Bergtour auf den Aggenstein und zum Füssener Jöchle

Mit 11 Jahren stand ich das erste Mal auf dem Gipfel des Aggensteins in den Allgäuer Alpen. Damals ist mein Vater mit mir von der Pfrontener-Hütte auf den 1.986 Meter hohen Berg gestiegen. Der Berg im bayerischen Teil der Tannheimer Berge war mein erster richtig hoher Berg, den ich bestiegen habe.

Ich kann mich noch heute genau an das unglaubliche Glücksgefühl erinnern, als wir oben am Gipfelkreuz standen. Deshalb habe ich mich auch unheimlich gefreut, dass ich jetzt wieder die Gelegenheit hatte, auf den Aggenstein zu steigen.

Unterwegs mit Nikolaj von Extremniki

Während unseres Familien- und Wanderurlaubs in Füssen habe ich mich mit Nikolaj von Extremniki für eine gemeinsame Wandertour verabredet. Mit Nikolaj hatte ich bisher nur über das Internet Kontakt. Da er nicht weit von Füssen entfernt in Pfronten wohnt, habe ich ihn gefragt, ob er nicht Zeit und Lust hat für eine gemeinsame Wanderung. Er  hat sofort zugesagt und auch direkt die Tourauswahl übernommen. Als er dann die Bergtour auf den Aggenstein und zum Füssener Jöchle vorgeschlagen hat, war ich aufgrund der Vorgeschichte natürlich sofort begeistert.

Von der Talstation auf den Breitenberg

Nach dem wir ein Auto an unserem Ziel auf dem Parkplatz an der Talstation der Füssener Jöchle Gondelbahn abgestellt haben, geht es wieder zurück zum Startpunkt unserer Tour an der Breitenbergbahn in Pfronten. Das Wetter ist bis jetzt nicht ganz so schön, wie angesagt aber trotzdem gut.

Von dem Parkplatz führt uns der Weg erst durch Wiesen und dann in unzähligen Serpentinen hoch bis zur Hochalpe. Der schottrige Wirtschaftsweg ist nicht sehr spannend zu gehen, aber da wir uns angeregt unterhalten, vergeht die Zeit wie im Flug. Und so lassen wir eine Windung nach der anderen hinter uns und schrauben uns nach oben. Auf den letzten Höhenmetern geht es noch mal über einen schmalen Pfad und wenig später erreichen wir auch schon das Weidegebiet der Pfrontener Hochalpe.

Über die Nordflanke auf den Aggenstein (1.998 m)

Nach einer kleinen Stärkung auf der Terrasse des Berghaus Allgäu machen wir uns auf den Weg Richtung Aggenstein, den wir über die Nordflanke besteigen wollen. Der Abschnitt von der Hütte zu der Bergstation der Vierer-Sesselbahn Hochalpe verläuft ebenfalls über einen breiten Schotterweg. An der Bergstation werden wir zur Belohnung jedoch mit einem schönen Ausblick in das Tannheimer Tal und nach Vils belohnt.

Der schwierige und anstrengende Abschnitt liegt jetzt vor uns: Steil ragt der Aggenstein vor uns auf und der Weg schlängelt sich auf der Nordflanke eng und stetig durch Latschen und Fels hoch zum Gipfel. Immer wieder gibt es Abschnitte mit Stahlseilen und Leitern. Ich komme ganz schön ins schnaufen und gehe mein eigenes Tempo. Oben am Grat angekommen, bin ich ziemlich aus der Puste. Aber der Blick ins Tannheimer Tal und auf die Bergwelt entschädigt schnell für alle Mühen. Hier oben am Grat ist es ganz schön windig und es wird schnell kühl.

Das letzte Stück zum Gipfel ist dann noch mal steil und felsig, jedoch mit Drahseilen gut versichertet. Schwindelfrei und trittsicher sollte man jedoch Aufgrund ein paar ausgesetzter Stellen unbedingt sein. Die größte Schwierigkeit besteht eigentlich darin, dass man entgegenkommenden Leuten ausweichen muss. Und da die Tour sehr beliebt ist und ein paar Leute das Seil nicht loslassen wollen oder können, gestaltet sich das Ausweichen nicht immer ganz so einfach.

Auf dem Gipfel des Aggensteins

Aber schließlich haben wir den Abschnitt unbeschadet gemeistert und wir stehen am Gipfelkreuz. Bei mir stellt sich fast das gleiche Glücksgefühl ein, wie damals vor 29 Jahren. Schön, wieder hier zu sein! Wir haben eine geniale Aussicht ins Tannheimer Tal und zu den Tiroler Alpen auf der einen Seite und ins Alpenvorland und den Allgäuer Alpen auf der anderen Seite. Nach den obligatorischen Fotos und einer kurzen Pause machen wir uns wieder an den Abstieg.

