Von Küste zu Küste auf dem Nord-Ostsee-Wanderweg: Westensee – Kiel

Der gestrige Abend war genauso, wie wir uns einen Abend am See vorgestellt hatten: Direkt am Westensee haben wir im Gasthaus Westensee zu Abend gegessen und dabei durch die großen Fenster des Gasthauses die erstklassige Aussicht über den Westensee genossen.

Nur Dithmarscher gab es leider nicht. Dafür aber noch einen Absacker im Jugendherbergs-Casino, wo der Herbergsvater noch ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert hat. Herrlich.

Von Westensee nach Kiel

Unsere letzte Etappe auf dem Nord-Ostsee-Wanderweg ist wieder geprägt vom Wasser und führt uns am Westensee, Großer und Kleiner Schierensee, Ahrensee und Hansdorfer See entlang. Weiter geht es dann über Hohenhude bis nach Kiel. Dort endet der Nord-Ostsee-Wanderweg im Stadtteil Schulensee. Wir wollen jedoch weiter bis zur Ostsee am Kieler Hafen laufen.

Lakeside View

Nach dem wir unser Jugendherbergs-Lunchpaket im Rucksack verstaut haben, machen wir uns auf den Weg Richtung Kiel. Der Morgennebel liegt noch über den See, aber der Wetterbericht hat zur Abwechslung mal einen sonnigen, warmen Tag vorhergesagt.

Es geht immer an der Südseite des Westensees entlang. Jedoch nicht so nah, wie wir es uns erhofft hatten. Denn der Uferbereich des fünftgrößten Sees Schleswig-Holsteins ist größtenteils in Privatbesitz. Und so kommen wir an Höfen, Gutshäusern und einigen herrschaftlichen Villen mit wunderschönen Ufergrundstücken vorbei. Wir spekulieren über die Grundstückspreise und können immer mal wieder zwischen den Häusern und den Bäumen einen Blick auf den See erhaschen.

Seeidylle am Westensee

Wir laufen an einem Naturcampingplatz vorbei und wandern zwischen Kleiner und Großer Schierensee hindurch. Dabei passieren wir einige schöne Bachläufe in einem ausgedehnten Waldgebiet. Hier sind wir in unserem Element und genießen jeden Schritt. An der östlichen Seite des Westensees kommen wir an einem Badeplatz noch mal ganz nah ans Wasser. Die weißen Schäfchenwolken spiegeln sich auf dem blauen Wasser und die Seeidylle, die sich vor uns ausbreitet, zieht uns vollkommen in seinen Bann. Was für ein Tag!

Der perfekte Pausenplatz

Ein Stück wandern wir noch weiter parallel am Wasser entlang und kommen durch die kleine Ortschaft Hohenhude. Mittlerweile ist es richtig angenehm warm und die Jacken können heute wohl wirklich im Rucksack bleiben. Nach dem Ort weißt uns der gelbe Keil den Weg durch ausgedehnte Pferdeweiden und Wiesen.

Über eine kleine Brücke überqueren wir abermals die Eider, die hier noch schmal und bedächtig durch die Wiesen fließt. Spontan beschließen wir, eine Pause einzulegen und dabei unsere Füße in das erfrischende Nass zu halten. Der Platz dafür ist perfekt: Direkt am Wasser ist eine freie Wiesenstelle und der Uferbereich fällt steil ins Wasser ab. Und so baumeln unser Füße schon wenig später im glasklaren Wasser – welches viel kälter als gedacht ist – aber herrlich erfrischt.

Auf der gegenüberliegenden Wiese tollen Pferde übermütig umher und scheinen genauso zufrieden zu sein wie wir. Und der Moment ist einfach nur perfekt.

Durch eine Eichenallee zum Hansdorfer See

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Danach führt uns der Wegverlauf weiter durch eine Allee, die aus uralten Eichen besteht. Die Bäume haben teilweise beeindruckende Baumstämme und eine beachtliche Größe. Durch die Hansdorfer Aue gelangen wir schließlich zum Hansdorfer See, den wir rechts passieren und weiter Richtung Osten wandern.

Die Zivilisation hat uns leider wieder

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Nach einem kleinem Waldstück stehen wir schließlich vor der Lärmschutzwand einer Autobahn, die uns ganz brutal wieder zurück in die Zivilisation holt. Wir folgen dieser ein Stück, unterqueren die Fahrbahn durch einen Tunnel und laufen auf der anderen Seite wieder ein Stück Richtung Süden. Schließlich kommen wir auf den Eider-Wanderweg, der uns wieder am Wasserverlauf der Eider entlang führt.

