Sind wir zu weich geworden?

Jedes Jahr zum Winteranfang wiederholt sich das gleiche Schauspiel: Die Marketing-Abteilungen der Outdoor-Bekleidungshersteller preisen die Winterkollektionen an und geizen dabei nicht mit Superlativen:

Neue Maßstäbe im Bereich der Wärmeisolation; sehr hoher Wärmerückhalt auch unter härtesten Bedingungen; bei klirrender Kälte gut geschützt und warm verpackt; die richtige Bekleidung für unsere knackig-kalten Winter.

So oder so ähnlich klingen die meisten Beschreibungen, über die Winterbekleidung diverser Outdoor-Marken.

Und wenn ich so sehe, was manche Leute schon bei +10 Grad für dicke, warme Kleidung tragen, stelle ich mir oft die Frage: Was wollen die erst anziehen, wenn es richtig kalt ist? Und dann muss ich wieder an die Werbung denken, die uns ja suggerieren möchte, dass wir richtig warme Sachen brauchen, sobald es draußen ein wenig kälter ist. Wir Wohlstandsmenschen steigen da anscheinend gerne drauf ein und wollen es auch außerhalb unserer vier Wände mollig warm haben.

Kälteempfinden

Die Gründe für die eigene Kälteempfindlichkeit oder wann ein Mensch zu frieren beginnt, sind natürlich sehr individuell und hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dem einem wird schnell kalt und dem anderen macht Kälte nichts aus. Wenn man bei Kälte friert, ist das eigentlich eine ganz normale Schutzfunktion des Körpers, die verhindert, dass die Körpertemperatur zu stark abfällt. Aber ein der Temperatur unangebrachtes Frieren kann jedoch auch auf eine Erkrankung hinweisen.

Ist der Wohlstandsmensch zu weich geworden?

Natürlich gibt es Gelegenheiten, wo man sich richtig warm anziehen muss oder eine sehr gute Wärmeisolation sogar wichtig für das Überleben ist. Aber mal ehrlich, die meiste Zeit benötigt man im normalen Alltag keine Bekleidung, die sogar für Polarexpeditionen geeignet wäre.

In meinen Augen sind viele Menschen mittlerweile einfach viel zu verweichlicht. Schaut man sich mal die Menschen an, die tagtäglich draußen sind, dann fällt einem sofort auf: Die sind bei kühleren Temperaturen auch nicht viel dicker angezogen als sonst. Und es sieht auch nicht so aus, als ob sie frieren würden. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass wir Wohlstandsmenschen in den Städten nicht mal mehr normale kühlere Temperaturen aushalten können und das finde ich erschreckend. Aber mit einfachen Maßnahmen, kann man dem entgegen wirken.

Wie man die eigene Kälteempfindlichkeit positiv beeinflussen kann

  • Auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten, damit der Stoffwechsel richtig funktionieren kann.
  • Sport treiben, denn durch mehr Muskelmasse kann der Körper die Wärme effizienter regulieren.
  • Kalt oder kälter duschen.
  • In die Sauna gehen, da sich dadurch der Körper besser an Temperaturschwankungen gewöhnt.
  • In der Wohnung und im Auto die Temperatur nicht zu hoch einstellen.
  • Auch sonst auf wärmespendende Annehmlichkeiten verzichten, z. B. die Sitzheizung im Auto.
  • Nicht dicker anziehen als nötig.

Natürlich isoliert auch Körperfett besser und es wird einem dadurch nicht so schnell kalt. Aber ob das der richtige Weg ist, um der Kälte zu trotzen? Ich denke nicht.

Wie seht ihr das? Sind wir zu weich geworden oder nicht?

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gute Frage. Mir erschließt sich auch nicht, warum man für einen Schaufensterbummel in der Stadt eine Jacke mit einer 20.000er Wassersäule haben muss. Vermutlich geht der Mensch da lieber auf Nummer Sicher – man weiß ja nie…

    • Danke für deinen Beitrag, Axel! Klar, den Aspekt gibt es auch. Mir geht es jedoch um die in meinen Augen oft unverhältnismäßige Kälteempfindlichkeit vieler Leute, die sich entsprechend den herrschenden Temperaturen eigentlich viel zu dick anziehen.

  2. Ich glaube, es ist mehr wollen als brauchen – man hat eine neue Jacke, also WILL man die tragen, sofort, egal welche Temperaturen herrschen. Und bei vielen sicher auch zeigen, was man hat, der erste sein, der die Klamotten trägt, die andere erst überall in der Werbung sehen.
    Also absolut ein Wohlstandsproblem.

  3. Vielleicht mögen die Menschen das Gefühl, dass sie mit Ihrer 20.0000er Wassersäule auch etwas erleben könnten, dass sie auch auf der Zugspitze perfekt ausgerüstet wären und dass sie Abenteuer erleben könnten. Die Menschen brauchen das Gefühl des Abenteuers, auch wenn es nur noch durch die Kleidung ausgedrückt wird. Vielleicht ist das Leben einfach nur viel zu langweilig und sicher geworden. Jeder ist seines Glückes Schmied.

