Leben spüren – BewusstERleben: Im Interview mit dem Tölzer Land Tourismus

Während meines Urlaubs im Tölzer Land wollte ich die Gelegenheit nutzen, um mehr über den Tourismus in der Region zu erfahren. Deshalb habe ich im Vorfeld einen Interviewtermin beim Tölzer Land Tourismus angefragt und auch bekommen. Und so habe ich ein Morgen mit Stephanie Rehm (Leiterin der Gästeinformation Lenggries) und Dr. Wüstefeld (Leiter Tölzer Land Tourismus) in der Gästeinformation Lenggries über den Tourismus und das Wandern im Tölzer Land gesprochen.

Bitte stellen Sie die Ferien Region Tölzer Land und den Ferienort Lenggries kurz in zwei-drei Sätzen vor

Frau Rehm: Die Natur rund um Lenggries bietet eine der abwechslungsreichsten Wanderregionen überhaupt. Immerhin schlängeln sich rund 140 Kilometer Wanderwege durch Deutschlands größte Gemeinde, die sich auf 242 Quadratkilometern im Tölzer Land erstreckt und als „Tor zum Karwendel“ im Süden sogar bis zu den mächtigen Hängen des Gebirges reicht. Höchster Berg ist der 2106 Meter hohe Scharfreuter, der im Winter fest in der Hand von Skitouren-Gehern ist. Im Sommer erklimmen geübte Wanderer den Lenggrieser Giganten, an dessen Flanke die abgeschiedene Tölzer Hütte zur Pause mit Panorama lädt.

Dr. Wüstefeld: Das Tölzer Land zeichnet sich dadurch aus, dass es eine immense Wandervielfalt bietet: flache, auch kinderwagentaugliche Wanderungen am Ufer des Starnberger Sees, hügelig im Alpenvorland, hochalpin bis über 2.100 Meter im Karwendel. Und die nächste Einkehrmöglichkeit ist nie weit weg.

Welche touristischen Ansätze werden im Tölzer Land im allgemeinen und in Lenggries im speziellen verfolgt?

Frau Rehm: Speziell für Lenggries werden hier die Zielgruppe der Wanderer (im Sommer) und Familien im Marketing angesprochen. Im Winter wird v.a. das Skigebiet Brauneck vermarktet. Lenggries bietet seinen Gästen einen lebendigen Kontrast aus Entspannung und Aktivität vor dem Hintergrund bayerischer Kultur.

Dr. Wüstefeld: Das Tölzer Land positioniert sich gerade ganz besonders als Kräuter-Erlebnis-Region. Dabei ist das Motto „Bewusst-er-leben“ für uns von besonderer Wichtigkeit, darauf richten wir unser gesamtes Marketing naturnah aus. Denn die „Entschleunigung“ wird immer wichtiger, egal ob für Jung oder Alt – denn Vorbeugen ist besser als Heilen.

Gehen Sie selbst regelmäßig wandern?

Frau Rehm: Ich liebe die Berge. Mein Freund und ich gehen gerne wandern und bergsteigen.

Dr. Wüstefeld: Besonders im Winter bin ich sehr gerne auf Tourenski unterwegs. Im Sommer / Herbst sind es dann eher familiengerechte Genusswanderungen.

Haben Sie eine Lieblingstour?

Frau Rehm: Meine Lieblingstour: Ross- und Buchstein zur Sonnbergalm!

Dr. Wüstefeld: Auf den Jochberg mit einer herrlichen Rundumsicht über das ganze Tölzer Land, mit anschließender Einkehr auf der Alm.

Wandern ist wieder im Trend. Warum meinen Sie, ist das so?

Frau Rehm: Die Menschen sind gesundheitsbewußter geworden. Aktivitiät und Entspannung in der Natur gehört hier dazu. Gerade in der stressigen Zeit kann man sich in der Bergwelt neu finden und das Leben – nach unserem Motto im Tölzer Land – einfach spüren!

Dr. Wüstefeld: Wandern ist vom Image her wieder deutlich jünger geworden. Damit meine ich keinesfalls einen „Jugendwahn“, sondern ein zeitgemäßes, modernes, qualitativ hochwertiges Wanderangebot. Denn auch die ältere Generation wird von ihren Einstellungen her immer moderner und möchte am Puls der Zeit bleiben.

Wie wichtig ist der Wandertourismus für die Region?

