Kleine Reibn in den Berchtesgadener Alpen

Während unseres Urlaubs im Berchtesgadener Land, habe ich mich einen Tag mit Steve von Uptothetop getroffen. Gemeinsam haben wir die Kleine Reibn gemacht. Steve hatte mir die Bergtour im Nationalpark Berchtesgaden empfohlen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er sich die Zeit genommen hat, mich auf der „kleinen“ Rundtour zu begleiten. Und das in einer für ihn untypischen Geschwindigkeit: Wandernd.

Kleine Reibn

Die Kleine Reibn ist eigentlich eine beliebte Skitour im Berchtesgadener Land, die aber auch im Sommer durch die beeindruckende Landschaft und tollen Panoramablicke zu einer der schönsten Bergtouren der Region zählt. Da die Wettervorhersage den Tag der Deutschen Einheit als schönsten Tag der Woche ausgemacht hat, haben wir uns an dem Feiertag verabredet.

Eigentlich beginnt die Wanderung am Wanderparkplatz Hinterbrand, der sich etwas unterhalb der Mittelstation der Jenner Bergbahn befindet. Da Steve aber gerne bis zur Bergstation hoch laufen wollte (er hatte mal wieder ein Projekt ;-) und ich nicht unbedingt einen unattraktiven Aufstieg machen muss, haben wir uns auf der Bergstation der Jennerbahn verabredet.

Und so parke ich  früh morgens mein Auto auf dem Parkplatz der Jennerbahn am Königssee. Da heute auch der traditionelle Almabtrieb über den Königssee stattfindet und Feiertag ist, stehen auf dem Parkplatz schon frühmorgens einige Autos. Die Schlange an der Kasse ist noch kurz und so sitze ich wenig später in einer der ersten Gondeln und schwebe bequem Richtung Bergstation. Während Steve sich dem Berg hoch kämpft, genieße ich die Aussicht: Der Talkessel und der Königssee sind noch unter einer Nebeldecke verborgen. Aber der Himmel lässt schon vermuten, dass die Meteorologen mit ihrer Vorhersage richtig liegen.

Der erste Gipfel des Tages

Entspannt steige ich an der Bergstation aus. Auf der Terrasse kommt mir Steve schon entgegen. Perfektes Timing! Nach einer herzlichen Begrüßung nehmen wir den ersten Gipfel des Tages in Angriff. Nach einem kurzen Aufstieg erreichen wir den Königsblick, von dem sich uns ein schöner Ausblick auf  den Königssee und Watzmann bis zum Hohen Göll und zur Schönfeldspitze bietet.

Nach einen weiteren kurzen Anstieg haben wir den Gipfel des Jenner auf 1.874 Meter erreicht und werden mit einem einzigartiges 360°-Panorama belohnt. Der Jenner gehört zum Göllstock in den Berchtesgadener Alpen und ist einer der wenigen Berge in der Region, die mit einer Seilbahn erschlossen wurde. Daher sind hier schon morgens relativ viele Leute unterwegs. Nach einem Foto mit dem Gipfelkreuz machen wir uns wieder auf den Rückweg, denn die eigentliche Tour liegt ja noch vor uns.

Beim Abstieg kommen uns immer mehr Leute entgegen. Dabei zieht Steve einige staunende Blicke auf sich. Kein Wunder, denn er ist mit seinem T-Shirt, seiner kurzen Hose und den Trailrunningschuhen nicht so gekleidet, wie man es um die Jahreszeit erwartet und man für eine Bergtour ausgerüstet sein sollte…

Auf den Schneibstein (2.276 Meter)

Von der Bergstation der Jennerbahn geht es ein kurzes Stück bergab und dann auf einen gut begehbaren Wanderweg Richtung Schneibsteinhaus. Ich erzähle Steve von unseren bisherigen Urlaubsaktivitäten und Erlebnissen. Und natürlich sprechen wir auch über Ausrüstung, Bloggen und Testberichte. Steve fragt mich, ob ich später ein paar Fotos von dem Saucony Xodus 3.0 GTX machen kann, den er gerade trägt und testet. Trifft sich gut, da ich gerade die Black Diamond Alpine Carbon Cork und die Meru Gore Jacket von The North Face im Test habe und auch noch ein paar Fotos für die Berichte gebrauchen könnte. Das ist das schöne, wenn man mit einem anderen Outdoor-Blogger unterwegs ist: Da ist das überhaupt kein Thema.

Kurze Zeit später erreichen wir das Schneibsteinhaus Carl-von-Stahl-Haus, welches wir links liegen lassen. Nun geht es direkt auf den vor uns liegenden Gipfel des Schneibsteins zu. Der Schneibstein ist ein 2.276 Meter hoher Berg der Nördlichen Kalkalpen in den Berchtesgadener Alpen (Hagengebirge) an der Grenze zwischen Deutschland  und Österreich. Deshalb verläuft der Weg auch größtenteils auf der Grenze zwischen beiden Ländern.