  4. Wenn ich ein paar Tage auf Wintertour war und zurück in die Stadt komme, dann fällt mir das besonders auf. man kann sich also schnell an die Kälte gewöhnen. Man muss sich nur darauf einlassen.

  5. Wenn ich mir so anschaue, wie sich in den letzten 20 Jahren die durchschittliche Innenraumtemperatur verändert hat, dann ist das einer der wesentlichen Faktoren für das erhöhte Kälteempfinden bzw. das frühe frieren. Ich kann mich erinnern, dass bei uns zu Hause früher eine Wohnraumtemperatur von 18 bis 19 Grad eingestellt war, heute sind es doch in der Regel 21 oder 22 Grad. Übrigens: Seitdem trinkt man Rotwein auch nicht mehr Zimmertemperatur, das wäre viel zu warm ;-)

  6. Als ich im letzten Jahr bei (gefühlten -20°) und gemessenen -10° an der Bushaltestelle mehr als eine Stunde lang auf den Bus zur Uni warten musste, war ich heilfroh, meinen Super-Warmen-Windichten-Absolutwasserabweisenden-Alleskönner-Mantel angehabt zu haben. Ich liebe das Teil – wenn es kalt ist. Momentan reicht eine normale Jacke vollkommen aus, wie ich finde. Aber mir fallen hier auch kaum Menschen auf, die sich besonders dick einmummeln. Nachdem Schneechaos im letzten Jahr, sind glaube ich alle froh, die dicksten Winterjacken und -sachen im Schrank lassen zu können. Wobei ich eigentlich gerne wieder Schnee hätte… Aber nur zu Weihnachten ;-)

  7. Die Outdoor-Branche spielt aber natürlich auch mit den Bildern von Abenteuer. Man verkauft ja nicht einfach nur ein Produkt, sondern ein Gefühl gleich mit dazu. Da brauch man sich nicht einmal unbedingt Werbung von Outdoor-Produkten ansehen, da reicht auch einfach ein Joghurt-Werbespot. Und bei den Outdoor-Produkten kommt dann dazu, dass viele sich Abenteuer wünschen. „Sowas wollte ich auch schon immer mal machen!“ Diesen Satz habt ihr bestimmt auch alle schon häufiger gehört. Und die Produkte geben einem ein Stück weit das Gefühl dies tun und weiter träumen zu können.
    Und da zu kommt dann sicherlich noch die Tatsache hinzu, dass man ja das beste Produkt zum kleinsten Preis haben will (Jäger und Sammler) oder das beste und teuerste aus Image-Gründen um sich besser dar zu stellen. Das ist natürliches Menschliches Verhalten und schlägt sich bei Kauf nieder. Deshalb fährt man ja auch Geländewagen mit viel PS unter der Haube in der Großstadt auf Asphalt…

  8. Hmm, über die Frage habe ich angesichts so mancher historischer Beschreibung von Polarexpeditionen auch schon nachgedacht.
    Ich könnte mir durchaus auch denken, dass ganz profane ökonomische Gründe dahinter stecken. Nur Freaks wie wir haben für jeden 5-Grad weiten Temperaturbereich separate Ausrüstung. Die meisten werden ein oder zwei Wintergarnituren haben und diese sicherlich auch unterstützt von entsprechendem Marketing mit dem Vorsatz gekauft haben „Was auf einer Schlittenhundtour hilft, wird mich sicher auch gut durch den Winter bringen“.
    Und wenn es dann kühler wird, holt man die dicke Jacke aus dem Schrank, um auf gar keinen Fall zu frieren.

  9. Hallo Jens,
    ja, es ist sicherlich eine Anpassung, die da vor sich geht. Mir würde auch eine 2 des Heizungsthermostats reichen, meiner Freundin aber nicht! Und dabei hat sie nicht nur ein T-Shirt an. Da steht die Heizung schon mal auf 4 und beim Fernsehen gibt es noch ne warme Decke über die Beine. Neun, mir zu warm, definitiv.
    Eine Lage mehr anziehen, das hilf schon. Auch Deine aufgeführten Punkte sind alle richtig. Sich mehr draußen zu bewegen – bei jedem Wetter – hilft sicherlich. Und den kleinen und gemeinen Schweinehund kann man sich dressieren. En Hund ist da ganz gut, es sei denn, der ist auch verwöhnt! ;-)
    U,gekehrt gilt es übrigens ebenso. Ist es draußen 35 Grad und 100% Luftfeuchte (South Carolina), dann braucht man drinnen keine 18 Grad klimatisiert. Da hat man so schnell eine Erkältung weg, so schnell kannst Du gar nicht gucken.
    Alles in Maßen, dann passt es.
    Viele Grüße, Bernd

