Unterwegs auf dem Rheinsteig: Tag 1 – Von Osterspai nach Kestert

Der Rheinsteig ist ein Prädikatswanderweg und gehört zu den schönsten Weitwanderwegen Deutschlands. Zwischen Bonn, Koblenz und Wiesbaden führt er rechtsrheinisch 320 km lang auf überwiegend Naturnahen Wegen und anspruchsvollen Steigen bergauf und bergab. Dabei wechseln sich Wiesen, Wälder, Weinberge und spektakuläre Ausblicke ab. Mit mehr als 10.000 Höhenmetern gilt er als anspruchsvoller Wanderweg. Steile Pfade und schweißtreibende Höhenunterschiede sind Herausforderung und Genuss zugleich.

Dieses Jahr haben mein Schwager und ich uns den Rheinsteig für unsere gemeinsame Tour ausgesucht, die wir einmal im Jahr zusammen machen. Entschieden haben wir uns für eine Strecke durch das obere Mittelrheintal. In vier Tagen wollen wir 85 km von Osterspai nach Rüdesheim wandern. Dieser Abschnitt durch das UNESCO Welterbe beeindruckt nicht nur mit der größten Burgendichte Europas, sondern bietet auch immer wieder spektakuläre Traumaussichten auf steil abfallende Weinhänge und dramatische Rheinschleifen. Mit dem Schiff wollen wir dann auf dem Rhein zurück zum Ausgangspunkt fahren. Ein herzliches „Danke schön“ an Angelica von Wandernbonn, die uns diesen Abschnitt empfohlen hat und uns auch viele nützliche Tipps gegeben hat!

Tag 1: Osterspai nach Kestert

Endlich ist es soweit! Das lange Warten hat ein Ende und es geht los. Die Wetteraussichten für das Wochenende sind viel versprechend und es soll heute mit 25 Grad richtig sommerlich warm werden. Gut gelaunt und voller Vorfreude fahren wir morgens mit dem Auto los. Nach ca. zwei Stunden haben wir Osterspai erreicht und parken das Auto auf einem Parkplatz direkt am Rhein. Hätten wir vorher drauf geachtet, wie weit die Anlegestelle der Fähre in Filsen entfernt ist, hätten wir das Auto wohl besser an dem Wanderparkplatz in Filsen ab gestellt.

Vom Parkplatz aus laufen wir durch Osterspai und sehen schon bald das gelbe Zeichen, welches den Zubringerweg zum Rheinsteig markiert. Die letzten Meter führen über eine schmale und steile Holztreppe hinauf zum Rheinsteig. Vor dort geht es über einen schönen, schmalen Pfad in stetem Auf und Ab durch Wald und Obstwiesen hinüber nach Filsen. So hatten wir uns den Rheinsteig vorgestellt! Das tolle Sommerwetter tut sein übriges und sorgt bei uns für überschwängliche Stimmung.

In Filsen macht der Rhein eine 180-Grad-Kehre und es beginnt ein steiler und schmaler Serpentinenaufstieg. Der Weg schlängelt sich an der Hangkante dahin, immer wieder ergeben sich tolle Blicke auf den Rhein und Boppard. Wow – wird sind total beeindruckt! Kurze Zeit später haben wir den ersten schweißtreibenden Aufstieg geschafft und es heißt das erste Mal durchatmen. Nach dem Aussichtspunkt Filsener Ley wird der Weg wieder flacher und zieht sich durch saftig, grüne Wiesen am Hang entlang.

Wir passieren alte Obstbäume und die sommerlichen Temperaturen sorgen für ein mediterranes Flair. Immer wieder ergeben sich schöne Panoramablicke auf den Rhein. Wir sind aber auch überrascht, wie viel man von den Autos, Schiffen und Zügen im Tal hört.

Danach geht es kurz steil hinauf auf dem Pfählsberg und weiter in engen Serpentinen hinauf zur Wilhelmshöhe. Von oben sehen wir schon die Burgen Liebenstein und Sterrenberg, die malerisch auf einer steilen Klippe oberhalb des Rheins thronen. Unsere nächsten Ziele. Nach ein paar Kehren durch den Wald und einigen schwierigen, felsigen Abschnitten talwärts, geht es die letzten Meter auf einer steilen Treppe hinab ins Bornhofener Bachtal. Unten angekommen geht es direkt auf der anderen Seite hinauf zu den Burgen. So langsam bekommen wir einen Vorgeschmack, was uns die nächsten Tage erwartet: Ein ständiges Auf und Ab.

