Auf sandigen Pfaden durch Westruper Heide und Haard

Da soll noch mal einer sagen, dass man nicht auch über das Internet nette Leute kennen lernen kann. Nein, nicht was ihr jetzt denkt: Ich habe mich nicht bei einer Partnerbörse angemeldet. Trotzdem habe ich mich mit jemanden getroffen, mit dem ich vorher nur virtuell Kontakt hatte. Aber das sollte sich ändern und so hatte ich eine Art Blinddate für Outdoorer. Denn ich habe mich mit Roland von www.wanderwege-nrw.de zu einer gemeinsamen Tour durch die Westruper Heide und die Haard verabredet.

Roland habe ich über seine Internetseite wanderwege-nrw kennen gelernt. Auf seiner Seite stellt er eine schöne Auswahl von Wandervorschlägen in den verschiedensten Regionen Nordrhein-Westfalens vor. Einige dieser Touren bin ich schon nach gewandert und hatte ihm darüber in seinem Gästebuch mal ein Feedback gegeben. Dadurch ist der Kontakt entstanden und ist seit dem nicht mehr abgerissen. Vor kurzem hat Roland sogar einen Gastbeitrag über den Europäischen Fernwanderweg E1 in Deutschland für meinen Blog geschrieben.

Da Roland nicht weit von Dortmund entfernt wohnt und uns das Wandern verbindet, lag es nah sich mal zu einer gemeinsamen Tour zu treffen. Pfingsten sollte es dann so weit sein. Schon länger hatte ich Lust auf eine Wanderung durch Heidelandschaft und so war das Ziel schnell gefunden: Die Westruper Heide in Haltern am See, da diese von unseren Wohnorten schnell zu erreichen ist. Roland hat dann für uns eine schöne Tour durch die Westruper Heide und das angrenzende Waldgebiet „Die Haard“ ausgearbeitet. Laut Wettervorhersage steht uns ein warmes, sonniges Pfingstwochenende bevor. Die ideale Voraussetzung für unsere erste, gemeinsame Tour!

Voller Vorfreude und ein wenig aufgeregt fahre ich los Richtung Haltern. Mein letztes Blinddate ist schließlich schon ein paar Jahre her. Treffen wollen wir uns am Wanderparkplatz neben den Wohnmobilstellplätzen nahe dem Bootssteg am Halterner Stausee. Die gute Wettervorhersage ist ausnahmsweise mal eingetroffen und es ist an diesem Samstag sonnig und sommerlich warm. Ich bin als Erster da und kurze Zeit später trifft auch Roland ein. Er ist mir gleich sympatisch und wir unterhalten uns sofort angeregt. Nach dem wir die letzten Sachen eingepackt haben, schultern wir unsere Rucksäcke und gehen los.

Entlang des Halterner Stausees

Vom Parkplatz laufen wir am Rand des Halterner Stausees in östliche Richtung. Die Trinkwassertalsperre fasst 20,5 Millionen Kubikmeter Wasser und versorgt durch das Wasserwerk Haltern mehr als eine Million Menschen im westlichen Münsterlands sowie des nördlichen Ruhrgebietes mit Trinkwasser. An einem Bootssteg nutzen wir kurz die Gelegenheit, über den See zu blicken. Die Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche und ich hätte große Lust, direkt in den See zu springen. Roland erzählt mir, dass der Platz früher mal eine Geheimtipp zum baden war, aber jetzt leider von vielen aufgesucht wird. Wir laufen weiter und überqueren den 130 Meter langen Wehr, der das Nord- und Südbecken des Stausees trennt. Dabei fällt mir positiv auf, dass wir die gleiche Schrittgeschwindigkeit haben. Kurz nach dem Wehr erreichen wir auch schon den nördlichen Ausläufer der Westruper Heide.