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Mittlerweile kommen uns immer mehr Spaziergänger entgegen und uns wird langsam klar, dass wir uns unweigerlich dem Ende des Nord-Ostsee-Wanderwegs nähern. Auch wenn es hier sehr schön ist und es immer parallel zur Eider entlang geht, sind uns hier deutlich zu vielen Menschen unterwegs.

Schließlich stoßen wir nach einem kurzen Anstieg auf eine große Straße und sehen durch die Bäume das Ortseingangsschild von Kiel. Wir sind in Kiel Schulensee angekommen.

Sollen wir uns das wirklich antun?

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Jetzt müssen wir noch 4,5 endlose Kilometer immer der Straße entlang durch die Stadt bis zur Ostsee an der Kieler Hörnbrücke laufen. Einen Augenblick überlegen wir, den Bus zu nehmen. Aber wäre es das wert? Nach den ganzen Kilometern und Strapazen? So kurz vor dem Ziel? Würden wir das nicht bis zu unserem Lebensende bereuen? Ja, würden wir.

Und so nehmen wir auch den letzte Abschnitt unserer Trekking-Tour von Küste zu Küste zu Fuß in Angriff. Und nach vergleichsweise entspannten 27 km stehen wir schließlich in Kiel auf der Hörnbrücke an der Ostsee. In 4 1/2 Tagen sind wir ca. 143 Kilometer von der Nordsee bis zur Ostsee gelaufen und haben wieder mal einiges gesehen und erlebt.

Unser Fazit

Die Wanderung von der Nordsee zur Ostsee durch Schleswig-Holsteins Mitte war für uns ein ganz besonderes Erlebnis. Auch wenn wir einige Teilstücke des Nord-Ostsee-Wanderwegs richtig verflucht haben, gab es auch viele schöne Abschnitte: Zum Beispiel am Nord-Ostsee-Kanal mit den Booten und riesigen Containerschiffen. Oder die Abschnitte entlang der Eider und durch Alleen, Wälder, saftig grüne Wiesen und idyllische Seen- und Moorlandschaften. Dabei wehte uns immer eine frische Briese Meerluft um die Nase und es umgab uns unterwegs die typische nordische Atmosphäre.

Und auch die weite, flache Landschaft hat ihren ganz besonderen Reiz. Vor allem, wenn sie zusammen mit dem Wolkenspiel zu einem Gesamtkunstwerk verschmilzt, wie es nur die Natur arrangieren kann. Beeindruckt hat uns auch die freundliche und offene Art der Menschen. Noch nie sind wir so oft angesprochen worden und sind so leicht ins Gespräch gekommen!

Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass der Nord-Ostsee-Wanderweg zu 50% auf Asphalt und oft kilometerweit schnurgeradeaus verläuft.

Aber im Norden gibt es halt auch kein dichtes Wanderwegenetz, da man hier in die Pedale tritt, um ohne Auto von A nach B zu kommen. Und die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten, ist nun mal eine Gerade.

Da oftmals Markierungen fehlen oder nicht mehr sichtbar sind, ist eine Wanderkarte oder ein Navigationssystem unbedingt Pflicht.

Die anderen Teile der Artikelserie

Etappe 1: Meldorfer Hafen – Albersdorf

Etappe 2: Albersdorf – Elsdorf

Etappe 3: Elsdorf – Westensee

Links

Die Aufzeichnung unserer Tour bei Social Hiking

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    vielen Dank für die Mitnahme auf Nord-Ostsee-Wanderweg.
    Mit Interesse habe ich Deine Berichte gelesen, da ich den Weg auch noch auf dem Zettel haben.

    Zum Fazit: Ich möchte hier doch mal eine Lanze brechen für das „Wanderland“ Schleswig-Holstein – denn hier gibt es durchaus phantastische Wanderwege und Routen, die durch faszinierende Landschaften führen – und nicht nur über Asphalt und Fernblicke nach dem Motto: Ich sehe Montags bereits wer mich Freitags besuchen kommt ;-)

    Die Fernwege E1/E6 z.B. führen durch phantastische Landschaften wie Ostsee, Holsteinische Schweiz (hier kann man sogar Höhenmeter machen…), Lauenburgische Seenplatte..

    Aber in der Tat – das Radwege-Netz ist dann schon etwas besser aufgestellt.

    Vielen Dank nochmal für die Berichte.

    Liebe Grüße
    Ralf

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