Meine erste Klettersteigtour in der Kletterarena Kaiserwinkl

Am 1. Juni 2011 eröffnete die von der Bergkameradschaft Walchsee neu errichtete „Kletterarena Kaiserwinkl“ in Tirol / Österreich. Ausgangspunkt ist die gemütliche Ottenalm. Vom Parkplatz am Sportplatz ist sie zu Fuß in einer knappen Stunde zu erreichen, mit dem Mountainbike entsprechend kürzer. Auch mit dem Auto können die Besucher im Sommer bis an die Hütte fahren, die direkt unter den Felswänden der Harauer Spitze liegt. Die Arena, die sich neben der Ottenalm befindet, lädt zum Klettersteig, Klettern und Slacklinen ein. Haglöfs ist offizieller Sponsor des Projekts und hat mich zum Pre-Opening der Kletterarena in Walchsee eingeladen.

Da ich noch nie eine Klettersteigtour gemacht habe und meine einzige Erfahrungen auf einen Hochseilgarten beruhen, war ich im Vorfeld ziemlich unsicher. Wie schwierig ist eine Klettersteigtour? Welchen Schwierigkeitsgrad kann ich mir als Anfänger zutrauen? Schaffe ich das überhaupt? Fragen über Fragen. Ein paar von meinen Fragen hat mir im Vorfeld Bernd Limbach beantwortet und mir auch einige hilfreiche Tipps mit auf den Weg gegeben. Noch mal herzlichen dank dafür!

Und so mache ich mich morgens auf in Richtung Österreich. 700 km Autobahn liegen vor mir. Nicht gerade wenig, aber was nimmt man nicht alles auf sich, um neues auszuprobieren. Acht Stunden und einige Staus später komme ich endlich in Walchsee an. Der Ort liegt direkt am gleichnamigen See und zu Füßen des imposanten Kaisergebirges. Schön ist es hier!

Abends steht das Pre-Opening der Kletterarena Kaiserwinkel auf dem Programm. Mit einem Shuttlebus geht es hoch zur Ottenalm in der wir durch Herbert Horelt, Geschäftsführer Haglöfs Deutschland GmbH, begrüßt werden. Der schwedische Outdoorspezialist Haglöfs ist offizieller Sponsor des Projekts und hat mich und einige andere zum Pre-Opening der Kletterarena eingeladen.

„Mit der Unterstützung der Kletterarena in Walchsee möchte Haglöfs nicht nur die Freude am Outdoor-Erlebnis fördern. Wir wollen den Besuchern eine spannende Zeit in der Natur ermöglichen,“

erläutert Herbert Horelt. Danach wird uns die Kletterarena und die Erstehung durch die Erbauer und den Tourismusverband Kaiserwinkl vorgestellt.

„Es war harte Überzeugungsarbeit, dieses Projekt umzusetzen“, erzählt Christian Rechenberger vom Tourismusverband Kaiserwinkl, „aber die beiden Initiatoren Ekkehard Wimmer und Manfred Gruber präsentierten uns ein überzeugendes Konzept samt hochwertiger Sponsoren, das den Alpinsportlern hier in der Region jetzt völlig neue Möglichkeiten eröffnet.“

Es folgt ein gemeinsames Abendessen mit regionalen Tiroler Spezialitäten. Highlight des Abends ist dann das Pre-Opening der Klettersteige. Eine mit Musik untermalte Lichtshow mit Feuer- und Nebelefekten setzt die Felswände der Harauer Spitze effektvoll in Szene. Anschließend klingt der Abend entspannt in geselliger Runde bei dem ein oder anderem Weißier in der Ottenalm aus.

Der nächste Tag beginnt mit einem gemeinsames Frühstück auf der Ottenalm. Leider regnet es und es sieht ganz so aus, als ob aus der Erstbegehung der Klettersteige nichts wird. 700 km umsonst gefahren, denke ich enttäuscht. In der Hoffnung, dass sich das Wetter doch noch ändert, wird die Präsentation der Haglöfs-Produktneuheiten vorgezogen.