Von der Südflanke zur Bad Kissinger Hütte

Da jetzt ziemlich viele Menschen auf den Gipfel wollen und uns entgegen kommen, dauert es eine ganze Weile, bis wir den felsigen Abschnitt hinter uns gelassen haben. Danach geht es auf einem Pfad in Serpentinen immer weiter bergab und dann aussichtsreich immer parallel zur Bergflanke entlang durch Latschen und Gras.

Schließlich erreichen wir die Bad Kissinger Alpenvereinshütte, die bis 1994 noch Pfrontener Hütte hieß. Durch ihre exponierte Lage auf 1.788 Metern bietet sie eindrucksvolle Aussichten und lädt zur Rast ein. Wir setzen uns auf die Terrasse und genießen die schöne Aussicht auf die Tiroler Berge und ins Tannheimer Tal. Hunger haben wir erstaunlicherweise nicht und so trinken wir nur etwas und unterhalten uns angeregt über das Bloggen.

Von der Bad Kissninger Hütte zum Füssener Jöchle

Von der Hütte führt uns dann der wunderschöne Tannheimer Höhenweg teils auf steinigen Bergpfaden am Hang entlang in Richtung Füssener Jöchle. Jetzt am Nachmittag treffen wir auf immer weniger Menschen, da die meisten Bergwanderer morgens in Grän Richtung Aggenstein gestartet sind und uns bereits am Aggenstein entgegen gekommen sind. Die Sonne ist mittlerweile richtig raus gekommen und es ist schön warm. Wir wandern durch Latschen, hochgewachsene Fichten und ausgedehnte Bergwiesen und genießen jetzt das tolle Bergwetter und die atemberaubende Aussicht.

Wir passieren die Sebenalm und nach einem kurzen Anstieg zum Sefenjoch, ergibt sich erneut ein atemberaubender Ausblick auf die Allgäuer und Tannheimer Berge sowie ins Tannheimer Tal. Jetzt geht es stetig bergab und wenig später sehen wir auch schon unser Ziel: Die Bergstation der Gondelbahn Füssener Jöchle.

Vorher machen wir noch einen Abstecher zu dem kleinen Gipfelkreuz des Gamskopf und genießen von dort den schönen 360° Rundumblick in die Berge. Dank Panoramainformator können wir auch die einzelnen Gipfel bestimmen. Wenig später sitzen wir glücklich und zufrieden in der Gondel und gleiten ins Tal.

Mein Fazit

Unsere Bergtour von der Talstation Breitenberg über den Breitenberg auf den Aggenstein bis hinüber zum Füssener Jöchle war sehr abwechslungsreich und bot unterwegs viele traumhafte Ausblicke in die Bergwelt. Auch wenn der Aufstieg auf den Breitenberg unspektakulär war, entschädigt der Rest dafür umso mehr. Schmale, felsige Bergpfade, ein wenig Kletterei, ein aussichtsreicher Gipfel und ein schöner Höhenweg durch Almwiesen, Fichten und Latschen sowie eine schöne Berghütte lassen keine Wünsche offen.

Aus diesen Gründen ist der Tannheimer Höhenweg und der Weg zum Aggenstein jedoch auch sehr beliebt und daher bei schönem Wetter oder am Wochenende stark frequentiert.

Für die von uns gegangene Route sind Ausdauer und entsprechende Ausrüstung Voraussetzung. Der Weg über die Nordflanke des Aggensteins und den finalen Zustieg auf den Gipfel erfordert zudem Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Für geübte Bergwanderer sollten diese Abschnitte jedoch kein Problem sein.

Danke Nikolaj für die geniale Tour und das du dir die Zeit dafür genommen hast! Mir hat es unheimlich Spaß gemacht und ich hoffe, es ergibt sich mal wieder die Gelegenheit für eine gemeinsame Tour. Würde mich sehr freuen!

Wie Nikolaj die Tour gefallen hat und wie seine Eindrücke waren, erfährst du in seinem Bericht:

Titelfoto: © Nikolaj Wiegard

Die Aufzeichnung unserer Tour bei Social Hiking

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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  1. Tipp: Wenn man am Ende mit der Bergbahn vom Füssener Jöchle nach Grän hinuntergefahren ist, kann man an der Talstation in den Tälerbus einsteigen und nach Pfronten zurückfahren. Dann braucht man kein zweites Auto. Der Tälerbus verkehrt während der Wandersaison von Juni bis Mitte Oktober mahrmals täglich zwischen Pfronten und dem Tannheimer Tal (und retour). Fahrplan: http://www.pfronten.de

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