Auf der linken Seite ergibt sich ein schöner Blick ins Bluntautal. Der Weg führt durch Latschen durch das Teufelsgemäuer stetig bergauf und wird immer anspruchsvoller. Besonders da der Untergrund immer felsiger wird und die Flächen dazwischen immer matschiger. Es geht über Stock und Stein und wir rutschen dabei immer mal wieder aus, da die abgetretenen Felsen durch Feuchtigkeit unangenehm rutschig sind. Da hilft auch der beste Grip nichts. Die Sonne blendet uns und ich finde die Wegmarkierung in einer längeren Schrofenpassage nur schwer.

Aber Steve weiß ja, wo es lang geht und daher lasse ich ihn vorgehen. Schließlich hat er die Tour schon ein paar Mal gemacht. Wir gewinnen stetig an Höhe und erreichen karstiges Terrain, trotzdem kommt mir der Gipfel immer noch ziemlich weit entfernt vor und der Aufstieg zieht sich. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit leiten uns die Markierungen über Felsblöcke zur grasigen Flanke des Schneibsteins. Endlich kommen wir auf das breite Plateau und das Gipfelkreuz des Schneibstein ist in greifbarer Nähe. Von hier oben haben wir bei dem schönen Wetter und der guten Fernsicht einen spektakulär Panoramablick auf den Kahlersberg, Watzmann, das karge Hagengebirge über das Steinerne Meer bis hin u.a. zum Hundstod, Hochkalter, Hochkönig und Funtenseetauern und auf der anderen Seite auf Hohen Göll, Untersberg und die Schlafende Hexe.

Der Dohlenflüsterer oder der harte Job eines Outdoor-Bloggers

Nach dem obligatorischen Gipfelfoto suchen wir uns auf dem riesigen Gipfelplateau des Schneibstein ein windgeschütztes, ruhiges Plätzchen. Nach dem wir etwas abseits einen schönen Platz gefunden haben, setzen wir uns ins Gras und genießen die Sonne und die tolle Aussicht. Ich packe meine Brotzeit aus und Steve teilt seine Energieriegel mit den Bergdohlen. Mittlerweile wird es immer voller auf dem Gipfel.

Das schöne Wetter und der Feiertag fordern ihren Tribut. Nach dem die Dohlen satt sind, beginnen wir mit dem Photoshooting. Dabei werden wir ungläubig von den anderen Gipfelstürmern beobachtet. Ich kann es ihnen nicht verwundern: Zwei Typen die Fotos in verschiedenen Posen von sich machen, würden auch meine Aufmerksamkeit erregen. Aber auch das gehört zu dem harten Job eines Outdoor-Bloggers. Keine Fotos, kein guter Testbericht ;-)

Steinböcke

Nach dem wir alle Fotos im Kasten haben, entdeckt Steve in einer Felsmulde vor uns zwei junge Steinböcke. Da sich der Bestand aufgrund des beschränkten Lebensraums und Nahrungsangebots von selbst reguliert und die Steinböcke daher nicht gejagt werden müssen, haben die Tiere keine große Scheu vor uns. Und so können wir die Tiere beim Abstieg vom Schneibstein aus, aus nächster Nähe beobachten. Für mich ein besonders Erlebnis.

Windscharte und Windschartenkopf

Nach dem die beiden Steinböcke dann doch das Weite gesucht haben, machen wir uns auch wieder auf den Weg. Ich folge Steve weiter hinunter über den langen Bergrücken, bis wir schließlich auf einen auch für mich erkennbaren Pfad Richtung Südwesten zur so genanten Windscharte (2.103 Meter) kommen.

Der Weg führt westlich um den Windschartenkopf (2.211 Meter) herum, in die raue und zerklüftete Berglandschaf. Durch Karst und Geröl sind einige Stellen schwer zu überwinden und wir müssen teilweise die Hände zur Hilfe nehmen. War am Schneibstein noch recht viel los, sind wir jetzt fast für uns alleine. Gefällt mir wesentlich besser. Wir unterhalten uns über Testberichte und Agenturen, die schlecht mit Kritikpunkten bei Produkttests umgehen können. Da hat jeder Outdoor-Blogger wohl schon seine eigene, leidvolle Erfahrung mit gemacht…

Der grün schimmernde Seeleinsee

Es geht immer weiter in das Tal hinein und der Weg ergibt sich dabei von selbst. Auf den Wiesen am Wegesrand wächst das seltene Edelweiß recht häufig. Kurze Zeit später erreichen wir den idyllischen Seeleinsee auf ca. 1.800 Meter Höhe, der eingerahmt in einem Kessel liegt und in dem sich die umliegenden Felswände spiegeln.

Das Ufer des grün schimmernden Sees lädt geradezu zum Verweilen ein. Da es aber nicht so warm ist, dass man baden könnte, laufen wir nach einem kurzen Stop weiter und genießen dabei den Blick auf den Bergsee. Steve erzählt mir, dass er Morgen direkt die Große Reibn laufen (nicht wandern!) will und wir ungefähr davon gerade die Hälfte ein Viertel erreicht haben. Er ist tatsächlich verrückt.

