erlebt. Anscheinend ist jedoch das „normale“  Wandern und das reine Naturerlebnis jetzt nicht mehr spektakulär genug, um die Leute für Outdoor-Aktivitäten zu begeistern. Und damit meine ich keine Schneeschuh-Wanderungen, da diese Art der Fortbewegung durch den Schnee seine Berechtigung hat. Aber wieso muss man extra durch ein Flussbett laufen, damit keine Langeweile aufkommt? Und auch ohne Husky oder Alpaka an der Leine gibt es bei einer Wanderung durch die Natur viel zu erleben. Eine Wandertour bietet dazu eigentlich immer ausreichend Gelegenheiten. Und Wandern kann man auch einfach so, ohne Erlebnisagentur. Oder wird einfach nur mit allen Mitteln versucht, mit dem Wanderboom Geld zu verdienen?

Trekking mit Alpakas?!

Der ein oder andere wird sich sicherlich fragen: Was oder wer zum Teufel ist ein Alpaka? Das Alpaka, ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform, die vorwiegend ihrer Wolle wegen gezüchtet wird. Das Alpaka ist ein genügsames und friedliches Tier, das sich hauptsächlich von Gras und Heu ernährt. Gewiefte Geschäftsleute haben die Tiere jetzt anscheinend auch für den Wandertourismus entdeckt, da den Tieren durch ihre ruhige Art eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird. Aber ist Wandern nicht schon beruhigend genug?

Bei unsere Tour auf dem Rheinsteig letztes Jahr, sind wir auch an einem Gehege mit Alpakas vorbei gekommen. Zwar sind Alpakas entzückende, sanftmütige Tiere und geben ein herrliches Bild ab. Jedoch sehe ich keinen Sinn darin, mit einem an der Leine in unseren Gefilden durch die Natur zu wandern. Ich stell mir das gerade vor…neugierige und belustigte Blicke wären mir sicherlich gewiss. Und gibt es wirklich Leute, die solche geführten Touren buchen?

Wie ist Eure Meinung zu dem Thema?

Würdet ihr solche ausgefallenen Wanderungen mal ausprobieren? Oder habt ihr es vielleicht schon? Und was sind die Beweggründe?

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo zusammen,

    ich hab da noch keine ganz klare Meinung dazu.

    Als Familienvater mit kleinen Kindern sind Touren mit Tieren natürlich schon ein HIghlight für die Kids.

    Egal ob Huskywanderung wo die Kids alle Nase lang den armen Hund totschmusen dürfen oder Lama-, Esel- oder Alpaka-Trekking wo uns die Lasttiere das Gepäck abnehmen und die Tour mölich machen bzw. erleichtern.

    Fraglich ist für mich natürlich auch immer, ob das Sinn macht im Sinne des Tieres. Wird das Tier nur für den Kommerz angeschafft? Was passiert, wenn den oft kleinen Anbietern mal die Kunden fernbleiben? Gibt es dann Alpaka-Salami? Werden die Tiere generell artgerecht gehalten?

    Sollte der Anbieter das recht tiergerecht machen, dann bin ich potentiell schon auch ein Kunde.

    CU

    Carsten

    • Hi Carsten, danke für deinen Beitrag.
      Klar finden Kinder Tiere toll. Ich frag mich jedoch, ob ein künstliches Beiwerk bei einer Wanderung, z.B. in Form von Tieren, überhaupt nötig ist. Ich glaube nämlich nicht. Unterwegs gibt es doch in der Natur genug zu entdecken. Gerade auch für Kinder. Als Eltern muss man ihnen das nur vermitteln und ggf. auch zeigen. Die Frage bezüglich der Anschaffung und der Haltung ist noch mal eine ganz andere.

  2. Ich bin ganz deiner Meinung. Wandern alleine scheint nicht mehr aufregend genug zu sein. Alleine durch das Gelände zu streifen und die Ruhe genießen scheint einfach zu wenig Nervenkitzel zu bieten. Tja, so ist unsere Gesellschaft nun mal geworden: höher, schneller, weiter, besser, …

  3. Interesanntes Thema. Vielleicht lockt das merh Menschen nach draußen die dann „am draußen“ sein generell gefallen finden könnten. Wie schon angeschnitten ist es auch für Kinder eine neue Erfahrung diese Art von Tiere einmal nicht im Zoo hinter einem Zaun zu sehen sonder aktiv mit ihnen zu arbeiten. Klar, es ist kein heimisches Tier, und gerade da sehe ich (abseits der Tierperspektive) einen großen Vorteil. Wie viele kommen nach Peru oder Südamerika um die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen und um auch zu sehen wie sich die Menschen ihrem Lebensraum angepasst haben (bspw. nicht Autos zu verwenden oder Quads sondern auf „alte bewährte“ Mittel zurück zugreifen). Natürlich immer mit Respekt vor dem Tier.
    Also könnte man auch sagen ein Stück „Welt“ für jeden.

