Praxistest: Páramo Velez Jacket – Leistungsstarker Wetterschutz trotz Verzicht auf PFC

Die Firmenphilosophie des britischen Outdoor-Bekleidungsherstellers Páramo ist konsequent auf strenge ökologische und ethische Prinzipien ausgerichtet:

Outdoorbekleidung von Páramo enthält keine umwelt- und gesundheitsgefährdenden per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Als erste Outdoor-Marke trat das Unternehmen im Januar 2016 der Greenpeace Detox-Kampagne bei. Und seit Januar 2017 bietet Páramo als weltweit erster Hersteller, Outdoor-Bekleidung mit dem World Fair Trade Siegel der WFTO an. 

Aber kann ein ökologisches Outdoor-Produkt auch mit voller Funktionalität in der Praxis überzeugen? Dies konnte ich anhand der Velez Regenjacke testen.

Páramo Velez Jacket

Die Páramo Velez Jacket ist eine ganzjahres Regenjacke für unterschiedliche Outdoor-Aktivitäten. Die Hybrid-Konstruktion aus Nikwax Analogy und Nikwax Analogy Light soll für einen leichten, robusten Wetterschutz mit unvergleichlichem Feuchtigkeitstransport sorgen.

Páramo verwendet ausschließlich die PFC-freien Imprägniermittel der Schwestergesellschaft Nikwax.

Nikwax Imprägniermittel sind frei von PFC und auf Wasserbasis ohne schädliche Lösungsmittel, Treibgase oder Tierversuche hergestellt. Die Jacke wird zudem fair produziert und ist recycelbar.

Details

  • Material: Nikwax Analogy und Nikwax Analogy Light 
  • Zwei Belüftungsöffnungen mit Mesh-Einsatz 
  • Zwei Brusttaschen mit Belüftungssystem
  • Helmkompatible Kapuze mit drahtverstärktem Schirm
  • Ergonomische geformte Schultern- und Ellenbogenpartien
  • Reflektoren für mehr Sichtbarkeit im Dunkeln
  • Zwei-Wege-Front-Reißverschluß mit Windschutzleiste und Kinnschutz
  • Gewicht: 600 g (Größe L, nachgewogen)
  • Größen: S-XXL
  • Preis: 375 Euro (UVP)

Praxistest

Ich trage die Velez Jacket seit letzen Herbst beim Wandern, Radfahren und in der Freizeit und konnte mir über einen langen Zeitraum bei unterschiedlichen Wetterbedingungen einen guten Eindruck von der Funktionalität und Leistungsfähigkeit der Jacke verschaffen.

Die Jacke wurde mir dafür freundlicherweise von Páramo kostenlos für den Test zur Verfügung gestellt.

Erster Eindruck

Das Velez Jacket ist keine typische Regenjacke. Das wird mir beim auspacken sofort klar. Das Material der Jacke ist nicht so steif wie bei anderen Regenjacke und es besteht offensichtlich aus keinem Laminat. Das Außenmaterial ist von der Haptik vielmehr wie bei einer Windjacke: Weich, locker und raschelarm.

Außer, dass in das lockere und weiche Außenmaterial noch ein Innenfutter eingenäht ist. Dadurch ist das Velez Jacket jedoch auch mit 600 Gramm um einiges schwerer, als eine Windjacke oder die meistens Hardshells. 

Ansonsten ist die Jacke fehlerfrei verarbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck.

Das Material macht den Unterschied

Páramo verwendet für die Velez Jacke, wie bei all seiner Regenbekleidung, Nikwax Analogy Waterproof Fabric. Das Material hat keine Membran oder PU- Beschichtung, sondern besteht aus einer imprägnierten Außenschicht aus Polyester-Mikrofaser und einem Innenfutter, dem so genannten „Pump-Liner“.

Für die wasserfeste Ausrüstung werden wasserbasierende Imprägniermittel von Nikwax verwendet, welche frei von umweltschädlichen per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) sind.

