Unterwegs auf dem Züschener Mythen- und Sagenweg

Es ist Rosenmontag und ich habe mir den letzten Tag Resturlaub aufgehoben, um noch mal eine Wintertour im Hochsauerland zu laufen. Ausgesucht habe ich mir den Züschener Mythen- und Sagenweg.

Der im Jahr 2006 im Winterberger Ortsteil Züschen eröffnete Themenweg führt in einer großen Acht in zwei Schleifen rund um das sauerländische Dorf und erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 24 Kilometer.

Er ist in zwei Abschnitte von je 7 und 17 Kilometer unterteilt. Die Wanderstrecke führt über Berge, Schluchten und Täler mit einer beeindruckenden Landschaftsvielfalt. Als Wegemarkierung dient ein altes germanisches Runenzeichen.

Karnevalsflüchtlinge

Früh morgens mache ich mich auf Richtung Sauerland. Mit dabei ist das Snaefell Polartec NeoShell Jacket von 66° North, welches mir die Bergfreunde freundlicherweise zum testen zur Verfügung gestellt haben. 116 Kilometer Autobahn liegen vor mir.

Als ich von der Ruhrgebietsautobahn A40 auf die A445 fahre, wird die Landschaft ab Arnsberg langsam immer weißer und die Autobahn immer voller. Anscheinend will das halbe Ruhrgebiet auch ins Sauerland.

Und dann dämmert es mir langsam: Karnevalsflüchtlinge die sich im Sauerland unter die Niederländer mischen wollen und den Tag lieber im Schnee als verkleidet verbringen möchten. Kurz vor Winterberg beginnt dann auch der Stau und so dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich in Züschen ankomme.

Der Winterberger Ortsteil Züschen

Züschen ist ein staatlich anerkannter Luftkurort im Sauerland. Bekannt ist der Winterberger Ortsteil durch seine schmucken Fachwerk- und Schieferhäuser und die guten Wintersportbedingungen. Die großzügig angelegte Snow World Züschen zwischen Ziegenhelle (816m) und Homberg (643m) bietet Wintersportfans drei beschneite Pisten, sechs Lifte, einen Rodelhang und gespurte Langlaufloipen. Ideal Wintersportbedingungen – aber ich bin ja zum laufen gekommen.

Ich parke auf dem Parkplatz an der Kirche in der Dorfmitte. Aber bevor ich los gehe, kaufe ich mir noch schnell im Haus des Gastes eine kleine Broschüre, die über die Mythen und Sagen entlang des Weges informiert. Ich finde Hintergrundinformationen immer spannend, denn gerade unterwegs gibt es entlang der Weges oft spannende Geschichten zu entdecken. Und der Themenweg ist dazu ja gerade prädestiniert.

Eine Rune weist den Weg zu Mythen und Sagen

Vom Haus des Gastes laufe ich zuerst die längere Südschleife. Als Strecken-Kennzeichnung dient das geheimnisvolle altgermanische Runenzeichen. Ich überqueren Ahre und Sonneborn und steige über einen steilen Kreuzweg hinauf auf den Hackelberg (690m). Hier oben steht auch die Kapelle auf dem Hackelberg, der ich noch kurz einen Besuch abstatte und mir die Informationstafel durch lese. Danach folge ich weiter den Weg in die Mythen- und Sagenwelt des Hochsauerlandes.

Hier oben liegt jetzt noch mehr Schnee als im Tal. Da es gestern noch geschneit hat, ist der Schnee auf dem Kammweg noch unberührt und so hinterlasse ich die ersten Spuren. Ich genieße dabei den schönen Panoramablick auf Züschen und passiere die nächste Informationstafel. Diese informiert über die Bedeutung des Hackelberges als Kultstätte und das er einer der so genannten Berge Wotans im deutschsprachigen Raum ist. Wotan ist der Name des obersten Gott der Germanen und tritt ferner unter dem Namen Odin in Erscheinung.

Auf die Ziegenhelle (816m)

Nach dem Abstecher in die religiöse Kultvorstellung der Germanen, geht es durch die dichten Sauerland-Wälder auf dem Rothaarkamm entlang. Über den schmalen „Paul-Josef-Steig“ überschreite ich den Quell des Ockelsbach. Danach komme ich am Bächekopf (691) und Radenstein (743m) vorbei. Allmählich lichtet sich der Wald und gibt den Blick auf die „Snow World Züschen“ frei.

