Auf den Wildnis-Trail durch den Nationalpark Eifel – Etappe 4

Wären wir gestern doch nur liegen geblieben, dann wäre uns viel Aufregung und eine unruhige Nacht erspart geblieben. Aber von vorne: Letzten Abend haben wir uns doch noch aufgemacht, um im Restaurant Eifeler Hof in Heimbach etwas essen und trinken zu gehen. Dabei haben wir unser letztes Bargeld ausgegeben. Kein Problem dachten wir, schließlich sind wir es als Großstädter gewohnt jederzeit Bargeld aus EC-Automaten zu bekommen. Und so machen wir uns nach dem Essen auf . Zu unserer Überraschung ist dieser außer Betrieb. Zum Glück gibt es zwei Geldautomaten in Heimbach. Als wir einmal quer durch den Ort sind, stellen wir mit Schrecken fest, dass auch dieser außer Betrieb ist! Ungläubig schauen wir abwechselnd auf den Bildschirm und uns an. Wir können es einfach nicht fassen. Als wir zurück zur Pension gehen überlegen wir schon mal, wie wir morgen unserer 81-jährigen Vermieterin erklären, dass wir unser Zimmer nicht bezahlen können…

Etappe 4: Heimbach bis Hürtgenwald-Zerkall

Direkt nach dem Frühstück macht sich mein Schwager auf zu dem nächst gelegenen EC-Automaten. Wir haben die Hoffnung, dass wenigstens einer von beiden heute morgen wieder funktioniert. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt er endlich zurück – mit Bargeld. Ein Glück, wir können unser Zimmer bezahlen, verabschieden uns von der Vermieterin und machen uns auf.

Die letzte Etappe auf dem Wildnis-Trail von Heimbach bis Zerkall ist mit 17,7 Kilometer kurz und verhältnismäßig einfach. Der Weg führt durch den Norden des Nationalparks und überwindet dabei 430 Höhenmeter Anstieg und 465 Höhenmeter Gefälle und ist damit der konditionell anspruchsloseste Abschnitt des Wildnis-Trails.

Vom malerischen Städtchen Heimbach führt uns der Weg ein Stück der Rur entlang. Danach geht es steil durch ein Wohngebiet  bergauf. Oben angekommen öffnet sich eine Schneise und es geht Kilometer weit geradeaus entlang einer unterirdischen Gasleitung. Monotonie pur. Im weiteren Verlauf wird die Strecke durch einige Bögen künstlich verlängert, was uns auch nicht gerade in Begeisterung ausbrechen lässt – abkürzen wollen wir aber auch nicht.

Danach geht es endlich durch den Hetzinger Wald, dessen zahlreichen knorrigen Eichen und dem vielfältigen Mischwald die Landschaftspalette des Nationalparks komplettieren und für uns nach dem eintönigen Abschnitt eine willkommene Abwechslung ist. Ein paar Kilometer später geht es dann durch das stille und schöne Schliebachtal aufwärts. Kurz vor dem kleinen Ort Schmidt biegt der Weg nach rechts ab und führt über offenes Feld. Nachdem wir eine Landstraße überquert haben, geht es auf einem schmalen Pfad hinunter ins Tal der Kall, die dort mit der Rur zusammen fließt. Nach diesem schönen, letzten Abstieg erreichen wir das Ziel, den Nationalpark-Infopunkt in Zerkall und damit auch das Ende unserer viertägigen Wanderung auf dem Wildnis-Trail durch den Nationalpark-Eifel.

Von Zerkall fahren wir bequem mit der Rurtalbahn zurück nach Heimbach und von dort mit dem Trail-Express zum Ausgangspunkt nach Monschau-Höfen. Unterwegs lassen wir unsere Gedanken schweifen und die letzten vier Tagen Revue passieren. In Monschau-Höfen setzen wir uns nicht ganz ohne Wehmut ins Auto und fahren wieder zurück Richtung Ruhrgebiet. Im Autoradio läuft „Zu schnell Vorbei“ von Clueso – wie recht er hat…

Fazit

Auch wenn der Wildnis-Trail seinen Namen nicht ganz gerecht wird, führt der Weg doch durch sehr schöne, interessante und abwechslungsreiche Landschaften. Es ist spannend zu sehen, wie die Natur sich verwandelt, wenn sie sich selbst überlassen wird. Bis die Verwandlung jedoch abgeschlossen ist, wird es allerdings noch Jahre dauern. Aber auch so ist die Vielfalt der einzelnen Etappen außergewöhnlich. Darüber hinaus gibt es unterwegs auch einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

Insgesamt hat mir der Wildnis-Trail sehr gut gefallen, besonders die erste und zweite Etappe. Trotzdem habe ich mehr unbefestigte Wege erwartet. Viel zu oft verlief der Weg über breite Schotterwege oder Asphalt, anstatt über schmale Trails. Empfehlenswert ist der Wildnis-Trail aber trotzdem, denn die Natur hat viel zu bieten – besonders im Frühjahr und Sommer.

Natur, Ruhe und Abstand vom Alltag. Kurz gesagt – vier Tage Auszeit. Das hatten wir uns von dem Wildnis-Trail versprochen und genau das haben wir unterwegs gefunden.

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Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

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