    • Das Kälteempfinden ist natürlich bei jeden Menschen anders. Schlecht, wenn das in einer Beziehung zu sehr auseinander liegt. Da ist Streit vorprogrammiert. Ein Hund zwingt einem natürlich bei jeden Wetter raus zu gehen und hilft beim abhärten. VG Jens

  10. Vielleicht sind wir zu sehr dazu erzogen worden. Dem Marketing sei dank. Outdoor hier, Outdoor da, Outdoor an jeder Ecke. Da muss die sauteure Jacke, mit der ich im Monsun trocken bleibe, natürlich rausgeholt werden, wenn es regnet.
    Ich merke es bei mir selber auch immer: Sobald es im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen gibt, kommt die Winterjacke in den Schrank, selbst wenn es noch ziemlich kalt ist. Genau andersrum im Herbst: Sobald die Temperaturen die 10°C-Marke unterschreiten, krame ich die Winterjacke und Mütze raus…
    Ich hab`s aber auch gerne eher warm! Deswegen kommt kalt duschen auch nicht infrage. Und die Decke auf der Couch ist irgendwie auch Pflicht! Sommer wie Winter. Obwohl das eher an der Gemütlichkeit liegt!

  11. Axel hat es ja schon erwähnt, die Angst vor einem Tropfen Wasser ist viel schlimmer. Warum sonst überall wasserdichte Schuhe und Jacken, wenn es nur vom Auto zum Kiosk geht?

    Heute morgen um 6:00, bei +1°C mit dem Hund unterwegs, habe ich 135 gr/m² Primaloft getragen und mir war gerade eben so warm. Ich bin halt verfroren :)

  12. Pingback: Monatsrückblick November 2012

  13. Kann das nur so halb bestätigen. Wahrscheinlich sind wir verweichlicht, aber so einfach wieder abhärten / gesünder / robuster werden funktioniert nach meiner Erfahrung nicht. Ich friere seit ein paar Jahren im Winter, nicht so freiwillig, und ich werde überhaupt nicht abgehärteter. Zittern und ein bißchen erkältet finde ich jetzt nicht so schlimm, aber wenn man rote Stellen bekommt, bzw. dicke schmerzende Finger, beim wieder in die Wärme kommen, finde ich das jetzt nicht so toll, cool hin- oder her. ;) Und ich nehm auch beim Zahnarzt gerne die Spritze. Ich glaube nicht, daß so viele die Outdoorklamotten im Alltag tragen, weil sie gern das Expeditionsfeeling beim shoppen haben möchten. Die meisten Outdoorklamotten haben einfach tolle Ausstattungsmerkmale die normale Jacken nicht haben. Reflektierende Flächen, Haken für den Schlüssel, viele Taschen, Tasche für den Skipass die auch gut für Hotelzimmerkarten ist und diese Achselbelüftung finde ich auch sehr toll, auch wenn ich nur schwitze, weil ich zum Bus gerannt bin…

  14. Hy, das ist sehr interessante Frage. Ich selbst tmuss zugeben, dass ich ein echtes Weichei bin, aber wie schon vo n dir erwähnt, es kommt auf viele Faktoren an Kälte zu spüren. Ich wohne in Uruguay und jeder denkt, ahh Südamerika,immer warm. Vergiss es. Wir haben hier von Mitte Mai bis Mitte Oktober so etwas wie Winter. Vielleich ist das nicht gerade mit Deutschland zu vergleichen, aber ich kann sagen, man muss verdammt hart sein, morgens in einer Wohnung aufzuwachen, die mal noch 10 Grad hat. Dazu kommt ne hohe Luftfeuchtigkeit und ein harter Wind. Das geht bei. Nur wenige haben oder kennen Gore Tex Klamotten und dergleichen. Manche laufen sogar noch bei o Grad mit Slippers und T Shirt rum. Alles Gewohnheit. Ich leide auf jeden Fall am PC. Die Finger kannst nicht mehr bewegen und die Füsse fallen ab, auch wenns nur 6 Grad und keine Minustemperaturen sind. Wers mal ausprobieren will, der kann mich gerne mal besuchen kommen. IM WINTER selbstverständlich. Den Autor des Artikels lade ich auf jeden Fall mal ein. GRüsse Martin

  15. Auch ich gehöre zu den Benutzern von Jacken aus Hightech-Material im Alltag – weil ich keine andere habe. Mag vielleicht nicht so stylish wirken in der Stadt, aber das ist mir egal, ich schaffe mir nicht für jeden erdenklichen Fall separate Kleider an.
    Jacken müssen bei mir lange halten, nach 14 Jahren habe ich mich wieder mal dazu durchgerungen, eine neue Regenjacke anzuschaffen, weil die alte schlicht nicht mehr dicht war.

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