Ich quere eine Ski-Piste und folge dem Weg hinauf. Nach einem anstregenden Anstieg habe ich den höchsten Punkt der Tour, die Ziegenhelle (816m), erreicht. Den Gipfel krönt seit 2011 wieder ein Aussichtsturm. Von dem 13m hohen Holzgestell genieße ich den weiten Blick hinein in das Wittgensteiner- und Siegenerland bis hinüber zur Sackpfeife (674m) und zum Kahlen Asten (841m)

Hier an der Ziegenhelle hat der Züschener Mythen- und Sagenweg seinen südlichen Scheitelpunkt erreicht. Eine weitere Informationstafel informiert mich über die germanische Wurzel des Namens Ziegenhelle. Nach kurzer Rast auf einer eingeschneiten Bank mache ich mich wieder auf.

Der Schnee kostet mich Zeit und Kondition

Durch den Züschener Wald geht es wieder nordwärts entlang der Grenze zwischen Hochsauerland und Siegerland. Hier wird der Schnee immer tiefer und das laufen wird richtig schwer. Immer wieder sinke ich in den bis zu 50 cm tiefen Schnee ein. Jetzt könnte ich Schneeschuhe gut gebrauchen!

In der Hoffnung, dass es auch wieder besser wird, kämpfe ich mich Kilometer für Kilometer durch ungespurten, tiefen Schnee voran. Dann folgen wieder Abschnitte mit gewalzten Schnee, auf denen ich etwas zur Luft komme. Doch sofort folgen wieder Abschnitte mit Tiefschnee. Es wird mit der Zeit immer anstrengender und kräftezehrend. Der Schnee kostet mich viel Zeit und vor allem Kondition.

Abbruch der Tour

Kurz vor Mollseifen beschließe ich, den Weg nicht weiter zu laufen und wieder direkt Züschen anzusteuern. Durch das tiefe Einsinken in den Schnee und das anstrengende herausziehen der Schuhe, habe ich schon leichte Krämpfe in den Waden bekommen.

Außerdem ist es schon spät geworden und ich muss noch ein ganzes Stück zurück nach Züschen laufen. Durch den Schnee auf dem ursprünglichen Wegverlauf würde ich das nicht mehr schaffen. Dazu kommt noch, dass ich seit drei Stunden niemanden mehr begegnet bin und kein Risiko eingehen will.

Und so entscheide ich, entlang der Bundesstraße zurück nach Züschen zu laufen. Die Strecke zieht sich, aber es geht wenigstens nicht mehr durch den Schnee. Und so kann ich auf dem Asphalt richtig Tempo machen und steuere schnellen Schrittes Züschen an. Einige Zeit später habe ich wieder den Dorfkern von Züschen erreicht.

Mein Fazit

Der Züschener Mythen- und Sagenweg führt durch die schöne Natur jenseits der Ortsgrenzen von Züschen und verbindet Naturerlebnis mit spannender Geschichte. Der Weg bietet ein schönes Naturerlebnis und viel Abwechslung. Die Informationstafeln sind informativ und die Geschichten der Mythen- und Sagen sind gut aufbereitet.

Leider habe ich nur ein Teil des Züschener Mythen- und Sagenweges geschafft und bin die Nordschleife nicht ganz gelaufen. Trotdem hat mir der Teil schon sehr gut gefallen. Aber man muss auch aufgeben können, um sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Daher ist es immer wichtig, im Notfall einen Alternativplan parat zu haben. Außerdem hat sich gezeigt, dass es auch bei vermeintlich gut ausgeschilderten Wegen immer sinnvoll ist, eine Karte und einen Kompass dabei haben. Nur damit kann man sich auch abseits der Beschilderung orientieren.

Aufgrund meiner gemachten Erfahrung, würde ich den Weg eher für Frühjahr bis Herbst empfehlen oder man muss sich vorher genau die Schneesituation ansehen. Ich habe mich leider auf die Beschreibung verlassen, dass der Weg ganzjährig begehbar ist.

Auf  der Seite Wanderatlas Deutschland gibt es eine Beschreibung und ihr könnt euch die Wanderung als GPX und Google KML Datei runterladen.

Die Aufzeichnung meiner Wintertour bei Social Hiking

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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