After-Work-Wanderung rund um Obersprockhövel

Der Sommer ist eigentlich die einzige Jahreszeit, wo ich nach der Arbeit noch eine kleine Wanderung unternehmen kann. Denn es bleibt länger hell und es ist Abends meistens noch schön warm – oder wie im Juli 2013 – ist es erst dann nicht mehr so heiß. Diesmal habe ich mir als After-Work-Wanderung, eine rund 10 km Rundwanderung rund Obersprockhövel ausgesucht, die ich bei Outdooractive entdeckt habe. Diese führt u.a. durch die Naturschutzgebiete „Wald am oberen Paasbach“ und „Am Nockenberg“.

Ich muss gestehen, dass ich mir nicht viel von der Wanderung versprochen habe. Zwar liest sich die Beschreibung nicht unattraktiv, aber da man beim Wandern in der Nähe des Ruhrgebiets auch in ländlichen Gegenden immer wieder auf  Bauernhöfe, Häuser, Straßen und Spaziergänger trifft, habe ich mir nicht so viel Naturerlebnis und Ruhe versprochen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ein Sommer, der auch einer ist

Die letzten Tage war es brühheiß in Deutschland. Die Meteorologen überschlugen sich mit Superlativen wie, Sahara-Hitze oder Hitze-Hammer. Am Ende geht der Juli 2013 sogar als sechstheißester Juli in Deutschland seit 1881 in die Meteorologiegeschichte ein. Auch ich wollte das schöne Sommerwetter für eine Wanderung nutzen, musste jedoch arbeiten. Da ich auch die nächsten Wochenenden keine Zeit für eine Wanderung hatte, blieb nur noch ein Tag in der Woche nach der Arbeit.

Obersprockhövel

Es herrscht allerfeinstes Sommerwetter, als ich mein Auto an der Löhener Straße in Obersprockhövel abstelle. Obersprockhövel liegt am südlichen Rand des Ruhrgebiets im Niederbergisch-Märkischen Hügelland. Die Gegend ist geprägt von sanften Hügeln und Tälern, die mit Wiesen und Wäldern durchzogen sind. Vom Auto aus führt mich der Weg an alten Fachwerkhäusern vorbei und dann direkt in den Wald des oberen Paasbachs. Zum Glück ist es heute nicht mehr ganz so heiß, wie am Anfang der Woche.

Durch das Naturschutzgebiet „Wald am oberen Paasbach“

Sofort wird es ein wenig kühler und die Stille des Waldes umfängt mich. Nur ein paar Vögel sind zu hören, die auf den Eindringling mit aufgeregten zwitschern reagieren. Der Weg führt mich auf einem schmalen Pfad bergab und ich erreiche ich den naturnahem Bachlauf des Paasbach mit seinen sumpfige Quellzonen, dem ich ein Stück parallel folge. Das erste mal kommt mir der Gedanke, dass der Weg doch viel schöner ist, als vermutet. Dann geht es wieder bergauf und weiter durch den Wald bis ich den Paasbach überquere. Der Weg führt mich nach links weiter durch einen Eichen-Buchenmischwald mit beeindruckenden Baumriesen. Bald schon geht es wieder aus dem Wald, ich passiere ein Gehöft und es geht weiter mitten durch eine Wiese stetig bergauf und dann am Waldrand entlang. Hinter mir tut sich immer mehr ein schöner Ausblick auf grüne Hügel, Wiesen und Wälder auf, je höher ich komme. Hier bin ich das erste mal total aus dem Häuschen. Es kommt aber auch alles zusammen: Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und um mich herum ist alles grün.

Entlang des Winterbergs

Doch bald schon hat mich die Zivilisation wieder und der Weg führt ein ganzes Stück auf Straßen entlang, bevor er endlich wieder nach rechts abbiegt und mich beabsichtigt mitten über eine Wiese mit Milchkühen führt. Unter den misstrauischen Blicken der Wiederkäuer überquere ich die Weide, von der sich mir ein schöner Panoramablick bis ins Ruhrgebiet bietet. Ich passiere ein weiteres Gatter und es geht unterhalb des Winterbergs durch ein Tal. Der Berg ist die höchste Erhebung Sprockhövels und liegt auf der Wasserscheide zwischen des Felderbachs und Paasbachs. Der Weg führt mich am Waldrand des Winterbergs stetig bergab, hohe Gräser säumen den Weg und das Tal öffnet sich vor mir immer weiter. Die tief stehende Sonne taucht alles in ein grandioses Licht und spendet angenehme Wärme. Ich bin total geflashed von dem Augenblick und der Komposition, wie sie nur die Natur arrangieren kann.

