Gastbeitrag: Unterwegs in Deutschland auf dem Europäischen Fernwanderweg E1

Dies ist ein Gastbeitrag von Roland von der Seite www.wanderwege-nrw.de

Der Europäische Fernwanderweg E1. Vom norwegischen Nordkap bis nach Sizilien. Ungefähr 4600 Kilometer der Wegstrecke sind heute schon markiert. Und allein ca. 1800 Kilometer davon führen durch Deutschland.

Wie soll das bloß zu schaffen sein? Die wenigsten können sich für eine Fernwanderung eine mehrmonatige Auszeit vom Job oder der Familie gönnen. Und wer weiß, ob man im Rentenalter noch fit genug ist, um eine derartige Strecke überhaupt bewältigen zu können?

Der E1 als „Langzeitprojekt“

Nachdem ein paar alte Freunde und ich in den Jahren zuvor schon regelmäßig auf verschiedenen Fernwanderwegen gemeinsam gewandert sind, kam die Idee auf, zumindest den deutschen Teil des E1 zu erwandern. Immer mal wieder ein paar Etappen am Stück, wenn wir Zeit dafür haben. Quasi als „Langzeitprojekt“. Und um einen Anlass zu haben, sich in regelmäßigen Abständen wiederzutreffen.

Auch wenn wir wahrscheinlich auf diese Weise jahrelang auf dem E1 unterwegs sein werden, passt hier wunderbar der schöne Spruch „Der Weg ist das Ziel“.

Warum E1?

Der Europäische Fernwanderweg E1 durchquert Deutschland von Nord nach Süd. Von der deutschdänischen Grenze bei Krusau in der Nähe von Flensburg führt der E1 bis nach Konstanz am Bodensee. Er eignet sich somit hervorragend, die verschiedenen Regionen Deutschlands näher kennenzulernen. Der Weg führt den Wanderer in Gegenden, die man wahrscheinlich sonst nie besucht hätte. Auch das Streckenprofil des E1 ist ziemlich abwechslungsreich. Wo es in Norddeutschland noch eher flach zugeht so ist auf den Etappen durch Teutoburger Wald, Sauerland oder Schwarzwald schon mit recht knackigen Auf- und Abstiegen zu rechnen.

Es liegt es in der Natur eines derartigen Fernwanderweges, dass der Weg auch mal an Straßen entlang oder durch eher langweilige Stadtgebiete führt. Aber da der Weg teilweise bereits bestehenden Wanderwegen folgt und durch die örtlichen Wandervereine betreut wird, sind die Wege meist sehr angenehm zu begehen. Die Wegführung macht auch den einen oder anderen Schlenker, um „Attraktionen“ wie besondere Aussichtspunkte oder Naturschutzgebiete mitzunehmen. Genauso variantenreich ist auch die Länge der einzelnen Etappen. So gibt es durchaus Etappen, die über 30 Kilometer lang sind. Je nachdem, wie weit der nächste Ort mit einer Übernachtungsmöglichkeit entfernt ist.

Wo geht’s lang?

Auf seinem Weg von Nord nach Süd durchquert der E1 die verschiedensten Regionen Deutschlands. Von der Norddeutschen Tiefebene über Lübeck und Hamburg weiter bis zur Lüneburger Heide. Es folgen das Hannoversche Bergland, Lipper Bergland, Teutoburger Wald, Eggegebirge, Sauerland, Westerwald, Taunus, Odenwald und Schwarzwald, bis schließlich Konstanz am Bodensee erreicht wird.

Die von uns bisher erwanderten Etappen des E1 waren durchgängig sehr gut markiert. In der Regel wird in Deutschland als eigenständige Wegmarkierung für den E1 das weiße Andreaskreuz verwendet. Folgt der E1 einem bereits bestehenden Wanderweg, wird er häufig nicht zusätzlich markiert. In diesen Fällen folgt man der Wegmarkierung des jeweiligen Wanderweges (z.B. dem X2 des Rothaarweges im Sauerland oder der roten Raute des Westweges im Schwarzwald). Trotzdem wird auch in solchen Fällen durch ergänzende Markierungen oder Hinweistafeln immer wieder auf den E1 hingewiesen.