Durch karge Heidelandschaft

Die eindrucksvolle ca. 90 ha große Heidelandschaft wurde bereits 1937 unter Naturschutz gestellt und bietet seit dem zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. So finden hier u.a. Schlingnatter, Heidelerche und Zauneidechse wichtige Rückzugsgebiete. Auf sandigen Pfaden laufen wir durch die Heide und passieren Besenheiden und bizarre Wacholderbüsche. Die Sonne scheint vom stahlblauen Himmel und es richtig schön warm. Einige Sträucher und Gräser blühen schon und der Sand lässt bei mir Urlaubsfeeling aufkommen. So hatte ich mir das vorgestellt! Wie mag es hier erst zur Heideblüte zwischen Juli und August aussehen? Über verschlungene Sandwege laufen wir durch Wacholderbüsche. Nach kurzer Zeit haben wir auf einer Düne die höchste Erhebung der karge Heidelandschaft erreicht. Von hier haben wir einen herrlichen Rundumblick und mir fällt auf: In der Heide ist Schatten wirklich selten. Deshalb machen wir uns nach einem Foto mit Selbstauslöser auch schnell wieder auf den Weg und durchqueren den Rest der Heide, um in den Schattenspendenden Wald zu kommen.

Die Haard

Wir überqueren den Flaesheimer Damm und kommen vorbei am Wanderparkplatz „Westruper Heide“. Endlich geht es auf einem, schon fast Zugewucherten Pfad durch die bewaldete Haard. Die Haard ist eine Hügellandschaft aus Sandstein im Naturpark Hohe Mark und ist neben der benachbarten Hohen Mark das größte zusammenhängende Waldgebiet am Nordrand des Ruhrgebiets. In dem Waldgebiet gibt es 158 Kilometer gekennzeichnete Rundwanderwege und 95 Kilometer ausgewiesene Reitwege. Zum Glück meistens getrennt. Roland erzählt mir von der Markierungsarbeit der Gebirksvereine und das viele Wanderwege in Vergessenheit geraten werden, weil diese nicht mehr nach markiert werden. Er erklärt mir die Markierungsvorschriften und die Symbolik und ich lerne wieder etwas dazu. Kurze Zeit später kommen wir schon wieder raus aus dem Wald, überqueren die Lippe und biegen kurz vor einer Kanalbrücke nach links ab. Es geht ein Stück am Kanal entlang, den wir dann auch überqueren.

Jetzt steuern wir Flaesheim an und passieren kurze Zeit später die Stiftskirche St.-Maria-Magdalena, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde und romanischen Ursprungs ist. Weiter geht es in südlicher Richtung bis zum Wanderparkplatz „Dachsberg“. Roland erzählt mir von dem Holzkohlenmeiler, der Ende April hier in der Haard von einem Köhler aufgeschichtet wird. Der Holz-Haufen wird um den 1. Mai in Brand gesetzt und Ende des Monats kann die fertige Holzkohle gekauft werden. So lange dieser glüht, finden rund um den Meiler verschiedene Veranstaltungen statt.

Auf dem Dachsberg, Rennberg und Finkenberg

Nun wird der Weg wieder schmaler und es geht hinauf auf den Dachsberg. Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir den höchsten Punkt des Berges. Hier oben befindet sich auch ein kleiner Grabhügel, an dem wir auf einer Bank eine Rast einlegen. Wir unterhalten uns dabei über unsere Internetseiten und unsere gemachten Erfahrungen bei den Wandertouren.

Nach einer kurzen Pause, steigen wir wieder vom Dachsberg ab und folgen dem breiten Hauptweg in südlicher Richtung. Dann geht es in westlicher Richtung hoch zum Rennberg, auf dem sich ein Feuerwachturm befindet. Da das Wetter gut ist und weite Ausblicke erlaubt, scheuen wir keine Mühen und steigen die vielen Treppen hinauf. Aber die Anstrengung lohnt sich und wir genießen von der Aussichtsplattform den wunderbarer Blick über die Haard und das Umland. Nach ein paar Fotos geht es wieder runter. Dabei finde ich rein zufällig einen Cache, der mit einem Band außen am Geländer baumelt. Natürlich tragen wir uns auch in das Logbuch ein.