Zum Glück wird das Wetter besser und so kann die geplante Klettersteigtour mit erfahrenen Bergführern von Hydro Alpin und dem Hindelanger Bergführerbüro doch noch stattfinden. Nach dem Anlegen der Ausrüstung und einer Einweisung geht es von der Ottenalm aus zum Einstieg der Klettersteige. Nach circa zehn Minuten haben wir diese erreicht. „Ottenalm Direttissima“, „Bergkameraden Steig“ und „Walchsee Runde“ heißen die drei Touren, die einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Bergwelt ermöglichen. Sie besitzen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die von B (leicht) bis hin zu D/E (sehr schwierig) der Klettersteigskala reichen. Die Längen liegen zwischen 70 und 300 Metern.

Ehe ich mich versehe, geht es auch schon los und ich klinke meine Karabiner in das Stahlseil. Leider habe ich keine Ahnung, um welchen Steig es sich handelt und vor allem – welchen Schwierigkeitsgrad er hat. Am Einstieg geht es gleich steil hinauf. Über Trittbügel gewinne ich rasch an Höhe, danach folgt gleich eine schwierige Passage. Aber nach ein paar Mal ausprobieren, überwinde ich diese erste Hürde. Auf einem Felspfeiler steige ich ähnlich schwer weiter bergauf. Dabei komme ich an einer Stelle fast an meine Grenze. Denn durch den Regen am Morgen ist der Fels noch feucht und erschwert das vorankommen zusätzlich. Immer wieder rutsche ich ab und komme nicht weiter. Aber Umkehren geht leider nicht und so muss ich mich der Herausforderung stellen, die ich nach einer Weile auch bewältige. Danach geht es relativ einfach weiter und ich komme zu einer Zwei-Seil-Brücke. Diese führt über eine Schlucht und sorgt für einen weiteren Adrenalinkick. Da es danach die Möglichkeit gibt, auf einen leichteren Übungsklettersteig zu wechseln, nutze ich die Gelegenheit um über diesen wieder abzusteigen.

Wie sich später herausstellt, handelte es sich um den anspruchsvollen und sehr schwierigen „Bergkameraden Steig“ mit einem Schwierigkeitsgrad von C/D. Als Anfänger hätte ich mir zum Einstieg eine einfachere und leichtere Klettersteigtour gewünscht. Aber leider hat der Bergführer vorher nicht gefragt, ob Anfänger dabei sind. Und so hatten die Bergführer bei der ein oder anderen Stelle reichlich zu tun, um alle Teilnehmer wieder sicher auf festen Boden zu bringen. Trotzdem war es ein tolles Gefühl, es dennoch geschafft zu haben. Nach einer Brotzeit in der Ottenalm und der offiziellen Verabschiedung mach ich mich glücklich und zufrieden wieder auf den Rückweg nach Dortmund.

Fazit:

Die Klettersteigtour war anstrengend, eine große Herausforderung aber auch eine tolle Erfahrung. An meine Grenzen zu kommen und diese zu überwinden ist ein unbeschreibliches Gefühl. Dennoch werden Klettersteigtouren nicht meine neue Leidenschaft – auch wenn es mir Spaß gemacht hat. Die Aussicht und Perspektive ist zwar toll, ich habe aber leider viel zu wenig von der Natur und der Landschaft mitbekommen. Zu sehr war ich mit mir selbst beschäftigt und musste mich auf den nächsten Schritt konzentrieren. Vielleicht war aber diese erste Klettersteigtour einfach nur zu schwer und anspruchsvoll…

Welche Erfahrung habt ihr bei eurer ersten Klettersteigtour gemacht? Welche Tipps könnt ihr Anfängern geben?

Vielen Dank an den Tourismusverband Kaiserwinkl und Haglöfs für die Einladung zum Pre-Opening der Kletterarena und die Bereitstellung der Bekleidung. Danke auch an die Bergführer für die Hilfestellung bei den schwierigen Passagen. Ein besonderer Dank geht an Tina von der TOC Agentur für Kommunikation GmbH & Co. KG für die hervorragende Organisation und Betreuung der Veranstaltung.

Viele Grüße auch an alle Teilnehmer des Pre-Openings, insbesondere an Veit von AirFreshing und Ralf von via-ferrata, die ich dort u.a. kennen gelernt habe. Hat mich sehr gefreut!

