Praxistest: Powderhorn Gunpowder Isolationsjacke mit wasserabweisender Daune

Gute Daunenjacken isolieren trotz aller Innovationen im Kunstfaserbereich immer noch am besten. Denn Daunen haben eine unvergleichliche Wärmeisolierung im Verhältnis zu ihrem Gewicht. Aber Daunen haben auch einen entscheidenden Nachteil: Sie dürfen nicht mit Feuchtigkeit in Berührung kommen. Ansonsten verlieren sie ihre Isolationswirkung.

Diesem Nachteil haben sich die japanischen Stoffspezialisten von Toray angenommen und eine spezielle Technologie entwickelt, die Daunen wasserabweisend macht. Die neuartige Daune kommt in der Isolationsjacke Gunpowder von Powderhorn zum Einsatz und feierte damit eine echten Weltpremiere. Ob die Daunenjacke Kälte und Nässe trotzen kann, habe ich getestet.

Daunen isolieren so gut, weil zwischen extrem dünnen, stark verästelten Härchen Luft gespeichert wird. Werden Daunen aber nass, beginnen sie zu klumpen und verlieren ihre Bauschkraft (Loft). Dadurch schwindet schnell ihre Isolationswirkung und es entstehen Kältebrücken, über die Kälte ins innere der Jacke kriecht. Aus diesem Grund eignen sich Daunenjacken nicht für Touren bei feuchten Bedingungen und auch nur bedingt für dauerhaft schweißtreibende Aktivitäten. Daher werden Daunenjacken nur bei richtig kalten Temperaturen als Außenjacke getragen und bei wärmeren Temperaturen als isolierende Zwischenschicht unter einer wasserdichten Jacke.

Mittlerweile haben die meisten Daunenjacken eine wasserabweisende Außenhülle und schützen so vor Feuchtigkeit von außen. Jedoch können die Daunen durch hohe Luftfeuchtigkeit und Schweiß immer noch feucht werden und so ihren Vorteil gegenüber Kunstfaserisolierung verlieren. Diesem Problem haben sich die japanischen Stoffspezialisten von Toray angenommen und wasserabweisende Daunen entwickelt.

Wasserabweisende Daune

Die Powderhorn Product Manager warteten im Winter 2011/12 mit einer echten Weltpremiere auf: Wasserabweisende Daune. Entwickelt wurde diese spezielle Technologie vom japanischen Stoffspezialisten Toray, dem es gelungen ist, den Schwachpunkt aller Daunenjacken zu überwinden: Eindringende Feuchtigkeit, hervorgerufen durch Regen, Schnee oder Schweiß, welche die Daune sowohl nass als auch schwer macht.

Dies alles geschieht ohne Verwendung einer Membran, um weiterhin die herausragende Atmungsfähigkeit von Daune bei zu behalten. In diesem Falle schafften die Verantwortlichen von Toray es, durch ein aufwendiges Durable Water Repellent (DWR) Verfahren die Daune selbst wasserabweisend zu machen. Dies bedeutet, dass die Wärmeeigenschaften und der für Daune so wichtige Loft, selbst bei Feuchtigkeit bestehen bleiben.

Powderhorn Gunpowder

Diese neuartige Daune wird auch als Füllung in der Isolationsjacke Gunpowder der US-Kultmarke Powderhorn aus Jackson Hole/Wyomning verwendet. Verarbeitet wurden 90% Daunen und 10% Federn mit 750 Fillpower. Die Daune kommt aus Europa und wird durch Schlachtrupf gewonnen. Laut Powderhorn hat der Daunenproduzent eine Zertifizierung, dass die Daune ausschliesslich von toten Gänsen stammt.

Als Body Fabric kommt das ebenfalls von Toray neu entwickelte Nylongewebe Airtastic zum Einsatz. Da die Jacke wasserdicht ist, eignet sie sich sehr gut zum Skifahren an kalten Tagen. Die Jacke verfügt über eine Kapuze, Schneefang, Handgamaschen, Unterarmbelüftung und über das Powderhorn Connecting System, um die Jacke mit der Skihose zu verbinden.

Details

  • Material: Toray Airtastic
  • Ober- und Innenstoff: 100% Nylon Toray Airtastic™
  • Isolation: Toray Wasserfeste QUIX Daune: 90% Gänsedaune, 10% Feder
  • Fillpower: 750 cuin
  • Belüftungs-Reißverschlüsse unter den Armen
  • Daunenkapuze
  • Schneefang
  • Wasserdichter Frontreißverschluss
  • Innentasche mit herausnehmbarem Brillenputztuch
  • Innentasche für MP3-Player
  • Grössen: XS-XXL
  • Gewicht: ca. 900g (Größe L, nachgewogen)
  • Preis: 399,95 Euro (UVP)

Praxistest

Die letzten Monate hatte mich der Winter in Nordrhein-Westfalen im Stich gelassen. Nur in den Hochlagen gab es ein paar Tage Schnee und richtig kalt war es kaum. Nicht gerade gute Wetterverhältnisse, um eine Daunenjacke unter realen Bedingungen zu testen. Doch dann kam das sibirische Hoch „Cooper“ und sorgte für zweistelligen Minusgrade. Wann fällt in Deutschland das Thermometer schon mal so tief? Und so konnte ich die Jacke doch noch bei eisigen Temperaturen und klirrenden Frost testen.