Im Kreßsiepen

Total entspannt und voller Glücksgefühle wandere ich immer weiter am Fuße des Berges entlang und genieße den Ausblick. Schließlich geht es wieder in den Wald und in Serpentienen weiter bergab bis zur Hofschaft „Im Kreßsiepen“, einer der ältesten Höfe Sprockhövels. Auf dem Kreßsiepen Weg laufe ich ein ganzes Stück am Felderbach entlang und entdecke auf einem Zaunpfosten eine stattliche Eidechse, die sich in der Sonne aalt. Wie sich später raus stellt, handelt es sich um eine weibliche Zauneidechse. Für ein paar Fotos bleibt sie sitzen, bevor sie von dem Pfahl ins Gebüsch springt.

Am Nockenberg

Der Weg führt mich immer weiter am Berg entlang, ich überquere die Löhener Straße und der Weg zweigt nach links auf einen kaum erkennbaren Weg in den Wald hinein. Vor mir scheuche ich zwei Rehe auf, die mich erst spät wahrnehmen und dann mit großen Sätzen Reißaus nehmen. Ein schöner, schmaler Kammweg führt mich immer tiefer in den Wald hinein. Wenig später komme ich jedoch wieder auf die Löhener Straße und folge ihr nach „Am Nockenberg“, einer größteren Ansiedlung. Der Weg führt nun unspektakulär auf verschiedenen Straßen immer weiter durch die Felder. Ist mir jetzt aber auch egal.

Zeichen des Kohlebergbaus

Wenig später überquere ich wieder die  Nockenbergstraße und der Weg führt mich danach endlich wieder in den Wald hinein. Rechts am Weg vor mir, kann ich gerade noch eine recht große Blindschleiche entdecken, bevor sie in den Blättern verschwindet. Schade, die hätte ich mir gerne näher angeschaut. Wenig später komme ich an einem mittelalterlichen Verhüttungsplatz vorbei, wo in der Waldschmiedezeit Eisen gewonnen wurde. Denn Sprockhövel gilt auch als Wiege des Ruhrkohlenbergbaus, weil hier die Flöze der Steinkohle an der Erdoberfläche aus treten und diese so mit einfachsten Mitteln abgebaut werden konnten. So war die Kohle für den Ofen direkt in der Nähe verfügbar. Ein Teil des letzten Wegabschnitts führt mich dann auch noch an verschiedenen Zeugnissen des Kohlenbergbaus vorbei, die mit Informationsschildern anschaulich erklärt werden.

Vor Oberdraing bietet sich mir noch mal ein schöner Ausblick bis hinein ins Ruhrgebiet. Dann geht es noch ein Stück durch den Wald, bis ich schließlich wieder meinen Ausgangspunkt erreiche und eine schöne, entspannte After-Work-Wanderung geht zu Ende.

Mein Fazit

Die Wanderung rund um Obersprockhövel führt abwechslungsreich durch Wiesen, Weiden und Wald. Dabei durchquert man zwei sehr schöne Naturschutzgebiete und immer wieder ergeben sich schöne Ausblicke über die hügelige Landschaft. Zwar verläuft ein Großteil des Weges auch über Straßen und asphaltierte Wege, dafür sind die anderen Wegabschnitte aber umso schöner. Vor allem die schmalen Pfade durch die hohen Gräser sind grandios. Und auch die Spuren des frühen Kohlebergbaus sind interessant zu entdecken.

Natürlich haben auch die seltenen Tiersichtungen und das Wetter einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet, dass mir die Tour gut gefallen hat. Wenn es warm ist, die Sonne scheint und man Tiere in freier Wildbahn beobachten kann, ist die Stimmung grundsätzlich schon mal gut und der Alltagsstress schnell vergessen. Besser kann dann eine After-Work-Wanderung gar nicht sein.

Weitere Informationen zu der Wanderung findet ihr auch auf outdooractive.com: Rundtour Obersprockhövel im Ruhrgebiet

Fotogalerie

Meine Aufzeichnung der Wanderung bei Social Hiking

Veröffentlicht von

Mein Name ist Jens und ich bin ein absoluter Outdoor-Enthusiast: Wandern und Trekking bedeutet für mich, die Natur hautnah mit allen Elementen erleben – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Mich zu bewegen, Neues zu erkunden und mich den Herausforderungen der Natur zu stellen, sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar


Bleib in Kontakt und erhalte aktuelle News!schliessen
Powered by LikeJS
oeffnen