Frau Rehm: Lenggries hat 60 % Sommertourismus. 2/3 kommen zum Wandern und wegen der Bergwelt hierher.

Dr. Wüstefeld: Gemäß einer Gästebefragung aus dem Jahre 2009 verbringen 18% der Gäste im Sommerhalbjahr im Tölzer Land einen reinen Wanderurlaub. Jedoch 88% unserer Gäste im Sommerhalbjahr gaben an, dass sie während ihres Urlaubs auch Wanderungen unternehmen. Diese Zahlen unterreichen die die Wichtigkeit des Themas „Wandern“ doch sehr deutlich.

Was halten Sie von den Wandertrends “Barfußwandern” und “Speed Hiking”?

Frau Rehm: Ein Barfußwanderweg wäre eine tolle Sache mit Kneippstationen etc. Das könnte ich mir gut vorstellen als Themenwanderweg. Speed-Hiking wird bei uns nicht nachgefragt – würde auch zu unserem Konzept im Tölzer Land „Leben spüren – BewusstERleben“ nicht passen.

Dr. Wüstefeld: Ich schließe mich meiner Lenggrieser Kollegin voll und ganz an – schließlich haben wir den Schwerpunkt „BewusstERleben“ gemeinsam mit allen Orten innerhalb des Tölzer Landes erarbeitet und richten danach auch unsere gesamte Marketingstrategie aus.

Entwickeln Sie zurzeit auch Qualitätsmerkmale  für Wanderprodukte?

Frau Rehm: Wir haben derzeit noch kein Wandersiegel und Qualitätsweg – aber es wäre eine Möglichkeit über Tölzer Land Tourismus hier etwas entstehen zu lassen.

Dr. Wüstefeld: Mit unseren Partnern im benachbarten Pfaffenwinkel bis hinüber ins Allgäu verbindet uns der Prälatenweg. Mit Hilfe eines LEADER-Projekts wollen wir diesen zum ersten Qualitätsweg aufbauen.

Was kann in touristischer Hinsicht für Wanderer im Tölzer Land noch verbessert werden?

Frau Rehm: Die Beschilderung der Wanderwege und die Pflege der Wanderwege ist hier ein Thema. Eine einheitliche Beschilderung
wäre von Vorteil. Die Zuständigkeiten für die Pflege der Wanderwege sind bei uns sehr aufgeteilt. Das macht es schwierig. Ein Teil des Gebiets pflegt der Alpenverein-Sektion München, einen weiteren Teil wird von der Sektion Lenggries gepflegt, ein weiterer Teil von der Bergbahn und den jeweiligen Hüttenwirten.

Welche Folgen wird der Klimawandel für den Tourismus im Tölzer Land haben?

Dr. Wüstefeld: Ein schwieriges, selbst in den Naturwissenschaften sehr kontrovers diskutiertes Thema. Aber ich meine, dass wir mit unseren naturnahen Angeboten auch für die Zukunft sehr gut aufgestellt sind.

Wie wichtig ist das Thema sanfter Tourismus bzw. nachhaltiger Tourismus für Ihre Feriengäste?

Frau Rehm: Im Tölzer Land verfolgen wir einen sanften nachhaltigen Tourismus. Die Bergwelt soll den Gästen wie sie ist nähergebracht werden. Auch der Skitourismus am Brauneck wird hier nicht zum Massentourismus ausgebaut. Es soll die Idylle somit auch im Sommer auf dem Brauneck erhalten bleiben. Es ist ein wichtiges Weidegebiet mit vielen Almen.

Dr. Wüstefeld: „sanft“ und „nachhaltig“ sind m.E. sehr aufgeladene, kontrovers diskutierte Begriffe vor allem in der Tourismuswissenschaft. Dem Gast ist aber die praktische Umsetzung und nicht die „akademische“ Diskussion wichtig: er möchte ein naturnahes, authentisches, qualitativ hochwertiges Angebot bekommt, wie es meine Lenggrieser Kollegin bereits dargestellt hat, das ist unsere Aufgabe.

Worin besteht in den nächsten Jahren die größte Herausforderung für den Tourismus im Tölzer Land?

Dr. Wüstefeld: Die Umsetzung der Produktstrategie „BewusstERleben / Leben spüren“

Frau Rehm, Herr Dr. Wüstefeld, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben!

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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