Wieso ich froh bin ein Flachlandtiroler zu sein und warum das nicht immer stimmt

Ein Flachlandtirol ist laut Duden die umgangssprachliche und scherzhafte Bezeichnung für jemand, der aus dem Flachland kommt und in den Bergen Urlaub macht und sich dabei wie ein Einheimischer kleidet und sich auch entsprechend zu benehmen versucht. Zumindest die ersten beiden Punkte treffen unzweifelhaft auch auf mich zu. Manchmal auch der letzte Punkt. Warum ich das aber nicht schlimm finde und wieso ich froh bin, ein Flachlandtiroler zu sein, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Das Leben in der Großstadt

Ich bin in Dortmund geboren und lebe immer noch dort. Dortmund liegt in Nordrhein-Westfalen und ist die bevölkerungsreichste Stadt im Ruhrgebiet. Ich liebe meine Heimatstadt und das Leben in der Großstadt. Deshalb hat es mich auch nie woanders hingezogen. Denn hier ist immer etwas los, es gibt ein riesiges Freizeit- und Kulturangebot, umfangreiche Einkaufsmöglichkeiten, eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur und natürlich den BVB. Und gerade im Ruhrgebiet, wo eine Großstadt nahtlos in eine andere übergeht, gibt es eine unschlagbare Vielfalt und unbegrenzte Möglichkeiten. 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr.

Dortmund ist außerdem eine grüne Großstadt, denn fast die Hälfte des Stadtgebietes besteht aus Grün- und Parkanlagen. Mit dem Ardeygebirge hat Dortmund sogar ein echtes Gebirge zu bieten, wo große Höhenunterschiede, felsige Steilhänge und tiefe Kerbtäler das Landschaftsbild prägen. Auch die Nähe zu attraktiven Naturregionen machen die Stadt für mich zu einem idealen Ausgangspunkt für Outdooraktivitäten. Mit dem Auto bin ich in ca. 20 Minuten in der Elfringhauser Schweiz und es sind nur ca. 30 Minuten bis ins Sauerland, einer sehr schönen und einzigartigen Mittelgebirgsregion. Sogar das Meer ist in knapp drei Stunden Autofahrt zu erreichen. Nur eins gibt es in der Nähe nicht: Richtige Berge über 1.000 Meter.

Wieso ich trotzdem froh bin ein Flachlandtiroler zu sein

Aber auch wenn ich die Berge schon seit meiner Kindheit über alles liebe, bin ich trotzdem froh, nicht in der Nähe der Alpen oder eines anderen Gebirges zu wohnen. Was sich nach einem Widerspruch anhört, hat jedoch eine ganz einfache Erklärung: Denn so bleiben die richtig hohen Berge für mich immer etwas nicht Alltägliches und Besonderes. Ich freue mich immer tierisch auf den nächsten Aufenthalt in den Bergen und wenn ich dort bin, genieße ich jede Minute. Egal wie das Wetter ist. Die Berge sind für mich nie zu einer Selbstverständlichkeit geworden, wie vieles andere was jederzeit verfügbar ist. Die Faszination Berge hat sich bei mir nicht abgenutzt und das finde ich schön. Deshalb bin ich froh, ein Flachlandtiroler zu sein und lass mich auch gerne so titulieren. Aber irgendwann wird die Sehnsucht nach den Bergen dann doch einfach zu groß.

Im Moment befinde ich mich endlich wieder in den Bergen und mache mit der Familie eine Woche Urlaub im Moorbad und Natur-Heil-Dorf Bad Feilnbach am Wendelstein. Und falls ihr mich in den Bergen sehen solltet und ich mich wie ein Einheimischer zu benehmen versuche, seht es mir bitte nach.

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nur weil man näher an den Bergen wohnt, heißt es noch lange nicht, dass man auch öfter darauf läuft. Insofern kann ich dich gut verstehen! Ich habe damals gedacht: Cool, wenn ich da runter ziehe, dann kann ich mal eben in die Alpen fahren, wenn mir danach der Sinn steht. Effektiv war ich jedoch öfter in den Bergen unterwegs, als ich noch in Aachen gewohnt habe ^^

    • Oh doch, bei mir ist das Gegenteil der Fall! Habe ich mich vor Jahren zwar auch immer gefreut, drei- bis viermal im Jahr in die Berge zu fahren, ist es spätestens seit diesem Jahr wahrhaft exzessiv geworden. Auf gut und gerne 25 bis 30 Tage in den Bergen komme ich dieses Jahr locker. Und jetzt, wo ich schon wieder eine Woche nicht war, kribbelt es schon wieder und jedes ungenutzte Wochenende kommt mir wie Verschwendung vor.

  2. Es nutzt sich nicht ab :-D
    Auch nach fast drei Jahren in München freue ich mich jedes Mal, wenn ich von der Stadt aus die Berge sehen kann, und freue mich auf jede Tour am Wochenende. Mindestens 1mal pro Tour kommt auch der Gedanke, wie gut es einem als Münchner doch mit den Bergen geht? ich hoffe es hält noch ein paar Jahre an.

    • Würde mir sicherlich auch nicht anders gehen. Vielleicht schieben sich die Berge in Sauerland durch eine Verschiebung der Erdplatten ja auch noch mal nach oben und ich habe dann auch richtig hohe Berge vor der Haustür ;-

  3. Als ich nach Tirol gezogen bin, habe ich jeden Morgen über das Bergpanorama gestaunt. Berge direkt hinter der Haustür, was will man mehr. Nach über sieben Jahren, nehme ich es wirklich nicht mehr so wahr. Es ist normal, dass die Berge da sind. Was mich aber nicht davon abhält, immer noch gerne meine Freizeit dort zu verbringen und mich über die sehr kurze Anfahrtszeit zu freuen. :-)

  4. Danke für eure unterschiedlichen Feedbacks! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich einiges von dem, was bei mir in der Nähe ist, nicht so häufig mache. Zum Beispiel mal übers Wochenende nach Holland ans Meer zu fahren. Oder z.B. ins Westfalenstadion zum BVB zu gehen. Okay, das hat einen anderen Grund – es ist nahezu unmöglich seit dem Erfolg an Karten zu kommen :-(

  5. Hallo Jens,
    mir geht es schon ähnlich als Flachlandtiroler, wir sind ja fast Nachbarn. Seit 2008 treibe ich mich in den Bergen herum und mag es dort sehr, besonders im Kaunertal und im Pitztal habe ich schon viel Zeit verbracht. Was mich aber auch ein wenig nachdenklich macht ist, dass Berge durchaus auch belasten können. Dies ist in sofern der Fall, wenn man im Tal wohnt und ständig nach oben schauen muss, um Sonne zu sehen. Oft sind die Tage wirklich kurz, weil einfach die umliegenden Bergketten die Sonne aus dem Tal aussperren. Dies trübt wohl den ein oder anderen Talbewohner. Da haben wir es doch gut im Flachland, das passiert uns nicht und wir können uns tatsächlich auf die Sonne und Weitblick (wenn wir denn eine Erhebung hätten ;-) freuen.
    Ich freue mich auch wieder auf die Berge, als nächstes im März zum Skifahren. Und im Sommer werde ich auch wieder irgendwo in den Bergen sein. Seit Cortina d’Ampezzo muss es auch gar nicht mehr so hoch sein.

    Viele Grüße aus Oelde, Bernd

  6. Pingback: Familien- und Wanderurlaub in Bad Feilnbach in Oberbayern – Hiking Blog

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