Das System kann durch seine direktionalen Eigenschaften Feuchtigkeit nicht nur als Wasserdampf, sondern auch in Flüssigform auf die Außenseite des Kleidungsstückes transportieren. Das bedeutet, dass Schweiß für ein bestmögliches Körperklima aktiv vom Körper weggelenkt wird.

Bei der Velez Jacke kommt eine Hybrid-Konstruktion aus Nikwax Analogy und leichteren und weniger robusten Nikwax Analogy Light zum Einsatz. An stärker beanspruchten Stellen wie den Schultern, wird Nikwax Analogy verwendet.

Das Material ist zwar strapazierfähig genug, dass es nicht bei jeder unbeabsichtigte Berührung mit einem Ast zu einen Riss kommt. Jedoch ist durch das weichere und lockere Material das Risiko auch höher, mal irgendwo hängen zu bleiben. Besonders Dornen verfangen sich schnell in dem Gewebe.

Schnitt und Passform

Die Velez ist locker und nicht ausgeprägt figurbetont geschnitten. Dadurch bietet sie viel Bewegungsfreiheit und engt auch bei bewegungsintensiven Aktivitäten nicht ein.

Die verlängerte Rückpartie und die länger geschnittenen Ärmel sind ideal zum Radfahren und Klettern, die Jacke reicht mir ganz über das Gesäß. Insgesamt ist mir persönlich die Jacke jedoch zu großzügig geschnitten. Gerade die Ärmel und der untere Teil könnten für meinen Geschmack enger sitzen.

Ausstattung und Bedienung

Auch die Ausstattung des Velez Jackets unterscheidet sich durch praktische Detaillösungen von anderen Hardshells. Die zwei Seitentaschen bieten nicht nur ausreichend Stauraum, sondern können zusätzlich zur Belüftung genutzt werden.

Okay. Das ist jetzt nichts Besonderes. Jedoch hat jede Tasche einen zweiten innen liegenden Reißverschluss, der den Inhalt während der Belüftung vor dem raus fallen bewahrt. Eine Brust- oder Innentasche hat die Velez dafür jedoch nicht.

An den Oberarmen befinden sich mit 19 cm relativ kurze Ventilationsöffnungen, die sich jedoch nicht wie üblich unter den Achseln befinden, sondern etwas nach oben versetzt wurden. Dadurch ist die Belüftung sehr effektiv, gerade bei bewegungsintensiven Aktivitäten wie beim Rad fahren, kann Luft gut in die Jacke strömen.

Der Rest der Ausstattung ist soweit gehobener Standard: Die Kapuze ist helmtauglich, dreidimensional verstellbar und hat einen drahtverstärkten Schirm und schützt dadurch den Kopf perfekt vor Wind und Wetter. Besonders der drahtverstärkte Schirm ist bei stürmischen Wetter Gold wert.

Der Zwei-Wege-Front-Reißverschluss von YKK hat eine innenliegende Abdeckleiste und oben einen praktischen Kinnschutz. Er lässt sich durch den griffigen Anhänger gut bedienen und läuft leichtgängig.

Die Ärmelbündchen lassen sich per Klettverschluss verstellen und in der Weite regulieren. Allerdings rutscht das Innenfutter aus den Ärmeln, wenn die Bündchen nicht ganz eng gestellt werden. Was nicht nur unschön aussieht, sondern bei Regen auch schlecht ist, weil es sich dann mit Wasser vollsaugt.

Der Saum lässt sich durch zwei Schnürzüge enger ziehen, die aber untypisch und für mich völlig unverständlich nicht ganz bis nach vorne durch gehen.

Trage- und Klimakomfort

Das Nikwax Analogy Gewebesystem ist in der Praxis tatsächlich sehr atmungsaktiv, weil es Schweiß und Feuchtigkeit nicht nur als Dampf von der Haut wegleitet, sondern auch als Flüssigkeit. Der Pump-Liner nimmt die Feuchtigkeit bei Anstrengung vom Baselayer oder Midlayer auf und leitet es an die direktionale Außenschicht.