    Ich würde es dennoch nicht in Anspruch nehmen, ich würde eher nach Südamerika fahren :)

    Grüße Felix

  4. Hallo Jens,
    eine Wanderung muss nicht exotisch sein. Meine Freundin, Wanderhund Sam und ich gingen einmal von uns zu Hause zu Ihrem Vater, da ging es viel über Asphalt. Da waren wir auch einige Stunden unterwegs. Schön war es trotzdem!
    Was die Passage des Rheinsteigs im Siebengebirge angeht, da bin ich persönlich mit der Streckenführung nicht einverstanden. Da gibt es einige kleinere Pfade, die ich persönlich bevorzuge. Inwieweit ich die in Zukunft noch gehen kann, steht aber auf einem anderen Blatt. Aber es gibt schon genügend Abschnitte, wo ich immer wieder gerne hingehen mag, z.B. Um die Südseite der Löwenburg mit ihrem Buchenwald.
    Speedhiking brauche ich nicht, ich kann zwar durchaus flott gehen, würde mir primär aber auch Zeit zur Muße beim Wandern gönnen. Klettersteige gehören aber nun wirklich nicht zur Kategorie Wandern, ebensowenig Trailrunning. Wobei man natürlich auch da Laufen kann, wo Wanderwege sind. Prinzipiell gilt dies auch für Radfahren, es gibt also Überschneidungen.
    Über längere Distanzen kann ich mir Lastesel oder Alpakas schon vorstellen, wobei ich hier in Europa Eseln Nutzen würde. In Südamerika dann aber Alpakas nutzen wollte.
    Zum Wandern reicht mir gutes Schuhwerk und ein Rucksack mit den benötigten Utensilien sowie eine schöne ländliche Route.
    Viele Grüße, Bernd

  5. Wer Kinder für das Wandern begeistern möchte, der sollte es mit Geocaching versuchen. Eine Schatzsuche bzw. Schnitzeljagd ist mindestens genau so spannend wie mit „exotischen“ Tieren durch die Natur zu ziehen :)

    Trailrunning empfinde ich übrigens eher als „Weiterentwicklung“ des Laufens (eigentlich ist man früher ja auch schon im Wald gelaufen) als des Wanderns. Weg vom langweiligen Asphalt, rein in eine spektakuläre Naturlandschaft. Trend ist es nur geworden weil man dem Laufen im Wald einen „coolen“ Namen verpasst hat ;)

  6. Die Gaudisierung der Natur gibt mir auch immer mehr zu denken. Die Alpen verkommen immer mehr zu einem riesigen Disneyland, kein Respekt mehr vor der Grossartigkeit dieser Landschaft. Am Gurnigel im Berner Oberland werden sogar Quadtouren angeboten! In einem Naturpark, notabene!!! Wie dies möglich ist, ist mir schleierhaft.
    Mit unseren Kindern haben wir letztes Jahr fast zwei Dutzend Wanderungen unternommen. Wir brauchten keinen Hund, kein Alpaka. Es gab genug zu entdecken am Wegrand. Wir sollten dafür sorgen, dass wir die Natur wieder besser verstehen. Dass wir die Pflanzen und Tiere kennen lernen. Dann braucht es keine künstliche Belustigungen. Es gab mal einen Werbeslogan: Reduce to the max. Das ist Wandern.

  7. Wichtiger Aspekt, guter Artikel – danke Jens!

    Für mich muss es nicht immer weiter weg, höher hinaus, spektakulärer usw. sein. Für mich gilt auch beim Wandern weniger ist mehr.

    Versuche also möglichst wenig Verkehrsmittel (auch keine Bergbahnen) zu nehmen, möglichst nicht zu fliegen, möglichst Tier (brauche auch keine Tiere als Zug- und Lasttiere) und Natur zu schützen.

    Bin im letzten Sommer von meiner Haustür in Franken nach München und über die Alpen nach Venedig gewandert. Zurück ging es mit dem Zug. War eine der aufregendsten Reisen meines Lebens. Abenteuer warte auch vor der Haustür und nicht nur im Dschungel auf Borneo.