Abstieg durch den Stiergraben

Kurz nach dem See zweigt der Weg rechts in den Stiergraben ab und es geht auf einen schmalen Steig hinunter in Tal. Wieder mal zeigt sich, dass auch ein Abstieg anstrengend ist, denn das Gelände ist durch die Felsen und die Feuchtigkeit nicht gerade einfach zu gehen. Aber nach einer kurzen Zeit haben wir es geschafft und wandern danach entspannt durch einen Wald und über zahlreiche Almwiesen immer am Hang entlang.

Wir genießen beim laufen noch mal die Sonne in vollen Zügen und kommen danach auch schon zum Wiesengelände der Priesbergalm (1.500 Meter).  Hinter der Hütte verläuft der Weg dann weiter über einen breite Wirtschaftsweg durch das Priesbergermoos und an der Brantweinbrennhütte vorbei stetig abwärts.

Es endet, wie es begonnen hat

Weiter bergab geht es dann Richtung Königsbachalm (1.200 Meter), wo wir zu einer Wegkreuzung kommen. Nach links führt der Weg ins Tal, geradeaus geht es weiter zur Mittelstation der Jennerbahn. Ich überlege, ob ich auch ins Tal absteige, obwohl ich schone eine Karte für die Talfahrt habe. Ich merke aber, wie es Steve in den Füßen juckt und es ihm wohl ganz lieb wäre, wenn er ins Tal laufen könnte. Also, so richtig schnell. Der Mann muss einfach laufen. Und so wandere ich geradeaus weiter zur Mittelstation und Steve holt die Kopfhörer raus und gibt Vollgas. Und das nach der Tour und den ganzen Höhenmetern. Das nenne ich Kondition.

Auf dem Weg zur Mittelstation genieße ich noch mal das schöne Wetter und den Ausblick auf den Watzmann, der mit seiner steilen Ostwand majestätisch jenseits des Königsees thront. Ich lasse die Tour noch mal Revue passieren und versuche die vielen Eindrücke zu verarbeiten. War das genial! Auch mit Steve hat es richtig Spaß gemacht. War schön jemanden dabei zu haben, der die Region und Berge wie seine Westentasche kennt und viel darüber erzählen konnte. Schließlich erreiche ich die Mittelstation der Jennerbahn. Und so endet der Tag, wie er begonnen hat. Steve läuft die Strecke und ich fahre mit der Gondel wieder ins Tal hinunter.

Mein Fazit

Die Kleine Reibn in den Berchtesgadener Alpen hat mir sehr gut gefallen, weil die Rundtour landschaftlich eindrucksvoll und abwechslungsreich ist. Das riesige Gipfelplateau des Schneibstein bot bei dem schönem Wetter eine atemberaubendes Bergpanorama und auch die restliche Route durch das Karstgelände, am idyllischen Seeleinsee vorbei und durch den Stiergraben war sehr schön. Immer wieder ergaben sich dabei schöne Einblicke in die schroffe Berchtesgadener Bergwelt.

Die Rundtour ist insgesamt mittelschwer bis anspruchsvoll. Eine entsprechende Kondition, Trittsicherheit und entsprechende Ausrüstung ist daher erforderlich. Geübte Bergwanderer sollten mit der Tour aber keine Probleme haben, da es keine ausgesetzten Abschnitte gibt und keine nennenswerte Kletterpassagen beinhaltet. Das Wetter sollte jedoch gut sein, da der Weg und die Markierungen auch bei schönem Wetter nicht immer leicht zu sehen sind. Die Wegfindung im Nebel dürfe daher sehr schwierig sein.

Hier geht es zu dem Bericht von Steve über unsere gemeinsame Tour.

Danke!

Ich bedanke mich ganz herzlichen bei dem Mammut Store Dortmund, der mir den Leichtwanderschuh T Aenergy GTX zur Verfügung gestellt hat. Der T Aenergy GTX von Mammut hat sich nicht nur bei dieser Bergtour bewährt und ist für mich ideal, weil er eine gute Mischung aus Gewicht, Stabilität und hohem Tragekomfort bietet.

Fotogalerie

Meine Aufzeichnung der Bergtour bei Social Hiking

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  5. Danke für diesen tollen Bericht; bin beim Lesen die Tour noch einmal gegangen…Super!

    Freut mich dass dir die Kleine Reibn so gut gefallen hat.
    Wir Blogger sind schon ein komisches Volk ;-)

    Bis Freitag

  6. Du weckst bei mir gerade wirklich das Bedürfnis dem Berchtesgadener Land einen Besuch abzustatten. Aber auch nur, wenn ich dann auch so schönes Wetter habe ;-) Traumhafte Bilder!

  7. Pingback: Praxistest: Black Diamond Alpine Carbon Cork Trekkingstöcke | Hiking Blog

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