Unterwegs auf dem Rheinsteig: Tag 2 – Von Kestert nach Bornich

21:30 Uhr. Um die Uhrzeit hieß es gestern für uns: Bettkarte stechen! Unglaublich. Nach dem Abendessen und einem Bier war mit mir nicht mehr viel los. Ich war fix und fertig und wollte nur noch ins Bett. Das war aber wohl auch nötig: Ich habe die Nacht tief und fest durch geschlafen und bin fit und erholt am Morgen aufgewacht. Schon erstaunlich, wie sich der Körper im Schlaf erholt und regeneriert.

Gut gestärkt machen wir uns nach dem Frühstück auf, um die zweite Etappe auf dem Rheinsteig von Kestert nach Bornich in Angriff zu nehmen. Das Wetter ist schön, aber nicht ganz so warm wie gestern. Mit 20 Grad herrscht ideales Wanderwetter.

Unsere Vermieterin hat uns den Tipp gegeben, nicht direkt wieder zum Rheinsteig zu gehen, sondern durch die Pulsbachklamm aufzusteigen, da der Rheinsteig die sehenswerte Klamm ausspart. Um durch die Klamm wieder auf dem Rheinsteig zu gelangen, müssen wir erst ein Stück direkt am Rhein entlang laufen. Kurze Zeit später weißt schon ein Schild auf die Einstiegsstelle hin und wir steigen durch die Klamm hinauf Richtung Rheinsteig. Der schmale Pfad erinnert an einen alpinen Steig und führt eng an steilen, mit Moos und Farnen bewachsenen Hängen entlang durch ein wildes, zerklüftetes Bachtal. Die Pulsbachklamm ist wirklich einen Abstecher wert! Unverständlich, dass die Rheinsteigmacher die Klamm nicht in die Wegführung integriert haben.

Nach dem Aufstieg durch die Klamm geht es in stetem Auf und Ab hinüber zum Tal des Ehrenthaler Baches. Hier treffen wir auf die Infotafeln des Bergbau- und Landschaftspfades, der an die jahrhundertelange Bergbautradition erinnert. Wir bleiben auf dem Lehrpfad, wandern durch das historische Bergbaugebiet und kommen an teilweise überwucherten Abraumhalden vorbei. Danach geht es in  langgezogenen Kurven im Wald hinunter ins Wellmicher Bachtal. Am gegenüberliegenden Hang thront Burg Maus, unser nächstes Ziel an dem wir vorbeikommen. Sie verdankt ihren volkstümlichen Namen der benachbarten Burg Katz, deren Besitzer sie verächtlich Burg Maus nannten.

Nach dem wir ins Tal abgestiegen sind, beginnt der lange Aufstieg zur Burg Maus. Zuerst über einige Stufen, später dann über viele Serpentienen. Leider führt der Rheinsteig nur an der Burg vorbei, da diese sich im Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann. Nach der Burg führt uns ein schmaler Pfad steil hinauf zur oberen Kante eines Geländeplateaus. An ihm entlang wandern wir über die freie Feldflur, bevor es über einen steilen Weg mit vielen Stufen entlang von alten Weinbergterrassen hinunter nach St. Goarshausen geht. Von dem Pfad ergeben sich immer wieder schöne Blicke auf die gewaltige Burg Rheinfels, auf der anderen Seite des Rheins.

Von St. Goarshausen geht es wieder über Treppen und Kehren bergauf und wir kommen an dem Dreiburgenblick auf Burg Maus, Katz und Rheinfels vorbei. Danach geht es Richtung Patersberg und steil hinunter in das Forstbachtal und dann wieder über Treppen und Kehren bergauf zur Burg Katz. Das ständige Auf und Ab hat es in sich und ich hab nun ganz schön zu kämpfen. Nach einem kräftezehrenden Aufstieg erreichen wir die unteren Mauern der Burg. Leider können wir uns die Burg Katz auch nicht näher anschauen, da sie sich ebenfalls in Privatbesitz befindet und so laufen wir auch an dieser schönen Burg nur vorbei.

Langsam steuern wir nun einen Gipfel an, dem ein mächtiger Mythos anhaftet: Die Loreley. Der Aussichtspunkt über der engsten Stelle des Rheines und die Sage ist weltweit bekannt. Der Rheinsteig führt uns nun hinauf zum Ortsteil Heide und von dort geht es durch Löwenzahn gelb gefärbte Wiesen vorbei an dem Festivalgelände Loreley hinüber zum Loreley-Besucherzentrum. Je näher wir zur Loreley kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Es folgen noch ein paar Treppenstufen, bis wir endlich auf dem sagenumwobenen Felsen stehen. 125 Meter über dem Rhein. Wow.

Einer Sage nach saß Loreley, eine Nixe mit langem, blonden Haar, auf dem Felsen und lenkte durch ihren Gesang die Rheinschiffer ab, so dass sie auf die gefährlichen Felsriffe an der Engstelle des Rheins aufliefen.

Nach dem wir die Aussicht lange genug genossen und eine kurze Pause gemacht haben, laufen wir an der Loreleystatue vorbei hinüber zum Startpunkt des Weinlehrpfades Loreley. Diesem folgt der Rheinsteig ein Stück und wir gelangen wenig später am Leiselfeld zu einem Geländeplateau. Was nun folgt, lässt sich nur schwer beschreiben, man muss es selbst mit eigenen Augen sehen: Spektakuläre Aussichtspunkte an der Spitznack und der Felsenkanzel mit zerklüfteten, steil emporragende Felsen, von denen man ohne Zaun tief in den Abgrund blicken kann. Die obligatorischen, tollen Ausblicke auf das Rheintal gibt es obendrein. Visueller, landschaftlicher Overkill.

Zu unserem Etappenort Bornich, der etwas im landesinneren liegt, ist es jetzt nicht mehr weit. Leider sind Regenwolken aufgezogen und aus einem anfänglichen Schauer wird ein fester Dauerregen. Und so müssen wir die letzten drei Kilometer noch die Regenjacken anziehen und den Rucksäcken die Regenhüllen überstülpen. Wenigstens haben wir die Regenjacken nicht umsonst mitgenommen. Am Horizont scheint rings um uns herum weiterhin die Sonne und sorgt für ein besonderes Sommerregen-Feeling.

Zu den anderen Teilen der Reihe „Unterwegs auf dem Rheinsteig“

Tag 1 – Von Osterspai nach Kestert

Tag 3 – Von Bornich nach Lorch

Tag 4 – Von Lorch nach Assmannshausen

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.