Die Etappen

Prinzipiell kann sich jeder den E1 in Etappen nach seinem persönlichen Geschmack einteilen. Trotzdem sollten bei einer mehrtägigen Tour immer die vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten beachtet werden. Wer nicht gerade mit Zelt und Schlafsack unterwegs ist, ist auf die vorhandene Infrastruktur angewiesen. Der Weg durchquert immer wieder Regionen, in denen die Übernachtungsmöglichkeiten eher spärlich sind oder etwas weiter vom Weg entfernt liegen.

Aus meiner Sicht hat sich die Etappeneinteilung aus dem Wanderführer 1057 „Europäischer Fernwanderweg E1“ von Arthur Krause aus dem KOMPASSVerlag als Standard durchgesetzt. Arthur Krause beschreibt in diesem Wanderführer den deutschen Teil des E1 in 77 Etappen sehr komprimiert und informativ und bietet zusätzlich zu jeder Etappe eine Übersichtskarte. Die Wegbeschreibungen sind zwar teilweise schon etwas veraltet, sind aber immer noch eine sehr große Hilfe bei der Planung bzw. während der Wanderung. Allerdings ist dieser Wanderführer laut telefonischer Aussage des Verlags zur Zeit vergriffen. Eine Neuauflage ist wohl geplant, einen konkreten Erscheinungstermin konnte man mir allerdings nicht nennen (Stand: April 2012). Teilweise sind über das Internet oder im Buchhandel noch vereinzelt (neue oder gebrauchte) Exemplare zu bekommen. Zuletzt war die 8. Auflage von 2008 aktuell.

Der Einstieg – Die ersten vier Etappen in Deutschland

„Aller Anfang ist schwer“, so heißt es. Daher beschreibe ich hier ganz grob als Einstiegshilfe den Verlauf der ersten vier Etappen des deutschen Teils des E1. Weiter unten ist der Verlauf der Etappen in der Karte eingezeichnet. Zusätzlich gibt es die Etappen als GPS-Tracks zum Download.

Viel Spaß beim Wandern auf dem E1!

1. Etappe: Dänische Grenze – Flensburg – Oeversee (ca. 22 Kilometer)

Wie schon oben beschrieben überquert der E1 am Grenzübergang Kupfermühle bei Krusau die deutschdänische Grenze. Als echter E1-Wanderer beginnt man natürlich hier die Wanderung und nicht erst am Bahnhof in Flensburg ;-) Am einfachsten erreicht man den Grenzübergang in ca. 15 Minuten vom Bahnhof in Flensburg per Taxi (so haben wir es zumindest damals gemacht).

Vom Grenzübergang führt der Weg durch den Flensburger Staatsforst und entlang eines Stücks Ostseestrand mit Blick auf die Flensburger Förde, bevor dann das nördliche Stadtgebiet durchquert wird. Weiter zum Flensburger Hafen im Zentrum der Stadt. Dann durch die südlichen Randbereiche von Flensburg wandern. Vorbei am Julianen- und Sophienhof, einem Hünengrab und dem Sankelmarker See, bis Oeversee erreicht wird.

POSITIVES: Netter Blick auf die Flensburger Förde, maritimes Flair am Flensburger Hafen, idyllischer Sankelmarker See, historische Rundturmkirche in Oeversee.

NEGATIVES: Gerade im eher gewerblich geprägten Süden von Flensburg folgt der Weg recht oft größeren Straßen.

2. Etappe: Oeversee – Schleswig (ca. 31 Kilometer)

Von der kleinen Gemeinde Oeversee geht es durch ein Naturschutzgebiet über Süderschmedeby bis nach Sieverstedt. Weiter durch Stenderup und Elmholz bis nach Idstedt.