Über die Kletterarena Kaiserwinkl:

Die Nutzung der Kletterarena Kaiserwinkel ist kostenlos und von Ostern bis ersten November möglich. Der Verleih von Kletterausrüstung und Slacklines ist zukünftig vorgesehen. Neben den drei Klettersteigen können die Besucher als weiteres Highlight die Kletterrouten probieren oder an den Slacklines zwischen den umliegenden Bäumen balancieren. Rundum ein Spaß für sportbegeisterte Familien, die sich in den Bergen wohlfühlen und zusammen etwas unternehmen wollen. Zudem werden fortgeschrittene Kletterer ihre Freude an der Felsqualität der Arena haben. Weitere Informationen unter www.kaiserwinkl.com. Die Toposkizze der einzelnen Touren gibt es unter www.bergsteigen.at.

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Jens,
    lange habe ich ja darauf gewartet, das Du endlich mal mit Deinen Erfahrungen zur Klettersteigarena heraus rückst! Nun sind sie ja endlich da. Prima!
    Immerhin hat es Dir ja Spaß gemacht, das ist ja schon einmal was. Ich weiss selbst nicht so genau, ob ich Klettersteige mag. In meinen bisherigen Alpentouren war ich beim klassischen Klettern oder Bergsteigen bzw. Hochtour. In gewisser Weise bin ich als eher dem Klettern im Fels (und Eis) erlegen. Aber Dein Bericht hört sich schon einmal sehr gut an! Da mag ich wohl auch einmal hinfahren, um mir dies anzuschauen und zu probieren.

    Für Anfänger ist es sicherlich wichtig, das sie mit leichten Touren anfangen, gerade wenn keine Klettererfahrung vorliegt. Meine Empfehlung ist, macht einen Kurs! Das kann nicht schaden. Es gibt genug Bergsteigerschulen, die dies anbieten. Die ausgebildeten Kursleiter werden fachgerechte Auskunft und Hilfestellung geben. Ich denke, es ist das investierte Geld wert. Nach diesen ersten Erfahrungen kann man sich schon ein bisschen besser einschätzen. Danach kann die Schwierigkeit langsam gesteigert werden. Lieber einmal zu einfach, als direkt zu schwierig. Die Lust soll ja nicht verloren gehen. Bitte auch daran denken, dass bei populären Klettersteigen der Andrang groß sein kann und es dadurch ist nicht unbedingt möglich ist, zurück zu gehen! Da steigen Euch die Nachfolger in den Nacken… An denen vorbei ist auch nicht ohne, gerade, wenn es in einem ausgesetzten Stück ist. Gerade als Anfänger sollte man solch eine Situation sicherlich vermeiden.
    Ein Gedanke schwirrt mir noch im Kopf herum. Das Seil des Klettersteigs ist zum Sichern da, nicht umbedingt zum krampfhaft festhalten, das geht am Fels meist viel besser. Ehrlich! Aber das solltet Ihr für Euch selbst ausprobieren.

    Ich fragte mich, ob man auf dem Klettersteig sich wirklich (ständig) die Natur ansehen mag, oder ob es ums gehen im Klettersteig geht. Der ein oder andere Blick ist natürlich wünschenswert und auch angebracht! Gar keine Frage (Gipfel…).
    Das du hauptsächlich mit Dir selbst beschäftigt warst, kann ich mir gut vorstellen. Da wirst Du nicht alleine sein. Dafür gehe, wenn ich denn kann, klettern. Da schalte ich völlig ab und lasse den Alltag hinter mir. Das ist erstens eine Notwendigkeit des Tuns und zweitens entspannt immens! Das ist völlig in Ordnung.

    So, genug geschrieben, sonst liest dies ja niemand. Probiert es einfach aus!

    Oh, das fällt mir noch etwas ein, das letzte Bild. Zwei Leute auf der Zwei-Seil-Brücke… Ob das ein Bergführer Euch raten würde… ??? Ich persönlich würde es aus Sicherheitsgründen nicht machen (ich bin aber auch kein Bergführer).

    Gruß, Bernd

    PS: Danke für die Erwähnung und natürlich keine Ursache für die erste Hilfe.

  2. Hallo Bernd, vielen dank für deinen ausführlichen Kommentar und die Tipps für Anfänger!

    Auf AirFreshing gibt es übrigens auch einen Artikel über die Neueröffnung der Kletterarena Kaiserwinkl. Du findest diesen unter:

    Die zweite Person auf dem Foto ist der Bergführer!!! Er musste jemanden rüber holen…

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