Trekking auf dem Ederhöhenpfad und Urwaldsteig (2/4)

War das ein herrLicher Abend gestern! Es geht doch nichts über Livemusik in einer lauen Sommernacht! Zum Glück, zumindest für uns, fing es irgendwann zu regnen an, sonst wären wir sicherlich noch auf dem Park- und Lichterfest in Frankenberg versackt und hätten uns beim Tanzen total verausgabt. Aber so waren wir nicht zu spät im Bett.

Dafür trommelte dann die ganze Nacht über der Regen laut auf das Dach unserer Unterkunft und hat uns unruhig schlafen lassen. Aber was Nachts an Regen runter kommt, kann tagsüber nicht mehr fallen, so unsere Hoffnung. 

Tag 2: Auf dem Ederhöhenpfad von Frankenberg nach Schmittlotheim

Aber zu früh gefreut. Auch am Morgen ist der Himmel immer noch mit Regenwolken verhangen. Aber was soll´s. Nach einem ausgiebigen Truckerfrühstück decken wir uns an der Tankstelle nebenan mit Proviant für unterwegs ein. Es regnet jetzt leicht und das alte Spiel beginnt: Regenjacke anziehen oder nicht? Raincover ja oder nein? Zum Glück nimmt der stärker werdende Regen uns bald die Entscheidung ab.

Im Regen durch den Wald

Aber auch der Regen hat was, als wir wieder auf den Ederhöhenpfad in den nebelverhangenen Wald oberhalb der Eder eintauchen. Dieser Geruch von feuchter Erde und Holz. Tropfen die auf Blätter fallen und für eine einzigartige Geräuschkulisse sorgen. Deshalb kann der Regen unsere gute Laune auch nicht schmälern. Ganz im Gegenteil. Wir saugen die Atmosphäre förmlich in uns auf und genießen jeden Tropfen, der auf unsere Kapuzen fällt.  Wieder mal zeigt sich, dass für ein tolles Outdoorerlebnis nicht immer die Sonne scheinen muss. 

Wildpark Finsterbach

Wenig später erreichen wir den Wildpark Finsterbach, den der Ederhöhenpfad durchquert. Der Park ist menschenleer und die tief hängenden Wolken und die leeren Bänke, Spielmöglichkeiten und Hütten im Regen sorgen für eine surreale Stimmung. Ganz so, als ob der Park ein Relikt aus längst vergessener Zeit ist. Auch die Tiere verkriechen sich in ihren Gehegen unter den Unterständen. Wir stellen uns hingegen kurz an der Aussichtsterasse unter und schauen über das wolkenverhangene Ederbergland.

Durchgängige Markierung? Fehlanzeige

Weiter geht es durch den Wald oberhalb und weit entfernt der Eder. Bei schönem Wetter hat man von hier oben sicherlich einen schönen Ausblick über die grünen und sanften Hügel, der schönen Mittelgebirgslandschaft. Soviel lässt sich erahnen. Es geht weiter durch Felder und in Serpentinen abwärts. An ein paar Stellen, haben wir Probleme den weiteren Wegverlauf zu finden. Das ist uns auch schon gestern aufgefallen. Für einen Qualitätsweg ist der Ederhöhenpfad nicht immer optimal und schlüssig markiert. Ohne zusätzliche Karte hätten wir schon mehrmals einen Abzweig verpasst.

Ich brauch eine Pause!

Unten im Tal überqueren wir schließlich die Nuhne, einen Nebenfluss der Eder und der Weg steigt danach wieder durch Wiesen und Felder langgezogen bergauf. Mittlerweile hat der Regen aufgehört und die Wolken werden immer weniger. Wir passieren den staatlich anerkannten Erholungsort Viermünden und könnten langsam mal eine Pause gebrauchen. Doch leider bietet sich keine schöne Möglichkeit für eine Pause und so laufen wir erst mal weiter. Oberhalb der Eder geht es durch den Wald immer geradeaus an einem Berghang entlang.