    Viele Grüße,

    Christof

  8. Hallo Jens,
    ich bin selbst Anbieter von Trekking-Touren mit Alpakas. Daher ist es auch sehr interessant für mich, die kontroversen Meinungen über dieses Thema hier zu lesen. Der Gründe, weshalb ich Alpakas halte sind bei mir die, dass ich erstens seit meiner frühen Kindheit sehr gerne wandere, dass ich zweitens ebenfalls gerne mit Tieren zu tun habe und dass ich drittens als Ausgleich zu meinem Bürojob in meiner Freitzeit gerne in der Natur unterwegs bin. Ich war und bin auch ohne die Alpakas ein leidenschaftlicher Wanderer. Auch eine Alpenüberquerung habe ich schon vor meiner Zeit als Alpakahalter gemacht. Mit der Alpakahaltung habe ich im Jahr 2010 als reines Hobby begonnen. Im ersten Jahr war ich nur alleine oder mit meiner Familie mit den Tieren an der Leine unterwegs. Schnell hat sich dabei herausgestellt, dass die Wanderungen auch den Tieren Spaß machen, da es unterwegs natürlich auch viele Gelegenheiten zum Grasen auf saftig grünen Wiesen gibt. Wir halten unsere Tiere in Offenstallhaltung auf einer großen Weide. Die Tekking-Touren wären zwar nicht unbedingt nötig, aber man merkt es den Alpakas an, dass diese auch ihnen Spaß machen. Im Jahr 2011 habe ich dann gemeinsam mit meiner Familie beschlossen, dieses Erlebnis auch Gästen zu ermöglichen. Für mich ist das Ganze jedoch nach wie vor ein Hobby, welches für mich selbst nach über 100 Touren mit den Tieren noch immer ein ganz besonderes Erlebnis ist. Man darf sich das Ganze auch nicht als stramme Wanderung vorstellen. Wenn ich ohne die Alpakas unterwegs bin, was ich auch nach wie vor tue, kann ich leicht das dreifache der Strecke zurücklegen. Um unsere Tiere nicht zu überfordern machen wir auch grundsätzlich nicht mehr als drei Touren pro Woche. Das Interesse ist momentan so groß, dass wir bereits heute bis ca. Ende September 2013 ausgebucht sind. Die Einahmen aus unseren Touren werden in vollem Umfang wieder für die Tiere (Futter, Tierarzt, neue Weidezäune usw.)eingesetzt. Auch wenn viele Leute die Alpakas als „Exoten“ betrachten, sollte man bei der ganzen Diskussion auch nicht vergessen, das es sich hierbei um domestizierte Tiere (Haustiere) handelt. Die Inkas in Südamerika haben bereits vor ca. 6.000 Jahren die Lamas und Alpakas gezüchtet. Es handelt sich haher um zwei der ältesten Nutztierarten auf der Welt.

    Liebe Grüße aus Kraichtal
    Christian

  9. Hi Christian, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Sehr interessant auch mal die „andere“ Seite zu hören. Dann gibt es jedoch wirklich einige Leute, die solche geführten Touren buchen. Kannst du uns sagen, was die Leute sich davon versprechen bzw. was die Motivation ist?

  10. Gute Frage, aber was heisst den schon ausgefallen? Ich sehe hier auf deinem Blog Wanderungen, die für die meisten ziemlich ausgefallen sind. Das kommt immer auf den Standpunkt und den Wohnort an. Ich wohne zum Beispiel in Uruguay und da sieht man halt bei einer gewöhnlichen Wanderung mal etwas Anderes als in Deutschland. Seelöwen, Wale und Pinguine zum Beispiel http://www.lateinamerika-reisemagazin.com/2014/08/23/die-schonste-trekkingtour-uruguay-wanderwege/ aber so was Besonderes ist das dort nicht. Während eine Waldwanderung oder eine Bergwanderung dort schon sehr aussergewöhnlich wären, da der höchste Berg einmal gerade 512m und das bei einer Fläche, die halb so gross wie Deutschland ist.. Alles Ansichtssache oder?

  11. Hallo,
    Es ist alles Ansichtssache. Menschen die Alpaka Touren buchen, möchten einfach mal den Tieren nahe sein. Sie kommen vielleicht aus der Stadt, sind gestresst. Da geht es nicht nur ums wandern, das ist ein guter Nebeneffekt. Die Tiere anfassen, Ihnen ganz nah sein, Ihnen zuhören oder zusehen ist für viele eine Bereicherung. Alpaka lieben es von der Weide runter zu kommen. Sie sind Mega neugierig und freuen sich regelrecht, wenn sie merken es geht los. Wir haben selber Alpakas und bieten Wandertouren mit Picknick an und es sind mindestens genauso Treue Begleiter wie z.b. Hunde. Nur anders. Spezieller.

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