Durch diesen aktiven Feuchtigkeitstransport, klebte das Innenfutter bei mir selbst bei schweißtreibenden Aktivitäten nicht unangenehm auf der Haut und sorgte für ein trockenes Tragegefühl.

Und das bei allen Außentemperaturen und Wetterverhältnissen, da für die Funktionsweise nicht wie bei einer Membran ein Temperaturunterschied zwischen Außentemperatur und Jackeninnentemperatur nötig ist. Das Ergebnis ist ein jederzeit angenehmes und trockenes Jackenklima und ein guter Klimakomfort.

Jedoch ist die Zwei-Lagen-Konstruktion relativ dick und speichert warme Luft zwischen den Stoffschichten, was sich isolierend auswirkt. Daher funktioniert die Velez Jacket für mich am besten in der kälteren Übergangszeit im Frühling und Herbst, wenn sich die Außentemperaturen und Wetterbedingungen unterwegs häufig ändern.

Im Sommer bei warmen Temperaturen wird es in der Velez Jacket trotz hoher Atmungsaktivität schnell zu warm. Auch wenn über die Belüftungsöffnungen die Temperatur in der Jacke reguliert werden kann, wird ist es irgendwann dann doch zu warm.

Wind- und Wetterschutz

Die Jacke bietet durch das dicht gewebte Außenmaterial, den hinterlegten Frontreißverschluss und den hochgeschlossen Kragen sowie der gut sitzenden Kapuze mit Schirm perfekten Schutz vor Wind und Wetter.

Von der Außenschicht mit der wasserbasierten PFC-freie Nikwax Imprägnierung perlt Regen in runden Tropfen ab und ich konnte keinen Unterschied zu herkömmlichen Imprägnierung feststellen.

Auch nach längerer Zeit im strömenden Regen hat die Jacke dicht gehalten und meine Kleidung darunter ist trocken geblieben.

Mein Fazit

Páramo beweist mit dem Velez Jacket eindrucksvoll, dass leistungsstarker Wetterschutz auch ohne PFC-Behandlung möglich ist. Auch wenn Material und Konstruktion der Jacke für eine Hardshell ungewohnt sind.

Atmungsaktivität und Tragekomfort der Jacke liegen auf einem hohen Niveau und auch die Ausstattung mit guten Detaillösungen gefallen mir.

Nach diese positiven Punkten schließt sich jedoch auch ein „Aber“ an. Denn Schnitt und Passform des Velez Jacket könnte für meinen Geschmack besser sein. Die Ärmel und der untere Teil der Jacke sind mir viel zu weit geschnitten. Auch das zu lange Innenfutter in den Ärmeln und die nicht bis ganz vorne durchgehenden Schnürzüge im Saum sind nicht ideal. 

Als Notfall-Regenjacke im Rucksack ist sie mir zudem mit 600 Gramm zu schwer und für sommerliche Temperaturen zu warm.

Für mich funktioniert die Velez Jacket daher am besten bei kühleren Wetterbedingungen bei verschiedenen Outdoor-Aktivitäten als Ersatz für eine Softshell bzw. Isolationsjacke und Hardshell. Wodurch sich das Gesamtgewicht der Ausrüstung reduziert.

Aber der größte Pluspunkt des Velez Jacket ist, dass sie ökologisch und fair produziert wird und recycelbar ist. So wie die ganze Outdoor-Bekleidung von Páramo. Damit ist Páramo in der Outdoor-Branche leider immer noch die Ausnahme.

Die Páramo Velez Jacket ist im Fachhandel oder im Online Shop von Páramo erhältlich.

Anmerkung: Die Velez Jacket wurde mir freundlicherweise von Páramo kostenlos für den Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Meine Meinung ist jedoch wie immer nicht beeinflussbar.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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