Wanderung durch das ausgetrocknete Flußbett des Rio Seco

Die spanische Sonne verwöhnt uns schon seit Tagen. Und eigentlich ist es hier an der Costa Blanca mit Temperaturen um die 40 Grad im Schatten viel zu heiß zum Wandern. Der einzige Ort, an dem es sich halbwegs aushalten lässt, ist am Strand unter dem Sonnenschirm.

Doch das nahegelegene Naturreservoir des Rio Seco mit seiner einzigartigen Flora und Faune ist für mich zum Wandern einfach viel zu verlockend, um wirklich jeden Tag nur faul am Strand zu liegen.

Der Rio Seco bei Pilar de la Horadada

Der 19 Kilometer lange Rio Seco entspringt in der Sierra Escalona, fließt durch das Gemeindegebiet von Pilar de la Horadada und mündet schließlich in Mil Palmeras im Mittelmeer. Da es in der Region mehrere Monate im Jahr sehr heiß ist und es wenig regnet, ist der Fluß größtenteils ausgetrocknet.

Jedoch sickert von den vielen landwirtschaftlichen Bewässerungsanlagen ständig Wasser in das Flußbett und sorgt dadurch für eine üppige Wegetation. Und wenn es geregnte hat, ist der Fluss auch alles andere, als trocken.

Durch den Rio Seco von Pinar de Campoverde nach Mil Palmeras

Der Startpunkt meiner Wanderung durch den Rio Seco liegt am Rande des spanischen Ferienortes Pinar de Campoverde. Am Eingang des Naturschutzgebietes „Area Natural“ befindet sich ein Rastplatz mit Parkplätzen, Picknickplätzen, öffentlichen Toiletten und Trinkwasserversorgung.

Große Pinien säumen den Platz und spenden Schatten. Von dort will ich ca. 10 km durch das ausgetrocknete Flußbett des Rio Seco bis zum Mittelmeer nach Mil Palmeras wandern.

Als ich am späten Nachmittag am Rastplatz Rio Seco eintreffe, steht nicht ein Auto auf dem Parkplatz. Kein Wunder, bei den Temperaturen, die selbst jetzt noch locker über 35 Grad liegen. Eine Infotafel am Parkplatz informiert über das Naturschutzgebiet sowie die ausgeschilderten Wanderwege. Direkt dahinter führt ein staubiger Pfad hinab in das Flussbett und zum Wanderweg.

Dann die erste Überraschung: So trocken ist das Flussbett gar nicht. In der Mitte des Flussbettes fließt ein wenig Wasser und hohes Schilfrohr bewegt sich im seichten Wind hin und her. Als ich dem Weg folge, hüpft immer mal wieder ein Frosch ins Wasser oder eine Eidechse verschwindet im Gras. Hier am Wasser pulsiert das Leben, in der sonst kargen, trockenen Landschaft.

Der Weg führt mich auf einem schmalen Pfad immer parallel zum Wasser entlang. Immer wieder sehe ich Eidechsen auf oder am Weg. Links komme ich an den ersten ausgewaschenen Sandsteinfelsen vorbei, in denen das Wasser in mehreren Jahrtausenden seine Spuren hinterlassen hat.

Über eine kleine Holzbrücken geht es über das Wasser auf die anderen Seite. Nach wenigen Meter öffnet sich das bisher enge Tal und gibt den Blick auf eine steile Schlucht frei, in der riesige Sandsteinfelsen rechts und links des Flußbettes steil in die Höhe ragen.

Hier komme ich mir vor wie im kleinen Bruder vom Grand Canyon. Auch wenn ich noch nie dort war. Die große Hitze, die trockene Luft, der sandige Boden und die während Jahrtausenden vom Wasser ins Gestein gegrabenen Aushöhlungen erinnern mich stark an das berühmte Tal in Arizona / USA.

In der Schlucht ist es trotz der späten Tageszeit immer noch ziemlich heiß. Der Schweiß rinnt mir aus allen Poren und die Hitze macht mir auch konditionell zu schaffen. Ich muss ständig was trinken und bin froh, meinen Wasservorrat großzügig bemessen zu haben.

Bald komme ich zu einem Abschnitt, an dem auf einem Schild mit der Aufschrift „Peligro!“ vor Steinschlag gewarnt wird. Der erodierende Sandstein kann hier jederzeit abbrechen. Diesen Teil passiere ich zügig, immer den Blick nach oben gewandt. Jetzt kenne ich auch das spanische Wort für Gefahr.

Wenig später führt der Pfad ganz eng an den Felswänden auf der rechten Seite entlang. Auch hier hat das Wasser wunderschöne Formationen in den Sandstein gewaschen. Am Ende dieses Abschnittes komme ich an einem im Sandstein gehauenen Pegasus vorbei. Ob es sich dabei um ein altes Zeugnis menschlicher Steinmetzarbeiten handelt oder jüngeren Ursprungs ist, kann ich dem spanischen Hinweisschild leider nicht entlocken.

Nun folgt ein Abschnitt mit typisch mediterranen Bäumen, Sträuchern und Zwergpalmen. Ich bin froh über den Schatten und die kühlere Luft. Hier führt der Weg abwechslungsreich auf schmalen Pfaden durch das Flußbett.

Ich passiere schließlich den Tajo Segura Kanal und das Flussbett wird immer breiter. Ich komme an dem schön gelegenen Rastplatz Lo Monte vorbei. Hier laden zwischen Pinien und Schilf Bänke mit Tischen zur Rast ein und ich bin froh, mich ein wenig ausruhen zu können. Nach einer kurzen Pause geht es weiter auf den sandigen Pfad immer weiter Richtung Meer.

Schließlich komme ich der Zivilisation immer näher. Schon von weitem durch Motorengeräusche angekündigt. Ich unterquere die Autobahn AP-7 und wenig später die Nationalstraße 332. Hier schlängelt sich das Flussbett ganz nah an bewirtschafteten Feldern vorbei.

Kurz vor Mil Palmeras komme an den gleichnamigen Rastplatz vorbei und sehe schließlich schon die ersten Hotels am Horizont. Nun ist es nicht mehr weit.

Und dann passiert es, ich bleibe mit meinen Trekking-Sandalen an einer Distel hängen und die Stacheln piksen mich unangenehm in die Zehen. Als ich wenig später an meinem Fuß runterschaue, blute ich an zwei Zehen. Festes Schuhwerk wäre doch nicht schlecht gewesen.

Die letzten Meter geht es vorbei an riesigen Parkplätzen für die Strandbesucher und dann sehe ich auch schon das türkisfarbene Meer. Ich gehe weiter zu der Stelle, wo der Rio Seco ins Meer mündet und halte meine staubigen Füße in das Meer am Strand von Mil Palmeras.

Mein Fazit

Die Wanderung durch das Trockental des Rio Seco ist durch die stark ausgewaschenen Sandsteinfelsen und die große Vielfalt an mediterraner Flora und Fauna in der Schlucht ein einzigartiges Erlebnis.

Die Wanderweg ist gut markiert, bietet schöne Rastplätze und eignet sich auch für ungeübte Wanderer und Kinder. Gerade an heißen Tagen sollte aber immer ausreichend Wasser mitgenommen werden. Und auch der Sonnenschutz darf nicht vernachlässigt werden. Zudem gibt es größtenteils in der Schlucht kein Netzempfang.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Wanderung sieht sehr schön aus. Nur ein bisschen weit weg… ^^ aber wenn man mal in der nähe ist muss man den Weg glaube ich wirklich Wandern.
    Lg. Alex

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