Auf dem Heidschnuckenweg durch die norddeutsche Heidelandschaft – Tag 1

Seit unser Wanderung auf dem Nord-Ostsee-Wanderweg vor zwei Jahren, habe wir auch Norddeutschland in unser Wanderherz geschlossen.

Nach dem wir letztes Jahr im Dahner-Felsenland unterwegs waren, sollte es dieses Jahr wieder im norddeutschen Flachland auf Trekking-Tour gehen.

Der Heidschnuckenweg schien uns dafür wie geschaffen, vor allem weil wir genau zur Heideblüte Anfang September Zeit hatten und der Premiumwanderweg sehr schön sein soll.

Der Heidschnuckenweg

Der 223 Kilometer lange Heidschnuckenweg verläuft von Hamburg nach Celle durch die schönsten Heidelandschaften der Lüneburger Heide und ist Deutschlands nördlichster, zertifizierter Wanderweg. Insgesamt führt der Weg durch mehr als 30 große und kleine Heideflächen der Nord- und Südheide.

Der Weg ist in 13 Etappen eingeteilt, von denen einige Etappen für unseren Geschmack sehr kurz sind. Daher haben wir die 2 und 3 Etappe, sowie die 4 und 5 Etappe zusammen gelegt und wollen so in vier Tagen von Hamburg-Fischbek nach Soltau laufen. Was ungefähr die Hälfte des Weges entspricht.

Tag 1: Hamburg-Fischbek bis Buchholz i.d. Nordheide (26 km)

Es hat die ganze Nacht über geregnet. Als wir durch Fischbek gehen, sind die Straßen noch feucht und in den Schlaglöchern hat sich das Wasser gesammelt.

Wir müssen leider noch ein ganzes Stück von unserer Pension bis zum Startpunkt des Heidschnuckenwegs entlang einer viel befahrenen Hauptstraße laufen und wähnen uns dabei meilenweit entfernt von jedem Naturerlebnis.

Endlich Sand unter den Sohlen

Nachdem wir jedoch nach rechts in eine Vorstadtsiedlung abgebogen sind und diese passiert haben, erreichen wir schließlich den Startpunkt des Heidschnuckenweges. Endlich haben wir feinen Sand unter unseren Sohlen und wir tauchen in die Fischbeker Heide ein, die noch größtenteils unter Dunst verborgen liegt.

Wir sind sofort geflashed vom Farbenspiel der blühenden Heidelandschaft und total euphorisiert. Der graue Himmel und das mehr als bescheidene Wetter können unsere Stimmung nicht trüben. Wir freuen uns einfach, dass wir hier sind und die nächsten Tagen durch die Heidelandschaft wandern.

Gar nicht so flach

Der Weg windet sich ansprechend auf sandigen Pfaden, es geht mal ansteigend und dann wieder leicht absteigend durch die Heidelandschaft und irgendwie viel hügeliger als wir erwartet haben.

Das blühende Heidekraut verwöhnt unsere Augen mit satten Lila, welches durch das Grün der Wacholder und Kiefern und die weißen Birken erst so richtig zu Geltung kommt. Immer mal wieder fallen ein paar Regentropfen vom Himmel, doch die Regenjacken können noch im Rucksack bleiben.

Durch Kiefernwälder und offene Heidelandschaft

Dann folgt ein unvermutet steiler Anstieg durch einen Kiefernwald. Schließlich erreichen wir einen Segelflugplatz, von dem sich ein weiter Blick über die Heidelandschaft öffnet. Der nächste Abschnitt ist geprägt von vielen auf und ab.

Der Weg bietet dabei viel Abwechslung und macht richtig Laune. Wir kommen zum Tempelberg, passieren die Doppelheide und wandern durch einen hügeligen Kiefernwald. Schon jetzt sind wir maximal entspannt und genießen jeden Schritt.

Der Karlstein

Mittlerweile hat es wieder angefangen zu regnen und wir müssen die Regenhüllen überstreifen.

Schließlich erreichen wir den Karlstein, einen Findling aus Granit, dessen Benennung aufgrund einer Sage erfolgte, die den Stein mit dem Frankenkönig Karl dem Großen in Verbindung bringt. Auf dem Stein sollen noch die Hufeisenabdrücke seines Pferdes zu sehen sein.

Vom Gewitter überrascht

Weiter geht es ansprechend durch den Wald und wenig später über freie Heidelandschaft. Um uns herum zieht es sich merklich zu und von weiten hören wir bedrohliches Gewittergrollen. Und dann öffnet der Himmel seine Schleusen und noch bevor wir unsere Regenjacken aus den Rucksäcken gekramt und angezogen haben, sind wir klitschnass.

Aber das ist noch unsere geringste Sorge. Viel schlimmer ist, dass wir uns auf freier Fläche befinden und das Gewitter immer näher kommt. Uns geht ziemlich der Arsch. Nach einigen bangen Minuten haben wir endlich Gewissheit: Das Gewitter zieht links an uns vorbei.

Durch schöne Heidedörfer

Wir erreichen das Heidedorf Langenrehm mit seinen vielen alten Häusern, die umsäumt sind von stattlichen Eichen. Weiter geht es durch den Wald über sanfte Hügel und durch Wiesen bis zu den Ausläufern von Nenndorf. Wir unterqueren die Autobahn 1 und passieren in Sichtweite die historische Dibberser Mühle.

Immer am Waldrand entlang gelangen wir schließlich nach Buchholz, durchqueren den Stadtwald und müssen einmal durch den ganzen Ort laufen, da sich unsere Unterkunft genau auf der anderen Seite des Ortes befindet. Da direkt in Buchholz keine Unterkunft mehr zu bekommen war, mussten wir uns ein wenig außerhalb eine Bleibe suchen.

Die letzten Kilometer sind die schwersten

Die letzten Kilometer ziehen sich wie Kaugummi und unsere Gespräche sind schon lange verstummt. Auch weil wir uns langsam ernsthaft Sorgen machen, soweit außerhalb des Ortes noch ein warmes Abendessen zu bekommen.

Auf meine Aufmunterungsversuche reagiert mein Schwager schon lange nicht mehr. Er ist ziemlich bedient. Und ich langsam auch. Ich sehe uns schon auf dem Zimmer beim Abendessen mit lecker Energieriegel.

Heideruh

Als die Dunkelheit hereinbricht erreichen wir schließlich unsere Unterkunft, das Wohn- und Ferienheim Heideruh e. V., welches ziemlich abgelegen mitten im Wald liegt. Die 1945 gegründete antifaschistischen Erholungsstätte dient vor allem der Erholung der Opfer des Faschismus und hat sich seit der Gründung augenscheinlich nicht wesentlich verändert. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.

Aber egal, auch zwei müden Wanderern bietet sie eine willkommene Bleibe. Und da wir keinen Faschismus oder sonst irgendeinen Ismus billigen, sind wir hier in guter Gesellschaft. Zumal wir noch etwas zu essen und ein kühles Bier bekommen.

Und mehr braucht es manchmal auch nicht.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo ihr Beiden,

    als Nordbayer bin ich eigentlich liebend gerne in den Bergen unterwegs. Wenn ich aber Eure Geschichte so lese bekomme ich richtig Lust mal in den Norden zu fahren und da in der Heide zu wandern. Ganz tolle Bilder die Ihr da geschossen habt, macht einfach Lust auf Norddeutschland.

    Danke
    Grüße Friedrich

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