Passform und Schnitt

Die Jacke ist länger geschnitten und die Passform ist gut, auch wenn sie insgesamt recht voluminös ist. Definitiv nichts zum drunter ziehen. Aber die Gunpowder ist ja auch als isolierende Außenjacke konzipiert. Der Kragen liegt rundherum eng an, so dass keine warme Luft aus dem Inneren entweichen kann.

Der Reißverschluss ist oben am Kragen mit weichem Fleece hinterlegt. Die Kapuze ist ebenfalls mit Daunen gefüttert und schützt auch den Kopf und Nacken vor der sibirischen Kälte. Die Kapuze könnte allerdings besser sitzen: Am  Hinterkopf und an zwei Stellen vorne lässt sie sich zwar durch Zugbänder an den Kopf anpassen, aber leider nur am Hinterkopf richtig fest fixieren. Die beiden anderen Zugbänder lassen sich nicht feststellen und geben nach kurzer Zeit wieder nach.

Material und Verarbeitung

Das Toray Airtastic Außenmaterial ist sehr leicht und fein. Es fühlt sich angenehm weich an, macht aber trotzdem einen robusten Eindruck. Alle Nähte und Abschlüsse sind hochwertig verarbeitet. In dem Testzeitraum von drei Monaten hat sich nicht eine Feder den Weg nach außen gebannt.

Ausstattung und Bedienung

Die Gunpowder ist für eine Daunenjacke sehr technisch ausgestattet: Verstellbare Daunenkapuze, Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen zur besseren Ventilation, Handgamaschen, integrierter Schneefang, zwei Außentaschen, eine Reißverschluss-Innentasche mit Kopfhörerausgang und Kabelführung sowie ein wasserdichter Frontreißverschluss und ein verstellbarer Saum runden die Ausstattung ab. Daneben hat die Jacke noch einige gute Features wie ein integriertes Brillenputztuch in einer Netzinnentasche, ein Band mit Plastikkarabiner in der rechten Außentasche und reflektierende Logos.

Die Kapuze lässt sich zwar nicht optimal an den Kopf anpassen, sitzt aber in den meisten ­Situationen ausreichend fest, z.B. im Sessellift. Dreht man den Kopf allerdings, schaut man in die Kapuze. Das liegt vor allem daran, dass die beiden Zugbänder an den Seiten sich nicht fixieren lassen.

Der Frontreißverschluss ist wasserdicht und mit einer Abdeckleiste hinterlegt. Oben am Kragen endet der Zipper in einer Garage und ist von innen mit weichem Fleece hinterlegt. Eine schöne und nicht alltägliche Detaillösung ist der sehr funktionelle YKK-Zipper: Der Zipper klappt automatisch aus, wenn man an ihm zieht und wieder automatisch ein, wenn man ihn los lässt. Gefällt mir gut, weil nichts rum baumelt. Alle Zipper lassen sich auch mit Handschuhen gut bedienen.

Die Taschen haben Reißverschlüsse und sind mit einer Leiste von außen abgedeckt. Dadurch kann Kälte nicht so leicht ins Innere kriechen. Innen sind sie weich gefüttert und eignen sich gut zum aufwärmen der Hände. In der rechten Tasche befindet sich ein Band mit einem kleinen Plastikkarabiner, an dem sich z.B. gut ein Skipass befestigen lässt. In der Innentasche mit Kopfhörerausgang kann man Kleinigkeiten körpernah verstauen. In der Netzinnentasche befindet sich an einem Gummiband auch noch ein abnehmbares Brillenputztuch.

Die Ärmelbündchen haben elastische Handgamaschen und liegen schön eng an. Schnee und Kälte kann nicht eindringen und Wärme nicht entweichen. Der Saum lässt sich in der Weite verstellen und hält die Wärme im Inneren der Jacke. Der Schnürzüge lassen sich alle einhändig und auch mit Handschuhen bedienen.

Der Schneefang wird mit vier Druckknöpfen geschlossen und hat Gummierungen auf der Innenseite, damit er nicht so schnell hoch rutschen kann. Er lässt sich durch das Powderhorn Verbindungssystem durch Druckknöpfe mit einer Hose mit dem gleichen System verbinden.

Wärmeisolierung

Dank der isolierenden Daunenfüllung mit 750 Bauschkraft (engl. Fillpower), hielt die Gunpowder selbst bei eisigen Temperaturen mit zweistelligen Minustemperaturen angenehm warm. Denn entscheidend für die Isolationsleistung der verwendeten Daunen, ist die Bauschkraft, die mit Fillpower in Cubic-Inch (cuin) gemessen wird. Je höher der cuin Wert ist, desto besser ist die Wärmeisolierung im Verhältnis zum Packvolumen. Und ein Wert von 750 cuin gehört da schon zur Oberklasse. 