Den Idstedter See halb umrunden und überwiegend durch Wald weiter wandern. Entlang des Tiergartens in Schleswig bis nach Schloss Gottorf. Die Altstadt befindet sich ca. 2,5 Kilometer entlang der Schlei in westlicher Richtung abseits des E1.

POSITIVES: Es werden nur wenige kleine Orte durchquert, schön gelegener Idstedter See, recht viel Wald, sehenswerte Altstadt von Schleswig.

3. Etappe: Schleswig – Brekendorf (ca. 19 Kilometer)

Mit Blick auf die Schlei und die Altstadt weiter. Dann auf netten Wegen entlang an Haddebyer und Selker Noor bis Niederselk. Vorbei an der Selker Mühle, die Autobahn A7 überqueren und bis Lottorf wandern. Zunächst auf breiteren Wegen weiter südlich. Dann auf schmaleren Wegen das (nach Regen recht feuchte) Westermoor durchqueren. Die A7 unterqueren bis schließlich Brekendorf erreicht wird.

POSITIVES: Schöne Ausblicke auf Schlei und Schleswig, schmale Pfade an Haddebyer bzw. Selker Noor und Selker Mühle, Weg durch das Westermoor.

NEGATIVES: Zweimal wird die Autobahn gekreuzt.

4. Etappe: Brekendorf – Eckernförde (ca. 30 Kilometer)

Von Brekendorf aus geht es in den Naturpark Hüttener Berge. Durch Wald bis hoch zum Heidberg wandern. Dann weiter den Naturpark durchqueren bis ein erneuter Aufstieg hoch auf den Aschberg führt. Weiter auf mal größeren, mal kleineren Wegen bis Damendorf und Osterby. Dann am nördlichen Ufer des Windebyer Noors entlang, bis Eckernförde erreicht wird.

POSITIVES: Dichter Wald im Naturpark Hüttener Berge, weite Ausblicke von Heidberg und Aschberg, netter Weg am Windebyer Noor.

Schematische Karte der ersten vier Etappen


Europ. Fernwanderweg E1 (die ersten 4 Etappen) auf einer größeren Karte anzeigen

GPS-Tracks der ersten 4 Etappen

Die unten verlinkten Tracks wurden von mir während der Wanderung auf dem E1 aufgezeichnet. Die Tracks wurden dann nachbearbeitet, aktualisiert (Stand: April 2012) und auf max. 500 Trackpunkte reduziert, um die Kompatibilität mit älteren GPS-Geräten sicherzustellen. Daher kann es bei der Wegführung zu kleinen Ungenauigkeiten kommen. Die Genauigkeit reicht in jedem Fall aus, um die Strecke mit Hilfe des Tracks nachzuwandern. Zum Download die entsprechende Datei speichern (rechte Maustaste – Ziel speichern unter).

http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.01-Krusau-Oeversee.gpx
http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.01-Krusau-Oeversee.kml

http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.02-Oeversee-Schleswig.gpx
http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.02-Oeversee-Schleswig.kml

http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.03-Schleswig-Brekendorf.gpx
http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.03-Schleswig-Brekendorf.kml

http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.04-Brekendorf-Eckernfoerde.gpx
http://e1.wanderwege-nrw.de/E1-01.04-Brekendorf-Eckernfoerde.kml

Teilweise bieten die Landesvermessungsämter der Bundesländer GPS-Tracks zu den Etappen des E1 in Deutschland an. Ansonsten sind die verschiedenen Tourenportale im Internet eine gute Quelle.

Fazit

Wer die verschiedenen Regionen Deutschlands von Nord nach Süd auf einem überwiegend gut markierten und sehr abwechslungsreichen Fernwanderweg erwandern möchte, für den ist der E1 auf jeden Fall gut geeignet. Auch wenn der deutsche Teil des E1 in seiner Wegbeschaffenheit nicht immer den Kriterien der sogenannten „Premium“- und „Qualitätswanderwege“ entspricht, ist für mich bisher jede Wanderung auf dem E1 in positiver Erinnerung geblieben.

Literatur und Links zum E1

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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