Oben angekommen legen wir erst mal eine Pause ein und genießen bei einem isotonischen Kaltgetränk bayrischer Herkunft das schöne Wetter und die tolle Aussicht auf den Rhein. Wir können es immer noch nicht fassen, was für ein Glück wir mit dem Wetter haben!

Nach der Pause müssen wir ein Stück zurück gehen, bis ein schmaler Pfad in den Wald abzweigt. Dieser führt am Hang stetig hinauf und wir erreichen kurze Zeit später den Abzweig zu dem historischen Aussichtspunkt „Brömserkopf“. Dieser ist seit kurzem wieder zugänglich und wurde in die Rheinsteig-Wegführung integriert. Der Weg zum Brömserkopf erfordert Trittsicherheit und ein wenig klettern müssen wir auch. Aber es lohnt sich. Der Aussichtspunkt bietet einen herrlichen Blick auf die beiden Burgen Liebenstein und Sterrenberg sowie auf den Rhein.

Nach der Rückkehr vom Aussichtspunkt befinden wir uns auf einmal in mitten einer Ziegenherde. Wie wir später lesen, handelt es sich um südafrikanische Burenziegen, die hier weiden. Wir lassen uns nicht beirren. Auch nicht von dem Ziegenbock, der mitten auf dem Weg steht und uns mürrisch mustert, und laufen parallel zu Hangkante durch die Herde weiter. Kurz danach müssen wir wohl eine Markierung übersehen haben, denn wir entdecken eine Herde Ponys vor uns und stellen fest, dass wir mitten in einem umzäunten Gebiet sind und da auch nicht so leicht raus kommen. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als entlang des Zauns zu gehen. Endlich sehen wir ein stabiles Gatter, über das wir nach draußen klettern können. Ein Schild informiert uns, dass es sich um englische Exmoor-Ponys handelt. Dank GPS finden wir schnell wieder zurück zum Rheinsteig.

Wir folgen dem Rheinsteig am Waldrand entlang Richtung Lykershausen und durchqueren den kleinen Ort. Danach schlängelt sich der Weg schon fast gemütlich durch den Wald leicht bergab. Kurze Zeit später erreichen wir den Aussichtspavillon an der Hindenburghöhe. Von hier oben können wir schon den Ort Kestert sehen und damit auch das Ziel unserer ersten Etappe. Jetzt geht es in Kehren stetig bergab, wir wandern gemütlich durch ein Bachtal und erreichen schließlich den Ortsrand von Kestert und kurze Zeit später auch unsere Pension, die direkt am Rhein liegt.

Erst als wir den Rucksack abnehmen merken wir, dass unsere Schultern total verspannt sind und sich unser Körper erst wieder an das Gewicht des Rucksacks gewöhnen muss. Und auch die Sonne hat mir ziemlich zugesetzt. Vor lauter Begeisterung über das schöne Sommerwetter, habe ich ganz vergessen meinen Kopf vor der Sonne zu schützen. Nicht gerade ratsam bei meiner Frisur. Und so habe ich Abends mit den Auswirkungen eines leichten Sonnenstichs zu kämpfen und bin fix und fertig.

Zu den anderen Teilen der Reihe „Unterwegs auf dem Rheinsteig“

Tag 2 – Von Kestert nach Bornich

Tag 3 – Von Bornich nach Lorch

Tag 4 – Von Lorch nach Assmannshausen

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schöner Bericht, da freut man sich schon auf die nächsten Etappen. Der Rheinsteig ist wirklich ein toller Weg!
    Bei einigen Fotos hakt es bei mir, irgendwas mit falschem Pfad oder so ähnlich..

  2. Hallo Jens

    da habt Ihr nicht nur Glück mit dem Wetter gehabt.
    Die Ziegen konnte ich letzten Herbst nur aus der Ferne und die hübschen Ponys hinterm Zaun betrachten. Bin gespannt auf die nächsten Tourberichte und freu mich drauf.
    Viele Grüße aus Bonn schickt
    Angelica

  3. Danke für eure Kommentare. Freut mich, dass euch der Bericht gefallen hat! Nur noch die Fotos des zweiten Tages zusammenstellen und bearbeiten, und dann kann Montag der Bericht über unsere zweite Etappe online gehen.

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  6. Pingback: Unterwegs auf dem Rheinsteig: Tag 4 – Von Lorch nach Assmannshausen | Hiking Blog

    • Hi Peter, danke für deinen Kommentar. ja, die Etappe ist wirklich sehr schön und wenn dann noch das Wetter mitspielt, so wie bei uns, geht es nicht besser.

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