Die Daunenfüllung wird durch eine Boxkammerkonstruktion zusammengehalten, was Kältebrücken – im Gegensatz zu durchgesteppten Nähten – verhindert. Durch die Kapuze und den längeren Schnitt wird der Körper bei Bedarf zusätzlich großflächig isoliert. Durch die bauschkräftigen Daunen und die Konstruktion kriecht bei der Gunpowder kaum Kälte ins Innere der Jacke. Selbst der eisige Wind, der die Kältewirkung noch verstärkt, hatte bei dem windresistenten Außenstoff keine Chance und die Jacke sorgte für eine hohe Wärmeleistung.

Klimakomfort

Wenn es wärmer wird, z. B. wenn die Sonne raus kommt oder bei Anstrengung lässt sich das Jackenklima durch die  25 cm langen Zweiwege-Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen erheblich verbessern. Selten zu finden bei einer Daunenjacke. Dadurch konnte ich meinen Komfortbereich unterwegs gut anpassen und die von meinem Körper abgegebene Wärme und Feuchtigkeit konnte entweichen. Belüftungsmöglichkeiten unter den Armen sind auch bei Daunenjacken praktisch, besonders wenn man durch Anstrengung ins Schwitzen kommt.  Allerdings kann durch die Reißverschlüsse auch Kälte in die Jacke kriechen.

Wetterschutz

Das Highlight der Jacke ist aber für mich die wasserfeste Daunenfüllung, die keine Nässe aufnimmt. Weder von außen, noch von innen. Um das zu testen, habe ich etwas getan, was man sonst nie freiwillig mit einer Daunenjacke mache würde. Ich bin mit ihr im Regen raus, um den Nässeschutz zu überprüfen. Die Imprägnierung des Außenmaterials war dabei sehr gut und der Regen perlte schön ab. Aber mit der Zeit kroch über die Nähte dennoch Nässe nach innen.

Aber trotzdem nahm die Füllung kaum Feuchtigkeit auf und ich konnte nur minimale Unterschiede bei der Bauschkraft feststellen. Die dadurch verminderte Wärmeisolation hielt sich auch in Grenzen. Nässetest bestanden! Mit der Gunpowder kommt man nicht nur gut gewärmt durch den Winter, sondern auch trocken. Ein echtes Novum bei einer reinen Daunenjacke. Natürlich regnet es nicht, wenn es richtig kalt ist. Jedoch kommen die Dauen bei Aktivitäten im Schnee und bei Anstrengung trotzdem mit Feuchtigkeit in Berührung. Schön, wenn man dann trotzdem kaum Abstriche bei der Wärmeisolation machen muss.

Mein Fazit

Die Gunpowder ist eine sehr funktionelle Daunenjacke, die schön warm hält und vor allem durch die innovative, wasserabweisende Daune überzeugt. Die Atmungsaktivität ist trotz Wasserfestigkeit der Jacke gut und bietet durch die Unterarmbelüftungs noch reichlich Reserven. Die Kapuze lässt sich zwar nicht optimal anpassen, sitzt aber in den meisten ­Situationen ausreichend fest. Der eingebaute Schneefang macht die Jacke ideal für alle Aktivitäten im Schnee. Mit der Gunpowder kommt man nicht nur gut gewärmt durch den Winter, sondern auch trocken. Welche reine Daunenjacke kann das schon bieten?

Die Powderhorn Gunpowder gibt es bei ausgesuchten Fachhändlern, ein Händlerverzeichnis findet ihr unter www.powderhornworld.com/de/store-Locations

Anmerkung: Die Jacke wurde mir freundlicherweise von Powderhorn für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Meine Meinung ist jedoch wie immer nicht beeinflussbar.

Über Powderhorn
Die Geschichte von Powderhorn erzählt gleichzeitig die Ursprünge der Freeride-Bewegung im amerikanischen Ski-Mekka von Jackson Hole, Wyoming. 1965 wurde dort mit der Aerial Tramway die damals modernste Gondelbahn gebaut, die einen mitten in die gewaltige Gebirgslandschaft der Tetons brachte. Die weltbesten Extrem-Skifahrer ihrer Zeit wie John Falkiner und Ace Kvale waren hier bereits Ende der 60er Jahre in bis dato auf Skiern unbewältigten Couloirs unterwegs, die sogenannte Jackson Hole Air Force trainierte hier ihre Spins, Flips und Iron Crosses. Und ebenfalls hier, in einer kleinen Hinterhoffabrik, fertigte John Horn ab 1972 die passende Kleidung für diese begnadeten Skifahrer, unter anderem das erste schneefeste Westernjacket, mit dem die modernen Cowboys auf Skiern fortan ihre Lines zogen. John Horn nannte seine Bekleidung in Anlehnung an den berühmten amerikanischen Champagne Powder folgerichtig „Powderhorn“. 2006 übernahm der Schweizer Sportartikelimporteur und Skienthusiast Christian Bättig die Rechte an der Kultmarke aus den USA, um den Mythos Jackson Hole verbunden mit dem unverwechselbaren Mountain-Lifestyle von Powderhorn wieder aufleben zu lassen. Weitere Information unter www.powderhornworld.com

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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