Droht das Wisentprojekt im Rothaargebirge zu scheitern?

Am 11. April 2013 wurde nach rund zehnjähriger Vorarbeit im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge im Kreis Siegen-Wittgenstein eine achtköpfige Wisentherde ausgewildert. Seit dem leben erstmals seit einem halben Jahrtausend wieder Wisente frei in Deutschland.

Doch jetzt droht das Projekt zu scheitern, weil die Tiere in Nutzwäldern Bäume schälen und die Versicherung des Trägervereins zukünftig nicht mehr für die Schäden aufkommen will.

Ein einzigartiges Artenschutzprojekt in Westeuropa

Im März 2010 begann in Bad Berleburg ein einzigartiges Projekt zur Wiederansiedlung von Wisenten in freier Wildbahn. In einem 80 Hektar großen Auswilderungsgehege wurde eine Herde bestehend aus einem Bullen, fünf Kühen und zwei Jungtieren der Flachland-Kaukasus-Linie auf ihre Auswilderung vorbereitet. Zur Realisierung dieses ehrgeizigen Artenschutzprojektes wurde der gemeinnützige Trägerverein „Wisent-Welt-Wittgenstein e.V.“ gegründet.

Am 11. April 2013 konnten die Tiere schließlich erfolgreich im Rothaargebirge ausgewildert werden. Seit dem streifen die größten Landsäugetiere Europas wieder in Freiheit durch deutsche Wälder.

Und das weniger scheu und verborgen, als erwartet. Immer wieder wurden die Tiere von Wanderern gesichtet. Probleme gab es deshalb bisher aber nicht. Die Tiere fühlten sich in Freiheit sogar so wohl, dass im Mai und im Juni 2013 die ersten zwei Wisente seit Jahrhunderten in Deutschland in freier Wildbahn geboren wurden. Damit könnte eines der bedeutendsten Artenschutzprojekte Europas als gelungen bezeichnet werden. Könnte.

Der ungewöhnliche Appetit der Wisente auf Rinde

Jedoch hat sich auch gezeigt, dass die frei lebenden Wisente entgegen ihrer normalen Essgewohnheit auch Appetit auf Baumrinde haben und sie deshalb die Rinde von Buchen und Fichten ab schälen. Und das auch in privaten Wirtschaftswäldern.

Laut eines Berichts des WDR zeigen schon über 200 Bäume entsprechende Spuren. Der durch die Wisente verursachte Schaden für die Waldbauern beläuft sich nach den Ermittlungen eines staatlich bestellten unabhängigen Gutachters bei 9.388 Euro. Die einzelnen Schadenssummen bewegen sich dabei zwischen 20 und 2.710 Euro.

Versicherung will Schäden nicht mehr regulieren

Bisher wurden diese Schälschäden an den Bäumen durch die Haftpflichtversicherung des Wisent-Trägervereins abgedeckt. Jetzt hat die Versicherung jedoch mitgeteilt, dass sie die Schäden zukünftig nicht mehr reguliert will. Und das könnte jetzt zum Problem werden, da der Trägerverein dann selbst für die Kosten aufkommen müsste.

Waldbauern wollen Klagen

Daneben wollen einige Waldbauern Klage einreichen und gerichtlich verbieten lassen, dass die Wisente durch ihre Wirtschaftswälder ziehen.

Wenn diese Klage Erfolg hat, müsste der Wisentverein mit technischen Maßnahmen verhindern, dass die Wisente die Wälder der Kläger betreten können. Und das wäre ebenfalls mit enormen Kosten verbunden.

Außerdem könnten sich die Wisente dann nicht mehr wirklich frei bewegen. Damit wäre das Auswilderungsprojekt in der geplanten Form nicht weiter durchführbar.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Wisent-Trägerverein nimmt die Beschwerden und Sorgen von den betroffenen Waldbesitzern sehr ernst und bemüht sich aktiv und transparent um eine Lösung.

So arbeiten Wissenschaftler des Artenschutzprojekts sehr intensiv daran, die Wisente vom Baumschälen abzuhalten. In einem ersten Schritt wurde die Nahrungsergänzung der Wisente umgestellt und die Tiere erhalten Mineralstoffe in einer neuen Zusammensetzung. Dadurch soll die Attraktivität von Baumrinden für die Tiere gesenkt werden.

Außerdem sucht der Trägerverein nach Lösungen, wie die Waldbesitzer auch ohne Versicherung weiter für die durch die Wisente verursachten Baumschäden entschädigt werden können. Dafür wird z.B. über die Einrichtung eines Fonds nachgedacht und neue Sponsoren sollen gefunden werden. Denn so viel steht auch für mich fest: Die Waldbauern sollen und müssen auch weiterhin entschädigt werden.

Die Zukunft des Projekts steht auf dem Spiel!

Im Moment ist die Zukunft des Projekts sehr ungewiss.

Und das finde ich richtig, richtig traurig.

Denn die Schälschäden bewegen sich sicherlich in einer überschaubaren Größenordnung. Und es wäre mehr als bedauerlich, wenn dieses international anerkannte und erfolgreiche! Artenschutzprojekte an dem Appetit der Wisente auf Baumrinde scheitern würde.

Daneben hat die Auswilderung der majestätischen Tiere und die Wisent-Welt Wittgenstein eine positive Auswirkung auf den Tourismus in der Region und es sind einige neue Arbeitsplätze entstanden.

Das alles steht jetzt auf dem Spiel.

Ich hoffe sehr, dass alle beteiligten Parteien eine Lösung finden und es auch zukünftig frei lebende Wisente im Rothaargebirge gibt.

Quellen: WDR / Wisent-Welt-Wittgenstein e. V.

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Knallt sie alle ab, diese Wisente im alten Europas! Wenn die Amis es schon nicht geschafft haben, ihre Bisons auszurotten, dann schaffen wir doch wenigstens unsere Wisente! Auch wenn die USA zum Schutz der Bisons einen 8987 Quadratkilometer großen Nationalpark gegründet haben, so heißt das für unser dicht besiedeltes Deutschland gar nichts! Sperrt die Wisente doch in einen Zoo! 10.000 Euro Schaden, oh nein, der halbe Landesetat, davon ließe sich doch mindestens 10 Quadratmeter Autobahn bauen bzw. für die wisente genug Zoofutter kaufen. Als nächtes schlage ich vor, die Wildscheine auszurotten, machen auch genug Schaden!

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