Das wir in Viermünden eine Bank als Pausenplatz ausgeschlagen haben, bereue ich mittlerweile. Meine Füße qualmen, die Beine sind schwer und ich habe Hunger. Auch das die Sonne mittlerweile raus gekommen ist, wirkt sich nicht positiv auf meine Laune aus. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir an einer herrlichen Wildblumenwiese vorbei. Der perfekte Pausenplatz! Als sollte alles so sein. Die Sonne scheint und es ist richtig schön warm. Fast eine ganze Stunden liegen wir hier im Gras, genießen die Sonne und den Ausblick über die grünen Hügel. Heute haben wir schon wieder keinen einzigen Wanderer getroffen. Und auch während der Stunde Pause ist niemand auf dem Weg vorbeigekommen.

Pfade, die das Wanderherz höher schlagen lassen

Irgendwann müssen wir uns wieder auf den Weg machen. Schließlich liegen noch einige Kilometer vor uns. Und so geht es weiter über Felder und Wiesen Richtung Ederbringhausen. Wir durchqueren den kleinen Ort und überqueren abermals die Eder. Kurz danach steigt der Weg steil und brutal durch den Wald zur Keseburg hinauf. Erst auf einem breiten Forstweg und dann auf einem schmalen Bergpfad. Mein Schwager ist völlig aus dem Häuschen:

Wegen solcher Pfade sind wir hergekommen!

Recht hat er! Von der um 1144 erbauten Keseburg ist leider nicht mehr viel zu sehen. Nur noch Mauerreste sind von der einstigen Höhenburg im Kellerwald erhalten geblieben. Trotzdem hat sich der schweißtreibende Aufstieg zur Keseburgruine gelohnt, denn von hier oben haben wir einen herrlichen Blick in das Orke- und Edertal.

Meditatives Wandern

Nach dem Abstieg geht es wieder weiter durch den Wald. Wir kommen an der Gustav Herbold Quelle vorbei und nutzen die Gelegenheit, uns zu erfrischen. Es geht doch nichts über reines, kühles Quellwasser an einem warmen Tag! Das letzt Stück geht es noch mal über offene Landschaft durch grüne Wiesen und Weiden. Unser Etappenziel Schmittlotheim können wir jetzt schon im Tal erkennen. Eine leichte Brise weht über die Wiesen und ich fühle mich frei und super entspannt. Wandern hat definitiv etwas meditatives!

Das haben wir uns verdient

Zum Glück haben wir in Schmittlotheim unsere Übernachtung direkt im Gasthaus „Zum Elsebach“ gebucht, welches direkt am Nationalpark Kellerwald-Edersee liegt. Denn nach den heutigen 21 Kilometern und ca. 700 Höhenmetern sind wir ziemlich geschafft und haben keine große Lust zum Essen gehen noch weit zu laufen. Wir sind uns auch nicht sicher, ob es überhaupt noch eine andere Möglichkeit in Schmittlotheim gibt. Und so lassen wir den lauen Sommerabend auf der schönen Terrasse des Gasthauses „Zum Elsebach“ bei gut bürgerlicher Küche und in familiärer Atmosphäre ausklingen.

Das es doch noch so schön geworden ist, um Abends auf der Terrasse zu sitzen, hätten wir beiden heute morgen nun wirklich nicht gedacht. Und das wir heute auf dem Ederhöhenpfad schon wieder keinen einzigen Wanderer begegnet sind, erst recht nicht. Ob das auf dem Urwaldsteig morgen auch so sein wird?

Die anderen Teile der Artikelreihe

Tag 1: Auf dem Ederhöhenpfad von Battenberg nach Frankenberg

Tag 3: Auf dem Urwaldsteig von Schmittlotheim nach Hemfurth

Tag 4: Auf dem Urwaldsteig von Hemfurth nach Nieder-Werbe

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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