Danach geht es weiter in westlicher, dann in nördlicher Richtung über den Finkenberg auf kleinen, schmalen Pfaden durch grüne Natur. Roland hat mit der Auswahl der Wege und des Verlaufs genau meinen Geschmack getroffen! Und was gibt es Schöneres, als ein Sommertag mit einem Gleichgesinnten in der Natur zu verbringen?

Durch das Herzogstal

Nach einer Weile steigen wir links ins Herzogstal ab und durchqueren das Tal nach Westen. Dann ist der schöne Teil der Tour aber auch leider zu Ende: Nach ein paar Schlenkern unterqueren wir einen Autobahnzubringer, kommen an einem Parkplatz vorbei, überqueren erneut den Kanal und folgen diesem ein Stück. Dann geht es entlang einer Straße weiter, wir biegen nach rechts ab gehen durch eine Unterführung durch und kommen an einem Klärwerk vorbei.

Kurze Zeit später geht es endlich wieder ins grüne und wir folgen dem Lauf der Stever durch eine Pappelallee. Immer wieder ergeben sich schön, idyllische Blicke auf die Stever. Das Sonnenlicht und die Bäume spiegeln sich auf der ruhigen Wasseroberfläche. Nach einer Weile erreichen wir wieder den Wehr, den wir Morgens schon überquert haben. Nun geht es auf dem ursprünglichem Weg über den Wehr zurück bis zum Parkplatz und ein schöne Sommer-Wanderung geht zu Ende, die sicherlich nicht unsere letzte gemeinsame war!

Mein Fazit

Eine Wanderung durch die idyllische Westruper Heide hat besonders im Sommer in der Blütezeit der Heide seinen Reiz. Aber auch zu anderen Jahreszeiten hat die karge Heidelandschaft mit ihren sandigen Böden und der einmaligen Flora und Fauna viel für Naturliebhaber zu bieten. Besonders die schmalen Sandwege, die sich durch die hügelige Heidelandschaft ziehen, haben mich begeistert. Zwar ist die Heide mit ca. 90 ha nicht groß genug für ausgiebige Wanderungen, für einen ausgiebigen Spaziergang reicht es aber.

Das große, geschlossene Waldgebiet „Die Haard“ bietet durch den dichten Wald und den sandigen Untergrund ein ganz besonderes Wandererlebnis. Die vielen Hügel und Tälern bieten unterwegs viel Abwechslung und von den drei Feuerwachtürmen kann man schöne Ausblicke genießen. Durch die unmittelbare Nähe zum Ruhrgebiet, wird das beliebte Ausflugsgebiet aber gerade am Wochenende viel von Spaziergängern frequentiert. Daher empfehle ich eher einen Tag in der Woche für eine Wandertour.

Roland hat eine schöne Tour ausgearbeitet, die durch zwei beeindruckende Naturlandschaften führt und hauptsächlich über schmale Pfade verläuft. Auf einigen Wegen ist uns selbst am Wochenende kein Menschen begegnet. Die genaue Beschreibung zu der Rundwanderung Westruper Heide und die Haard bei Haltern gibt es auch bei Roland auf wanderwege-nrw.de. Dort findet ihr auch den Track der Tour im GPX- und Google-Format zum download.

Fotogalerie

Meine Aufzeichnung der Wandertour bei Social Hiking

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne Tour! Ich wohn ja auch nicht weit davon entfernt und habe diese Runde auf jeden Fall im Hinterkopf abgespeichert. Danke für’s Zeigen!

    • Hi Corina, danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass ich dir eine Anregung geben konnte. Berichte dann mal, wie dir die Tour gefallen hat.

  2. Dein Bericht war wirklich wunderbar zu lesen – besonders das letzte Foto von der Stever ist beinahe aus einer anderen Welt. Bis jetzt bin ich noch nie auf Sandpfaden gewandert – ich denke aber, dass dies sicherlich genial sein muss!
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Hi Ariana, danke für deinen Kommentar und dein Lob. Jetzt wo du es schreibst, fällt es mir auch auf: Das letzte Foto von der Stever hat wirklich etwas mystisches und erinnert an Urwald. Das wandern auf den sandigen Wegen ist wirklich genial. Fühlt sich so an, als ob man durch Dünen zum Strand wandert.

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